Multimeter Empfehlung für Gerätereparatur

Diskutiere Multimeter Empfehlung für Gerätereparatur im Forum Messtechnik im Bereich Werkzeuge & Maschinen - Hallo und danke für dieses großartige Forum :thx: Da ich in der Suchfunktion nur entweder viele Jahre alte Threads und/oder nicht so spezifische...
Hier ist die lange Version des Videos des Störlichtbogenunfalls bei Barranca Ecopetrol in Kolumbien
(Einfahren eines feuchten Schalters):
https://www.youtube.com/watch?v=iFfZksdCX40

Ob eine Person dabei ums Leben kam ist unklar, da diesbzgl. widersprüchliche Informationen zirkulieren.

Schwere Störlichtbogenunfälle sind relativ selten, können jedoch massive Schäden verursachen. IIRC fiel deswegen in einem CH Kantonsspital die gesamte zentrale Notstromversorgung aus (kritische lebenunterstützende Geräte verfügen oft über interne Überbrückungsakkus).

Vereinzelte Schaltanlagen sind mit Störlichtbogenschutzvorrichtungen ausgestattet, z.B. mit pyrotechnischen Kurzschlusspatronen, einfachere Systeme wirken lediglich auf die Ausschaltspulen der Schalter.
Gewisse Leistungselektronikanlagen hoher Leistung in Mittelspannung sind mit Störlichbogenwächter ausgestattet (optische Lichtbogenerfassung ggf. kombiniert mit Strom-, Magnetfeld- und Drucksensoren).

Die meisten Störlichbogenunfälle werden durch Fehlhandlungen, Tiere sowie Wasser verursacht.

Hier noch ein Multimeter-Störlichtbogen (Prüffeld-Demo):
https://www.youtube.com/watch?v=HaIszMlrQNE

25 kA entsprechen einem durchaus in Industrianlagen anzutreffenden prospektiven Kurzschlussstrom. Im privaten Bereich sind die Werte weitaus tiefer, oft unter 6 kA im Verteiler und tiefer nach ein paar Meter 1.5 oder 2.5 mm2 Cu Leiterlänge.
Sehr hohe prospektive Kurzschlussströme werden bei unterspannungsseitg parallel geschalteten Netztrafos erreicht. Auch mit grösseren MS/NS Einzeltrafos (oft im 2500 kVA Bereich), wie sie in grossen Industrieanlagen und vielen grossen Rechenzentren anzutreffen sind, sind hohe prospektive Kurzschlussströme vorhanden.
 
Carsto89 schrieb:
sicherer ist es deshalb weil weniger fehler passieren können?
Ja.

Bei Strommessung in Serie wird ja immer der Stromkreis aufgetrennt. Wenn wir ehrlich sind sind das irgendwelche hingezauberte Provisorien. Fängt schon damit an das man z.B. irgendwie von Messstrippe auf Reihenklemme kommen muss. Selbst eine saubere Lösung (zerschnittene Messstrippe mit Aderendhülsen) verletzt das Sicherheitskonzept der Messstrippen mit den isolierten Enden.
Fürs Umklemmen muss auch immer komplett freigeschalten werden. Weil es schnell gehen muss beschränkt man sich plötzlich auf den betroffenen Stromkreis und hantiert mit offenen Leitungen gleich neben Anschlussklemmen herum. Die Klemmen mögen zwar fingersicher sein, eine 1,5mm Leitung ist aber kleiner als ein Finger.
Und wenn du Strom von 3 Phasen messen willst brauchst du 3 Messgeräte. Die hat ganz sicher keiner in der Tasche, deswegen wird das Spiel dreimal nacheinander durchgeführt. Natürlich mit komplett abschalten und so weiter. :roll:

Für eine Strommesszange zieht man den angeschlossenen Leiter aus dem Kabelkanal und prüft innerhalb von 10 Sekunden den Strom an 3 Phasen ohne, nicht mal kurzfristig, die vorhandene Isolierung zu unterbrechen. Man kommt gar nicht in Versuchung irgendwelche komische Sachen anzustellen.

Und mit anständigen Zangen kann man heute auch Ströme <1A vernünftig gemessen.


mfg JAU


P.S. Ich weiß nicht ob es da einen Zusammenhang zum falschen Quoting gibt, deine Umschalttaste ist auch kaputt.
 
J-A-U schrieb:
Und mit anständigen Zangen kann man heute auch Ströme <1A vernünftig gemessen..
Bei 230 V bedeutet 1 A grob 230 W - abgesehen von ein paar Küchengeräten benötigt das Meiste im Haushalt weniger Strom. Von daher sollte man sich ein Gerät aussuchen, was deutlich (!) unter 1 A messen kann. Wer dann noch Fälle wie das Handyladegerät im Standby messen möchte, legt auch wieder einiges drauf - Stichwort Leckstromzange.

Dagegen ist der nach oben nahezu offene Strombereich der Zangen im Haushalt völlig überflüssig. Auto starten, ein Schweißgerät oder eine Elektrotankstelle dürften die größte Stromstärke haben, aber da ist nichts bei, was 300 und mehr Ampere braucht. Und erstrecht nichts, was in diesem Bereich besondere Präzision verlangt.
 
Senkblei schrieb:
Die meisten Störlichbogenunfälle werden durch Fehlhandlungen, Tiere sowie Wasser verursacht.
Unabhängig von der Ursache scheint mir der dämlichste Fehler in dem Fall gewesen zu sein das der Kollege bei offener Türe geschalten hat. Man sieht ihn im Video kurbeln, demnach hat er wohl den Schalter gespannt?
Sowas macht man bei geschlossener Türe, durch das kleine Loch hindurch das dafür vorgesehen ist...


mfg *nurUnterwiesennichtschaltberechtigt*
 
Und wann hat der TE das bei seiner kaputten Spülmaschiene zu erwarten?
 
Senkblei schrieb:
Hier ist die lange Version des Videos des Störlichtbogenunfalls bei Barranca Ecopetrol in Kolumbien
(Einfahren eines feuchten Schalters):........
25 kA entsprechen einem durchaus in Industrianlagen ......

bitte beim Thema bleiben oder einen eigenen Thread für diese Beiträge eröffnen.
Ein Leser will sich an dem Titel orientieren und Ergebnisse für sich rausziehen.
 
Vielen Dank!

Mein Resümee:

1.)Keine Strommessungen für den Anfang, und definitiv nicht bevor ich da nicht 100% weiß was ich tue. Falls das mal kommt dann mit Stromzange! Danke dafür!

2.) Für die reine Durchgangsprüfung tuts so gut wie jedes Multimeter. (Entweder ich nehm das Kaiweets oder Brymen)

3.)Wahnsinn was Ihr alles wisst, ich nehme mal an die meisten dieser Ratschläge kommen von Profis die damit tagtäglich zu tun haben.

lg Carsten
 
Carsto89 schrieb:
1.)Keine Strommessungen für den Anfang, und definitiv nicht bevor ich da nicht 100% weiß was ich tue. Falls das mal kommt dann mit Stromzange!

In der Hausinstallation: Abgesehen vom schon empfohlenen Duspol zur schnellen zuverlässigen Spannungsprüfung habe ich noch ein Multimeter mit Stromzange. Kostet auch ca 45€
https://www.reichelt.de/stromzange-digital-ac-dc-bis-400-a-ut-203-p102153.html

Einfach die Zange um eine Phase oder Nulleiter des Kabels und das Ding zeigt dir einfach und sicher ab 10mA an. Spannung, Wiederstände und Durchgangspiepser hat es auch.
 
Dirk schrieb:
kleinermuk schrieb:
Sehr gut finde ich Multimeter mit Oszilloskop.
Interessant, was die Technik so für Entwicklungsschritte macht. Coole Idee!
Ja, die ersten Kombinationen kamen glaube ich in den 80er Jahren auf. Schau mal nach Metrawatt M2050 oder Fluke 91 (oder 92 oder 97). Von der Bedienung allerdings Gewöhnungsbedürftig. Was aktuell gut und bezahlbar ist, weiß ich leider nicht.
 
Carsto89 schrieb:
powersupply schrieb:
Und was eigentlich nie deutlich genug geschrieben wird ist, dass man an einer Steckdose keine Strommessung vornehmen darf.
Und jetzt bitte nicht lachen aber,...wieso?
Ich frage mal vorsichtig nach Alter und Ausbildung.

Carsto89 schrieb:
Ist das auch ein abraten von Brymen und eine empfehlung für das Fluke?
Wenn es günstig und gut sein soll wäre für mich Brymen die erste Wahl.
Wenn du englisch kannst, schau dir ein paar Videos von Dave Jones (eevBlog) an, der hat viel zu Multimetern gemacht, hat sogar ne eigene Playlist für. Und der hat seine Videos sogar zusätzlich außerhalb YouTube.
Soweit ich weiß fertigt Brymen auch für andere Hersteller (Extech und Amprobe).

Fluke, Keysight und Co sind zwar Spitze, aber leider auch relativ teuer, sodass du für das Geld zwar ein gutes Gerät bekommst aber der Funktionsumfang eher eingeschränkt ist. Mindestens im vergleich zu Brymen.
Das ist leider so.
Ich mag auch die Metrahit gerne, leider ebenfalls eher hochpreisig. Hat jemand mit den Metraline Erfahrung? Scheint mir eine neue, günstige Serie zu sein, die auch schon um die 100 € zu haben ist.
Toll finde ich die Verriegelung der Buchsen, die für den jeweiligen Messbereich gerade nicht gebraucht werden.
Aber die Durchgangsprüfung ist bei den Geräten, die ich bis jetzt verwenden konnte auch nicht der Knüller. Da ist Fluke richtig gut, zumal das auch bei dem kürzesten Kontakt gleich mal eine Sekunde (oder eine halbe) piept. Aber auch Keysight ist hier super.

Wer sich mal was gönnen will: schaut euch die Probemaster Messleitungen an. Die sind extrem spitz und vergoldet, das macht wirklich einen Unterschied.
 
Wer sich mal was gönnen will: schaut euch die Probemaster Messleitungen an. Die sind extrem spitz und vergoldet, das macht wirklich einen Unterschied.
Mir sind die extra aufzusteckenden Hirschmann mit Edelstahlspitze am liebsten. Mit denen gibts zwar nur CATII aber für das was ich damit messe reicht das auch locker aus.

PS
 
matches schrieb:
Ich frage mal vorsichtig nach Alter und Ausbildung.

31, bin sterile Assistenz im herzkatheterlabor. Rettungssanitäter. Diverse Lehrabschlüsse, Unternehmerprüfungen und so Zeugs und mach gerade meinen Master. Aber absolut (leider) nichts technisches. Da fehlt mir leider viel Grundlagenwissen. Ich bastel gern und für einen Normalsterblichen hab ich denk ich schon etliche Dinge gemacht, Aber vor Elektrik hab ich (Gott sei Dank) einen riesen Respekt. Da stell ich lieber auch noch so dumme Fragen.

lg Carsten
 
OK, das ist doch ne gute Grundlage. Ich bin drauf gekommen, weil man umgangssprachlich sagt, "da ist Strom drauf" (was natürlich Quatsch ist) und du "Strom" messen wolltest.

Deshalb würde ich dir nahe legen dich etwas mit Grundlagen der Elektrotechnik zu befassen.
Was ist Spannung, was ist Strom, wie hängt das zusammen, Widerstand, Leistung, Energie.

Reihen-, Parallelschaltung (Stichwort Kirchhoff für die Berechnung/Analyse von Schaltungen).

Kondensator und Gleichrichter, insbesondere, warum am Kondensator nach dem Gleichrichter über 300 V anliegen und warum ein Kondensator auch bei gezogenem Netzstecker potenziell unangenehm sein kann.

Die Kenntnis darüber, wie ein Messgerät funktioniert ist auch wichtig. Denn dann kannst du dir aus der Logik heraus überlegen, warum die eine bestimmte Messung genau so machen kannst und was die Probleme/Gefahren sind und wann du den Angezeigten Werten vertrauen kannst und wann nicht.

Noch ein Tipp, falls du auf englische Quellen kommst:
Wir bezeichnen die elektrische Spannung mit U, die Amis mit V.
Sehr schön macht das z. B. Walter Lewin, dessen Vorlesung 8.02, die er am MIT gehalten hat öffentlich zugänglich sind. Allerdings gehst das auch schon relativ tief.
 
Naja so minimale Basics wie Ohmsches Gesetz etc. sind schon da. Ein paar elektrische Schaltungen im Rahmen der schulischen Ausbildung und ähnliches. Aber Gott ist das lange her und einfach zu lückenhaft. Jetzt bin ich natürlich am überlegen nach etwaiger guter Literatur.

Um zu lernen wars für mich in der Vergangeneheit immer hilfreich ein Bastelprojekt vor Augen zu haben dass dann auch einen realen Nutzen hat. Das fehlt mir bei dem Thema einfach. Da fällt mir einfach nicht ein was man da machen könnte.

Danke für die Anregungen.

lg
 
Ja, wann war das 7. Klasse Physik oder so?
Wenn du auch Frequenzweichen für Lautsprecher bauen willst, ist das doch schon ein Anfang für ein Bastelprojekt. Da kann man in einer recht sicheren Umgebung ein bisschen messen und experimentieren.
Was normal nicht unbedingt notwendig ist, aber wenn es dem Verstehen hilft und Spaß macht, hat es ja auch seinen Zweck.
 
Carsto89 schrieb:
Aber vor Elektrik hab ich (Gott sei Dank) einen riesen Respekt. Da stell ich lieber auch noch so dumme Fragen.
Respekt ist schon mal eeine gute Voraussetzung. Angst wäre falsch.
Dumme Fragen gibts erst mal nicht. Wenn die vernünftig formuliert werden und es sich zeigt, dass die fragende Person dahinter verstanden hat was sie fragt werden diese auch vernünftig beantwortet wie Du am Beispiel der Strommessung siehst..
Wenn jemand kommt und den Spezialelektriker in der Hinterhand hat welcher aber dennoch einfache Schaltungen zu deuten in der Lage ist werden auch die Antworten dürftig.

PS
 
Thema: Multimeter Empfehlung für Gerätereparatur
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