Design oder "Über Geschmack lässt sich streiten"

Diskutiere Design oder "Über Geschmack lässt sich streiten" im Forum Holzbearbeitung im Bereich Anwendungsforen - Hi, .... das man einen Preis dafür bekommt : Product Design Award des IF 2001; Auszeichnung für hohe Designqualität, Design Zentrum...
H

hs

Guest
Hi,

Alfred schrieb:
Was ist der Vorteil jetzt von diesem Regal?
.

.... das man einen Preis dafür bekommt :

Product Design Award des IF 2001;
Auszeichnung für hohe Designqualität, Design Zentrum
Nordrhein-Westfalen 1991; Internationales Designjahrbuch 92/93, md Auswahl die besten für das Jahr 2000; interior innovation
award cologne 2003, Kategorie Classic Innovation (FNP);



.... tja

Gruß, hs
 
D

Dietrich

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Hallo,

verzeiht mir meine Äußerung, aber das Ding ist schrecklich!

Aluminium ist ein Material für die Werkstatt oder den Maschinenbau, als Holzersatz taugt es schon wegen der schlechten Eneriebilanz nicht!
 
H

hs

Guest
Hi,

tg schrieb:
@hs
Ich bin mir ja nicht so ganz sicher, wie sarkastisch Dein Kommentar gemeint ist - aber Moormann muss man wirklich zugestehen, dass seine Entwürfe ziemlich originell sind.

wie Du bereits erwähnt hast : über Geschmack läßt sich streiten :wink:

Ich persönlich habe nichts gegen die dortigen Lösungen, nur kann ich mich eben nicht damit anfreunden, daß sowas prämiert wird. Dazu fehlt mir halt der 'Draht' - o.k. irgendwie 'originell' ist z.B. so ein Bock :

taupersgr.jpg

(das Paar für € 242,- aus Buche mit Edelstahlblech)

sicher schon. Nur hätte ich z.B. kein Problem solche Dinge in Massen zu entwerfen - und ich denke sehr viele ähnlicher 'Design'-Lösungen stehen bei irgendwelchen Bastlern in der Werkstatt, weil was aus Resten gebastelt werden mußte.

------
Wenn ich Stühle von Giger :
GigerBar01big.jpg

(oder gar die großen Stühle hier im Rohzustand : klick)

... oder ein von Colani entworfenen Konzertflügel sehe :
208P-103.JPG


dann sehe ich darin 'Design'. Also Dinge die sehr individuell gestaltet sind und/oder von verschiedenen Seiten immer wieder interessant und neu wirken.

Das typische IKEA-'Design' (und die Moormann-Sachen fügen sich ja nahtlos in diese Kaufhaus-Ware), finde ich pers. sowas von langweilig. Schau Dir dort z.B. die Vasen und das Porzellan an - und vergleiche das dann z.B. hiermit klick (wobei es da farbenmäßig noch viel schönere und beeindruckendere gibt)

Bei Autos findet man das 'tolle' Design ja auch - AudiTT als Bsp.:
.... was für ein schönes Heck :roll:
108471165702559126.jpg


.... und jetzt mal was zum 'nicht-sattsehen' : klick

nochmal ? kein Problem :

von der Seite :
109584283887840318.jpg

.... uarrgh !! ..... und jetzt nochmal in schön :D : klick (und auch kleine knuffige Wagen lassen sich schöner verpacken klick)

.... aber wie bereits anfangs erwähnt : Geschmack und streiten und so ... :wink:
(wobei ich manche Moormann-Sachen ja auch ganz lustig finde - nur die dafür verteilten Auszeichnungen empfinde ich als unverständlich)

---------------------
@Dietrich

also das sehe ich auch ganz anders. Durch geschicktes Zusammenspiel von versch. Materialien wird die Optik oft wesentlich interessanter, als wenn man nur ein einzelnes verwendet.
Bsp. Autos : vor einiger Zeit wurden Schriftzüge, Kühlergrill, Griffe, etc. ab Werk in Wagenfarbe lackiert - aber davon ist man (glücklicherweise) wieder weggekommen. So ein paar Tupfer Chrom macht die Optik wesentlich reizvoller.


Gruß, hs
 
D

Dietrich

Moderator
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Hallo Hs,

interessante Zusammenstellung die Du uns zeigst!

Der Colani-Flügel ist ein Traum, da haben aber einige Leute geschwitzt, bis der zusammen war:)

Wie gut der TT gelungen ist, sieht man da dran, wie oft das Design kopiert wurde, auch außerhalb vom Unternehmen Audi.

Der Harttop-Straßenkreuzer sieht auch gut aus.

Die Stühle sind grauenhaft, die sehen aus als kämen sie aus der Ausstellung "Körperwelten"

Der Typ mit den Böcken, sollte was anders machen:)
 
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hs

Guest
Hi,

Dietrich schrieb:
Wie gut der TT gelungen ist, sieht man da dran, wie oft das Design kopiert wurde, auch außerhalb vom Unternehmen Audi.

tja - da scheiden sich eben die Geister - für mich ist das ein Lehmklumpen, der fallen gelassen wurde, dann mit einem Hölzchen ein paarmal eingeritzt wurde und dann als 'Design' verkauft wird.
Alleine die plumpe Front - oder der unterbrochene untere Türausschnitt, sowie die drangeklatschten Radhäuser - bäh !
Das ist definitiv kein Sportwagen - ein Sportwagen besitzt fließende Formen und ist im Stand schon 'schnell'.
BMW hat sowas z.B. bereits in den 50ern von einem 'richtigen' Designer entwerfen lassen : klick - und wenn schon knuffig, dann kann man das dennoch fließend gestalten : klick

Die Stühle sind grauenhaft, die sehen aus als kämen sie aus der Ausstellung "Körperwelten"
ich finde Giger absolut faszinierend. Aber es ist o.k. wenn man das nicht mag. Was man jedoch all' diesen Dingen nicht unterstellen kann : sie wären simpel in ihrer Art und Ausführung.
Sie sind alle auf eine organische Art ästhetisch gestaltet.
Wenn ich zweimal zwei IPB-Träger an den Enden abbrenne, dann als T zusammenschweiße, um 180° drehe und mit Klarlack versehe ... anschließend zwischen die umgedrehten T's eine Holzplatte setze, so wird das sicher ein interessanter Schreibtisch. Aber ob sowas dann preisverdächtig ist ? Vermutlich schon, wenn man sich in den entsprechenden Gesellschaftskreisen aufhält und/oder einen 'Namen' hat :wink:

Gruß, hs
 
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Dietrich

Moderator
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Hallo Hs,

mir gefällt der TT, obwohl ich mir nie einen kaufen werde, wo soll ich denn Blockware vom Holzhändler laden:)

Jedenfalls fahren mehr Kopien des TT derzeit rum als welche vom BMW 504.

BMW V8 war auch ein schönes Fahrzeug.

Aber wir sind ja im Holzforum:)
 
H

hs

Guest
Hi,

Dietrich schrieb:
Jedenfalls fahren mehr Kopien des TT derzeit rum als welche vom BMW 504.

Du meintest sicher 507 :wink:

'.... Als Graf von Goertz 1955 in New York erstmals das Tuch zog von seiner Kreation eines zweisitzigen offenen Sportwagens, dem BMW 507, präsentierte er nicht nur ein neues Auto - er setzte auch einen designerischen Maßstab. "BMW hat sogar die Italiener geschlagen", hieß es damals in den Gazetten. Lang gestreckte Seitenlinien, ein geschwungener Aufbau und eine nicht enden wollende Motorhaube bestimmen das zeitlos schöne Design dieses Traumautos. ....'

Aber wir sind ja im Holzforum

stimmt
(aber auch mit Holz kann man prima Design basteln :wink: ..... ich will ja auch niemanden zu irgendwas überreden .. denn wie heißt so schön : 'Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters' :wink: )

Gruß, hs
 
Alfred

Alfred

Moderator
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Hallo,
die Böcke finde ich gut und ich denke sie werden nicht so wacklig wie die ganz Hölzernen. Den TT würde ich dann eher als neu designten Karman Ghia sehen.
Zu den Alu Leisten: vom System her könnten die Leisten auch kürzere Schenkel haben, 10 oder 12 mm was beim Fräsen leichter wäre. Die Idee des Regales finde ich nicht schlecht aber die Position der Böden ist nicht variabel, bzw. würde man dann vorne die Einschnitte in der Wange sehen.
 
H

hs

Guest
Hi,

Alfred schrieb:
die Böcke finde ich gut und ich denke sie werden nicht so wacklig wie die ganz Hölzernen. .

... weil sie sich durch das dünne Blech dem Boden anpassen (wird dort auch als Vorteil angeführt). Aber der Preis ... :roll: ... wenn sie €30,- kosten würden - o.k. - aber €120/Stk. ?

Das Teil hier :

marketingsitzendgr.jpg

kostet in 120cm breite in Sperrholz Birke / Laminat weiß
€ 1575,- + € 98,- ('Systemstange Alu natur) + 2x € 298,- (Anbauplatte Sperrholz Birke / Laminat weiß)
---
also € 2269,- :?

Für das Geld würde ich vermutlich lieber sowas : klick plus sowas klick kaufen ..... aber weiß laminiertes Birkensperrholz hat ganz sicher auch so seinen Reiz :wink:

Gruß, hs
 
T

tg

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Also, was mit einer Frage nach ein paar Nuten angefangen hat, entwickelt sich hier ja zu einer Grundsatzdiskussion über Design - macht ja nix.

Woran erkennt man nun "gute" Entwürfe? Hier ein paar Kriterien

Lebensdauer der Entwürfe
Beispiel: Möbel aus der Bauhaus-Epoche. Gibt es heute in zig Nachbauten und sehen immer noch so aus, als wären sie erst gestern auf dem Reißbrett entstanden: zeitlos.

Einfluss auf die Branche.
s.o. Gute Entwürfe prägen ganze Generationen von Designern/Konstrukteuren.

"Form follows function"
Erst die Funktion, dann die Gestaltung. Hier ist weniger meistens mehr.
Gute Beispiele:
  • Viele Dinge von Braun sind gutes Design - eher minimalistisch, wenige/keine rein dekorativen Elemente.

    Die Lampe Tizio von Artemide: die Konstruktion ist darauf ausgerichtet, dass die Lampe ohne Federn etc. beliebig eingestellt werden kann. Da ist kein bisschen "Deko" dran.
Schlechte Beispiele:
  • "Rustikale" Holztische mit dicken Zargen und/oder Schubladen unter der Tischplatte, Holzverstrebungen zwischen den Beinen etc. Für langbeinige Leute wie mich eine Zumutung! Das geht (heutzutage) auch anders - und wenn es aus statischen Gründen Stahlrohre unter der Tischplatte sind, die die Beinfreiheit nicht einschränken. Blaue Flecke nur weil ein Tisch so aussehen soll wie vor 200 Jahren ist ein Armutszeugnis.

    Der Flügel von Colani. Warum muss der so aussehen, als wäre er im Windkanal auf optimalen cw-Wert getrimmt? Klingt der dadurch besser? Kann man da auch problemlos 4-händig spielen? Die meisten Dinge von Colani halte ich für reine Show:
    Form ohne Funktion. Hält sich garantiert nicht lange.

    Neue Sprossenfenster: Waren mal notwendig, weil nur kleine Scheiben hergestellt werden konnten. Heutzutage haben solche Fenster keine Berechtigung mehr und erhöhen nur den Putzaufwand.

Materialgerechte Verarbeitung.
Z.B. Fingerzinken, Zapfen, ... zur Holzverbindung bei Massivholz, Schweißen/Nieten/Schrauben für Metall. Kniffliger wird es, wenn mehrere Materialien verbunden werden: Metall mit Holz, Holz mit Glas, flexible Holzverbindungen, Metall mit Kunststoff. Da trennen sich fabrikneu oder spätestens nach ein paar Jahren die guten von den schlechten Lösungen: klappernde Glasscheiben in Holztüren, ausgerissene Schrauben, verzogene Türen, ...

Wenig "Deko"
das heißt Krimskrams ohne erkennbare Funktion. Wenn Teile weggelassen werden können, ohne dass die Funktion eingeschränkt ist, handelt es sich um "Deko". Dagegen ist es völlig in Ordnung, wenn erforderliche Teile ansprechend gestaltet sind. Beispiel: Die Kassetten in einer Kassettentür sind erforderlich. Sie reduzieren das Gewicht der Tür, ohne die Funktion (Abschluss gegen Luft, Schall, Blicke, andere Leute) einzuschränken, die statischen Anforderungen werden vom Rahmen erfüllt. Verzierungen der erforderlichen Teile (Intarsien, Schnitzereien, …) sind o.k. - auch wenn sie nicht jedem gefallen mögen. Reine "Deko" erkennt man dadurch, dass diese Elemente nichts mit der Funktion zu tun haben oder diese sogar stören. Beispiele findet man beim nächsten Besuch im Möbelhaus haufenweise, sowohl bei Stilmöbeln als auch bei modernen Möbeln. Bei den Autos ist es genauso: Seitenschweller und Spoiler am 90 PS Golf haben keinerlei Funktion, der Heckspoiler beim 300+ PS Porsche sehr wohl. Auch dieser kleine komische Heckspoiler am Audi TT muss wohl sein, ist aber nachträglich angepappt worden.

So viel erst Mal ...
 
C

ChristianA

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Hinweis eines Moderators dieses Forums:

Habe mir erlaubt, diesen Teil der Diskussion aus dem ThreadHilfe: 3 mm breite und 15 mm tiefe Nuten in MDF hierher zu verschieben.

Der Fortsetzung der Debatte rund um das Thema Design in diesem Thread steht nun nichts im Wege.

Danke für euer Verständnis!

Christian
 
T

tg

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hs schrieb:
Hi,

Alfred schrieb:
die Böcke finde ich gut und ich denke sie werden nicht so wacklig wie die ganz Hölzernen. .

... weil sie sich durch das dünne Blech dem Boden anpassen (wird dort auch als Vorteil angeführt). Aber der Preis ... :roll: ... wenn sie €30,- kosten würden - o.k. - aber €120/Stk. ?

Sehr einverstanden - der Preis ist wirklich durch nichts gerechtfertigt.

hs schrieb:
Das Teil hier : ...
kostet in 120cm breite in Sperrholz Birke / Laminat weiß
€ 1575,- + € 98,- ('Systemstange Alu natur) + 2x € 298,- (Anbauplatte Sperrholz Birke / Laminat weiß)
---
also € 2269,- :?

Dafür gilt das ebenso. Irgendwo muss das Preis-/Leistungsverhältnis noch stimmen.

hs schrieb:
Für das Geld würde ich vermutlich lieber sowas : klick plus sowas klick kaufen ..... aber weiß laminiertes Birkensperrholz hat ganz sicher auch so seinen Reiz :wink:
An so einem Trumm würde ich mich nicht wohlfühlen. Außer zum Untergebene Einschüchtern ist der nicht vernünftig zum Arbeiten benutzbar. Eingeklemmt in diesen Riesenschreibtisch - und nicht Mal Platz für die Beine? Wozu ist bitte die Schublade vor dem Bauch da? Die kriegt man nicht auf, wenn man da sitzt und außerdem stoßen die Oberschenkel gegen die Schublade - großer Murks.

Schreibtischstuhl aus Holz mit Rollen? Nix Ergonomie, höchstens mal um ein kleines Brieflein zu schreiben. Entweder quietscht der oder ist ein verkappter moderner Stuhl.

Ein Schreibtisch ist ein Arbeitsgerät - genauso wie eine Bohrmaschine oder eine Werkbank. Und in erster Linie ist hier Funktion gefragt und nicht das Repräsentieren.

Also - das "Birkensperrholzdingsda" ist sicher der weitaus bessere Arbeitsplatz - obwohl der Preis nicht gerechtfertigt erscheint.
 
D

Dietrich

Moderator
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Hallo,

hier wurde ja anständig gepostet:)

Zu den Böcken, mag sein das die nicht wackeln, aber den Zweck, dür den sie gedacht sind erfüllen sich nicht!

Angenommen die 2 Böcke stehen im Abstand von 2m, ich lege einen Buchendiel zum Besäumen mit der HKS drauf, meinetwegen 65mm dick und 600mm breit, leicht kommt da mehr wie ein Zentner zusammen, kein Problem, hält jeder Bock, nur der mit dem Blech nicht:(
Und sägen kann ich auch nicht, oder wie soll ich aufs Blech eine Verschleißleiste aufbringen.

Also lieber normale Böcke die halt manchmal wackeln, für Perfektionisten, macht man an einem von 4 Bockbeinen eine Sterngriffstellschraube, und schon wackelt nichts mehr!

Beide Schreibtische sind auf Ihre Art wohl das extremste was man sich vorstellen kann, für den Privatgebrauch sind beide zu groß, lieber ein Sekretär:)

Bauhaus stimme ich zu, was gut ist bleibt halt, Holzverbindungen die die Eigenschaften vom Holz nutzen sind immer Metallverbindern vorzuziehen, totale Zustimmung, Holzverbindungen können zur Leidenschaft werden:)
 
H

hs

Guest
Hi,

tg schrieb:
"Form follows function"
Erst die Funktion, dann die Gestaltung. Hier ist weniger meistens mehr.
Gute Beispiele:
  • Viele Dinge von Braun sind gutes Design - eher minimalistisch, wenige/keine rein dekorativen Elemente.
    ..


  • demnach wäre ein weiß gefliestes Zimmer das ideale Wohnzimmer : klar und übersichtlich - minimalistisch und keine dekorativen Elemente ... aber ob man sich dort wohl fühlt ?

    Neue Sprossenfenster: Waren mal notwendig, weil nur kleine Scheiben hergestellt werden konnten. Heutzutage haben solche Fenster keine Berechtigung mehr und erhöhen nur den Putzaufwand

    das stimmt - praktisch wäre dann aber wohl ein bunkerartiger Bau.

    Aber im Gegenzug : schau Dir mal die 'Designer'-Küchen an : die stehen fast alle (siehe auch IKEA) auf Beinen, d.h. sie besitzen keine Fußleiste. Sehr praktisch, wenn man wegen jeder heruntergefallener Nudel unter die Schränke kriechen darf :wink:

    Der Flügel von Colani. Warum muss der so aussehen, als wäre er im Windkanal auf optimalen cw-Wert getrimmt? Klingt der dadurch besser? Kann man da auch problemlos 4-händig spielen? Die meisten Dinge von Colani halte ich für reine Show:
    Form ohne Funktion. Hält sich garantiert nicht lange.

    da muß man sich wohl fragen, für wen dieses oder jene Objekt erstellt wurde. Normalerweise neigt der Mensch sich eher an weichen, fließenden - organischen, der Natur ähnlichen Formen zu erfreuen. Solche Formgebung empfindet man eher als angenehm - kantige, gerade dagegen eher als nicht so angenehm.
    Selbst 'sachlich' beschreibt eher einen emotionslosen Zustand - aber sollten Gegenstände die einem umgeben nicht besser ein angenehmes Gefühl vermitteln ?
    Im Fall des Colani-Flügels halte ich die dynamische Formgebung schlichtweg wunderbar : schließlich besteht Musik (überwiegend) auch aus einer (im übertragenden Sinn) 'weichen' Formgebung - zumindest diejenige, welche uns z.B. zu angenehmen Emotionen veranlasst. Musik ist nicht sachlich - sie 'fließt' auch (wieder im übertragenden Sinn).
    'Form ohne Funktion' - nein, die Form ist die Funktion, bzw. unterstützt diese und/oder gibt ein angenehmes Gefühl wenn man den Gegenstand benutzt.

    Ein Schreibtisch ist ein Arbeitsgerät - genauso wie eine Bohrmaschine oder eine Werkbank. Und in erster Linie ist hier Funktion gefragt und nicht das Repräsentieren.

    auch das kann man so nicht zwingend sagen.
    So wird man nicht nur wegen der Standfestigkeit Füße immer unten etwas breiter ausführen - das hat auch einen optischen Zweck ... um eine gewisse Sicherheit beim Bediener zu erwecken.
    Man macht da manchmal Dinge, die technisch unbegründet sind (z.B. den Schaft einer Umschaltknarre etwas weicher zum Kopf hin auszuformen, als es eigentlich sein müßte - techn. würde auch ein 'harter' Übergang ausreichen)

    Gruß, hs
 
T

tg

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hs schrieb:
Aber im Gegenzug : schau Dir mal die 'Designer'-Küchen an : die stehen fast alle (siehe auch IKEA) auf Beinen, d.h. sie besitzen keine Fußleiste. Sehr praktisch, wenn man wegen jeder heruntergefallener Nudel unter die Schränke kriechen darf :wink:

Nur weil das eine "Designer-Küche" ist, heißt das noch lange nicht, dass es sich dabei um gutes Design handelt. Im Profibereich sind Küchenmöbel auf Beinen bestimmt richtig und gut - alleine schon aus hygienischen Gründen. Sockelblenden sind praktisch, aber dahinter sieht es manchmal doch nicht sooo sauber aus :roll: Ich hab' aber auch keine Lust, dauernd um diese Beine herumzukrabbeln, um die Küche sauberzumachen.

Hier aber noch ein Beispiel für völlig vermurkstes "Design": Waschtische mit einer völlig funktionslosen Säule, die unten auf dem Boden steht. Weder steht das Waschbecken auf der Säule, noch geht der Abfluss hinter der Säule in den Boden. Dafür gibt's eine richtige Dreckecke im Badezimmer. Völliger Quark. Gleiches gilt für "Designer-Waschtische", die mit Beinen o.ä. auf dem Boden stehen. Sowas hängt man an die Wand, fertig. Dasselbe gilt auch für das Klo.

Auch von "berühmten" Designern wie Philipp Starck gibt es solche verunglückten Konstruktionen.

Nur weil auf irgendwas "Designer-Sonstwas" draufsteht, hat das noch lange nichts mit gutem Design zu tun. Und schon gar nicht damit, ob einem was gefällt oder nicht.

Es ist ein bisschen wie mit Kunst. Ein paar "interpersonale", überprüfbare Kriterien für "Design" sind schon erforderlich, sonst führt man eine reine Geschmacksdiskussion.
 
H

hs

Guest
Hi,

kleiner Nachtrag :

tg schrieb:
An so einem Trumm würde ich mich nicht wohlfühlen. Außer zum Untergebene Einschüchtern ist der nicht vernünftig zum Arbeiten benutzbar. Eingeklemmt in diesen Riesenschreibtisch - und nicht Mal Platz für die Beine? Wozu ist bitte die Schublade vor dem Bauch da? Die kriegt man nicht auf, wenn man da sitzt und außerdem stoßen die Oberschenkel gegen die Schublade - großer Murks.

aus Praxis-Sicht ist das Teil sogar vorteilhafter, weil deutlich stabiler (drei 21"er CRT's draufstellen (und mehr) - kein Thema).
Platz für die Beine hat man auch - und an die Schublade bin ich noch nie gekommen (ich arbeite seit einigen Jahren tägl. an einem ähnlichen Schreibtisch - ... nur nicht mehr so schön wie der abgebildete). Ob man die Schublade vor dem Bauch aufbekommt ... na ja, - immer noch besser ein vielleicht etwas ungünstig gelegenes Stauchfach zu besitzen, als überhaupt keines :wink:
Das abgebildete Teil ist vermutlich auch nicht zum Einschüchtern von Untergebenen gedacht - denn das Teil ist für den beidseitigen Gebrauch bestimmt.

Schreibtischstuhl aus Holz mit Rollen? Nix Ergonomie, höchstens mal um ein kleines Brieflein zu schreiben. Entweder quietscht der oder ist ein verkappter moderner Stuhl.

den hatte ich ja nur herausgesucht, damit ich auf den Preis komme :wink:
Allerdings sind die superteuren, hoch ergonomischen Bürostühle auch nicht so vorteilhaft, wie sie zunächst erscheinen : man fühlt sich nämlich so wohl darin, daß man sich kaum mehr bewegt - und das ist auch nicht gut (diese Weisheit habe ich von jemanden, der Rückenschulungen betreibt). Ein 'unbequemer' Stuhl hat den Vorteil, daß man dort eher darauf hin- und her'turnt' - also seinen Körper immer wieder in andere Positionen verlagert.

Also - das "Birkensperrholzdingsda" ist sicher der weitaus bessere Arbeitsplatz - obwohl der Preis nicht gerechtfertigt erscheint.

na ja - möchte mal sehen, wenn da zwei größe CRT's (~ 70kg) drauf stehen - und alles was sonst in irgendwelchen Schubfächern untergebracht wird, auf der Arbeitsplatte gestapelt
wird :wink:

hat das noch lange nichts mit gutem Design zu tun. Und schon gar nicht damit, ob einem was gefällt oder nicht.

das hat eigentlich ausschließlich damit zu tun, ob es einem gefällt oder nicht.
... nach denen jedes Ding seine Funktion praktisch erfüllen, haltbar, billig und schön. Marcel Breuers Lattenstuhl scheint Gropius' Vorgaben perfekt zu erfüllen: ästhetisch ansprechend und mit einer Funktionsanalyse versehen
werkstatt_moebel_breuer2.jpg


Ich empfinde einen solchen Stuhl definitiv nicht als 'schön' - alles was ich nicht als 'schön' empfinde, wirkt also entweder neutral (den abgebildeten Stuhl würde ich z.B. nicht uninteressant finden, aber es ist auch nichts, wo ich 'wow' zu sagen würde - oder etwas was ich gerne besitzen möchte) oder negativ ... in jedem Fall aber trägt es nicht zu einem positiven Wohlbefinden bei.

Aber das ist, wie erwähnt, sicher auch eine recht persönliche Sache. Ich würde mich wohl bei einer Wahlmöglichkeit immer eher in Richtung organischer Formgebung entscheiden : 'tote' Gegenstände erhalten so eher eine gewisse Dynamik (-> Auto was im Stand bereits 'schnell' ist)


Gruß, hs
 
H

hs

Guest
Hi,

@tg
wie stark sollen eigentlich die Böden Deines Regals werden ?
Nicht das Dir die Böden bei höherer Belastung ausbrechen. Wenn nämlich lediglich 3mm auf jeder Seite tragen (bei etwas Durchbiegung sind es schnell nur noch 2mm) kann es leicht passieren, daß MDF wegbricht (MDF ähnelt eher Pappe statt Holz).
Ein um 180° gedrehtes T-Profil statt einem Winkel wäre hierfür eigentlich sinnvoller.

Gruß, hs
P.S. auch die Böcke ließen sich durch eingebrachte Sicken oder durch zwei parallele Bleche mit oben beidseitig umgebogener Kante deutlich stabiler (und praxisfreundlicher) auslegen - ohne das man auf den Vorteil der Flexibilität verzichten müßte.
 
T

tg

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Regalböden:

Bei 16mm bleiben noch ca. 3,5 mm übrig. Da die Schienen durchgehen, gibt es keine punktförmige Belastung. Bei 19mm bleiben halt ca. 6,5 mm stehen. Aber das probiere ich beim "Prototyp" aus. Stimmt schon, MDF ist eher "Pappe".

Marcel Breuer:

DER Stuhl gefällt mir nun überhaupt nicht. Ziemlich gruslig anzusehen sind auch die Original-Freischwinger, d.h. die Exemplare, die damals von den Urhebern selbst zusammengebacken worden sind. Ungeeignetes Material (Wasserleitung usw.), auch noch unfachmännisch verarbeitet. Ziel dieser Künstler war auch eher, Studien anzustellen und keine serienreifen Produkte zu bauen.

Wassily von 1927 (!)
breuer_marcel_abb.jpg

wird heute immer noch gebaut und sieht genauso frisch aus wie vor fast 80 Jahren. Material und Verarbeitung sind heutzutage natürlich um Generationen besser.

Ähnliches gilt für die Entwürfe von Mies van der Rohe, Le Corbusier, Rietveld, Charles Eames, ...

Kunst kommt halt von "Können", wenn Kunst von "Wollen" käme, hieße das ja "Wulst" ...

Gefallen muss das noch lange nicht jedem, ich hätte auch keine Lust auf einem Rietveld Stuhl zu sitzen:
sitting_on_edge_rietveld.jpg


Sogenannte "Stilmöbel" sind aber auch nicht meine Sache:
wpe84156.gif


Unbestreitbar ist sicher, dass der Einfluss des Bauhaus auf Architektur und Design seit 80 Jahren wirksam ist und seitdem kaum noch etwas wirklich Neues passiert ist.
 
Alfred

Alfred

Moderator
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Hallo,
am schlimmsten finde ich beim Marcel Breuer ( glaube Wasilji nennt sich der Stuhl) das kalte Leder in das man reingepresst wird. Es gibt halt nicht beguemeres als 2 Bierkästen und einen Schaldeckel drauf........ :mrgreen:
 
M

markus

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servus,

so, dann muss ich auch was dazu schreiben:
der wassily ist - erstaunlicherweise - sehr bequem.
zumindest für die dauer einer musik-cd.
wenn´s länger dauert, kann das aufstehen schon mal probleme bereiten :wink:
gestaltung, fertigung, materialisierung, konstruktion, funktionalität, bequemlichkeit: sehr gut.

mdf/alu-regal:
gestalterisch weit weg von reduzierter bauhauslinie,
fertigung ist sicher ok,
materialisierung ist "voll daneben", mdf ist weich, alu ist weich - das passt nicht zum regalbau.
die konstruktion funktioniert irgendwie - aber die fügetechnik tut weh.
funktionalität von mdf? schöne, haptisch angenehme oberfläche, vielleicht sogar durchgefärbt (http://www.sonae.glunz.de/flycms/de...f8qcngvM4LX8WYR5H/index.html?SID=zrrVW5553b7d) - aber wie sieht´s nach einigem gebrauch aus?
bequemlichkeit: e. mdf-regal kann ich mir nur oberflächenbehandelt vorstellen - dann würde ich aber e. stabileres material als mdf verwenden... und mir gedanken machen über die kunst der fügung :)

nur meine 2 pfennige, markus
 
Thema: Design oder "Über Geschmack lässt sich streiten"
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