Hochwertig vs. Low Budget - Drehmomentschlüssel

Diskutiere Hochwertig vs. Low Budget - Drehmomentschlüssel im Forum Handwerkzeuge im Bereich Werkzeuge & Maschinen - Hallo Foristi, meine Leidenschaft sind so ein bisschen die Drehmomentschlüssel. Das hat dazu geführt, dass irgendwann ein Sensotork...
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  • #21
Prinzipiell richtig, aber du vergisst das Eigengewicht des Schlüssels.
Natürlich hab ich das nur aus Vereinfachungsgründen weggelassen...😇😗 So wie auch die Auftriebskorrektur, welche man streng genommen berücksichtigen müsste, da Waagen herstellerseitig üblicherweise mit stählernen Prüfgewichten (Dichte bei 8 kg/dm³) justiert werden, das Wägegut in meiner Versuchsbeschreibung aber eine Dichte hat, die bei 1 kg/dm³ liegt (zusammengesetzt aus Eimerkunststoff, Tragebügelmetall und Wasserfüllung).
 
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  • #22
Und wie genau die Waage auch wirklich ist …
 
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  • #23
Und dann ist noch die Frage nach der Dynamik des Auslösevorgangs. Ich erinnere mich grob, man soll Drehmomentschlüssel eigentlich ein paar Mal trocken auslösen, bevor sie getestet werden. Und die Zuggeschwindigkeit beim Auslösen hat wohl ebenfalls einen Einfluss.
Ich vermute, Julius könnte dazu mehr sagen. :wink:
In der Tat, grundsätzlich sollten Schlüssel vor der Anwendung ein paar mal beim Maximalmoment ausgelöst werden. Dass das tatsächlich eine Rolle für die Auslösegenauigkeit spielt, sieht man sehr schön am elektronischen Prüfgerät.
Wie du richtigerweise sagst, spielt auch die Auslösedynamik eine ebenfalls nicht unwichtige Rolle.
Das Stahlwille Prüfgerät zeigt deshalb beim Messvorgang an, ob zu langsam/schnell oder mit korrekter Geschwindigkeit betätigt wurde.

Ich muss immer leicht schmunzeln, wenn ich Anwender sehe, die den Dremo schön schwungvoll bedienen und am besten beim Auslösen noch sichtbar weiterdrehen. Häufig zu beobachten bei Reifendiensten, bei denen es v. a. auf Arbeitsgeschwindigkeit ankommt.
 
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  • #24
Vor einigen Monaten hatte ich übrigens im Wartezimmer beim Zahnarzt mal ein Automagazin in der Hand, darin war ein Drehmomentschlüssel-Vergleichstest abgedruckt. Ich erinnere ich an keine Zahlenwerte, aber an eine Hauptaussage des Fazits, und zwar, dass ausgerechnet einige "Premium-Schlüssel" mit erstaunlich großen Abweichungen irritierten.
 
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  • #25
üblicherweise mit stählernen Prüfgewichten (Dichte bei 8 kg/dm³)
Sicher?
Eisen hat eine Dichte von 7,874. Wenn Du ein gleichvolumiges Prüfgewicht mit einer Dichte von 8 verwendest hast Du schon eine Abweichung von + 1,6%... :ducken:

PS
 
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  • #26
Erstens schrieb ich von einer Dichte "bei 8" nicht "von 8"... :wink:

Zweitens beträgt zwar die Abweichung der genannten Dichten durchaus 1,6 %, nicht aber der Auswirkungsunterschied auf die Auftriebskorrektur; dieser liegt zwischen 8 und 7,874 bei üblichen Randbedingungen bei lediglich etwa 0,0002 %. :mrgreen:

Gemäß einer Konvention im Mess- und Eichwesen wird üblicherweise eine Dichte von 8 kg/dm³ für Waagenprüfgewichte angenommen.
 
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  • #27
Vor einigen Monaten hatte ich übrigens im Wartezimmer beim Zahnarzt mal ein Automagazin in der Hand, darin war ein Drehmomentschlüssel-Vergleichstest abgedruckt. Ich erinnere ich an keine Zahlenwerte, aber an eine Hauptaussage des Fazits, und zwar, dass ausgerechnet einige "Premium-Schlüssel" mit erstaunlich großen Abweichungen irritierten.
Das würde mich näher interessieren, weißt du noch, welches Heft das war? Dann könnte man es mal recherchieren. Und weißt du noch, ob die Premium Marken Stahlwille, Hazet, Gedore waren, oder "Hersteller" wie Proxxon und Konsorten damit gemeint waren. Weil die lassen auch nur in China fertigen.
 
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  • #28
Meistens liegt bei Ärzten ADAC; Auto, Motor, Sport; oder die Auto Zeitung. Manchmal auch AutoBILD.
 
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  • #29
Wie versprochen, erste Werte für euch. Ich stelle nach und nach ein paar getestete Schlüssel vor, gehe dabei von klein nach groß. Der erste Schlüssel ist ein Kanon N50LTDK, Bereich 1-5 Nm. Er besitzt eine Sechskantaufnahme für E6,3 Bits. Der Schlüssel knackt nicht, sondern besitzt eine Art Rutschkupplung, die bei Erreichen des Zieldrehmoments überrutscht
Den Schlüssel habe ich vor ca. 5 Jahren über ein bekanntes Auktionsportal gekauft, Kaufpreis war meine ich etwa 50 €. Ich weiß nicht, wie alt dieser Schlüssel ist. Er ist auf jeden Fall neu, es sind keine Gebrauchsspuren sichtbar. Der Schlüssel wurde bei mir immer in der Wohnung, also trocken und warm gelagert und immer entspannt.

Ich habe ihn seit Kauf einige Male genutzt, aber eher selten. Vorrangig am Fahrrad und um Zieloptiken auf Picatinny Schienen zu befestigen. Für Präzisionsgewehre ist es entscheidend, dass die Schrauben der Zieloptiken sehr gleichmäßig angezogen sind, ansonsten kann es alleine dadurch schon zu Abweichungen kommen, dass eine Schraube 3, die andere 5 Nm hat.
Was noch erwähnenswert ist: Kanon gibt eine Auslöseabweichung von +- 3 % an, ein sehr guter Wert. Die meisten Hersteller attestieren ihren Schlüsseln in diesem Drehmomentbereich +- 6 % Abweichung. Das ist auch der von der Norm für Drehmoment Handschraubendreher geforderte Wert. Namhafte Hersteller wie Gedore liegen in diesem Bereich, siehe z. B. hier: Drehmomentschrauber 1/4" 1-6 Nm

Es gilt zu beachten, dass die für die Prüfung eingesetzte Messdose lediglich 2-100 Nm offiziell abdeckt. Strenggenommen dürfte der untere Wert des Drehmomentschraubendrehers von 1 Nm also gar nicht gemessen werden, da der Hersteller in diesem Bereich keine Genauigkeit von +- 1% mehr garantiert. Da so eine Messdose aber im Bereich von ~ 1500€ liegt, bin ich nicht bereit, für den Bereich unterhalb von 2 Nm extra noch eine anzuschaffen, zumal ich diesen Bereich eh nie benötige.
Ich war also nicht päpstlicher als der Papst und der Schlüssel wird nicht gewerblich eingesetzt, weshalb ich es einfach mal probiert habe. Und siehe da, plausible Werte als Ergebnis, wenngleich vielleicht nicht 1 % genau, wer weiß das schon.
Die ISO 6789:2017 fordert außerdem, dass die Messabweichung der Drehmomentmesseinrichtung nicht größer als 1/4 der höchstzulässigen relativen Messabweichung des Drehmoment-Werkzeugs ist. In diesem Fall 3 % geteilt durch 4 = 0,75 %. Auch das schaffen wir bei diesem Schlüssel nicht ganz, wir liegen bei 1 %. Seis drum. Bei allen (folgenden) Schlüsseln ab 2 Nm liegen wird drinnen.

Wie ihr anhand der Werte seht, liegt der Schlüssel bei 2 Prüfungen leicht außerhalb, für meine Belange spielt das aber überhaupt keine Rolle, weshalb ich diesen Schlüssel nicht justieren werde. Das ist mir den Aufwand nicht wert.
 

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  • #30
Das würde mich näher interessieren, weißt du noch, welches Heft das war?
Ich hab noch mal nachgedacht und auch etwas gegoogelt, es war die Auto-Bild. Leider gibt deren Internetseite aber keine Infos dazu her, in welchen Print-Heften die Tests zu finden sind. Da mein Nachbar die AB abonniert hat, könnte ich nämlich bei Kenntnis der Heft-Nr. rübergehen und Dir den Bericht abfotografieren. So aber wird es damit leider vorerst nichts. Falls jemand weiß, ob man irgendwo die Heft-Nummern recherchieren kann, gern her mit der Info.
 
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  • #32
Die Seite hatte ich selbstverständlich auch sofort gefunden - dort steht aber nicht, in welchem Print-Heft der komplette Artikel abgedruckt war. Oder ich übersehe es, dann bitte melden und ich organisiere den Test.
 
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  • #33
Die Seite hatte ich selbstverständlich auch sofort gefunden - dort steht aber nicht, in welchem Print-Heft der komplette Artikel abgedruckt war.
Das sagt dir dein Kalender. Zumindest hoffe ich, dass du in den letzten Monaten nicht so viele Zahnarzttermine hattest. :wink:
 
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  • #34
Diese unglaublich fernliegende Idee hatte ich tatsächlich auch schon, sie half aber nicht weiter - vermutlich, weil die Zeitungen im Wartezimmer ziemlich lange rumliegen und somit nicht zwingend aktuell sind.
 
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  • #35
Von Zeit zu Zeit (Jahre) prüfe ich meine Dremos mit dieser Methode. Mir reicht das vollkommen aus. Um ca. 50€ gibt es Drehmomentmesser mit Peak/Track zu kaufen.

Beispiel ca. 30 Jahre alter Gedore 4507 (30-150 Nm):

Folie1.JPG
 
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  • #36
Im Geschäft hängt bei uns so etwas ähnliches als Drehmomenttester an der Wand, also da kann wenn die Werten doch evtl. unplausibel sind, kurz den Drehmomentschlüssel testen.

Ginge zum groben messen dann nicht auch nur ein elektronischer Drehmomentschlüssel Aufsatz (so einen habe ich zumindest mittlerweile fürs Reifenwechseln ... klar, eine Art Nuss-Vorichtung zum befestigen müsste gebaut werden).
1712407322001.png
 
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  • #37
Spannend. Damit habe ich noch nie gearbeitet. Falls jemand von euch mir Schlüssel schicken möchte und so ein Teil hat, es wäre super, wenn ihr das mitschicken könntet, dann könnte man mal sehen, wie genau die Teile sind. Das würde mich ja brennend interessieren
 
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  • #38
Die Seite hatte ich selbstverständlich auch sofort gefunden - dort steht aber nicht, in welchem Print-Heft der komplette Artikel abgedruckt war. Oder ich übersehe es, dann bitte melden und ich organisiere den Test.
Die Seite ist so umfangreich, ich kann mir kaum vorstellen dass im Heft mehr steht.
 
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  • #39
So, Jürgis Dremos sind heute bei mir eingetroffen und wurden auch sogleich geprüft. Heute habe ich vom Messaufbau noch keine Fotos gemacht, demnächst kann ich aber ein paar Bilder davon liefern.

Die ISO 6789:2017 schreibt im Gegensatz zur Vorgängernorm eine Prüfung im gesamten Einstellbereich vor. Konkret bedeutet das:
1. Kleinster Skalenwert
2. 60 % des Maximalwerts
3. 100 % des Maximalwerts

Damit soll gewährleistet werden, dass der Schlüssel im gesamten Einstellbereich korrekte Werte liefert.
Die ISO schreibt für auslösende Drehmomentschlüssel bis 10 Nm eine Auslösetoleranz von +-6 %, für Schlüssel > 10 Nm von +-4 % vor. Für Drehmomentschraubendreher gelten ebenfalls +- 6 %.

Zum grundsätzlichen Ablauf einer Prüfung:
Zu Beginn wird jeder Schlüssel ein paar mal beim Maximalmoment ausgelöst. Dies dient dazu, Messfehler durch eine eventuell schwergängige Mechanik zu verhindern. Anschließend wird bei jedem zu prüfenden Drehmoment fünf mal ausgelöst und die Werte notiert, daraus der Mittelwert gebildet. Sofern der Hersteller des Schlüssels eine engere Toleranz als die ISO angibt, wird diese als Maßstab für die Prüfung genutzt, ansonsten gelten die oben genannten Toleranzen

Fangen wir mit dem kleineren Schlüssel an. Dieser reicht von 4-24 Nm. Ein Hersteller oder eine Typbezeichnung ist nirgends auszumachen, dafür aber eine Seriennummer :D. Schon lustig, die Chinesen. Wie Jürgi bereits schrieb, ist der Schlüssel von 2016, also 8 Jahre alt und quasi nicht benutzt worden.
Insgesamt ist der Schlüssel deutlich besser als erwartet, ich denke damit kann ohne Einschränkung gearbeitet werden. Hat mich selbst überrascht. Auffällig ist, dass stärkere Abweichungen quasi nur bei der Minimaleinstellung auftreten.
 

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    Jürgi 4-24 Nm.png
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  • #40
Der größere Schlüssel von Jürgi reicht von 20-200 Nm, ist ca. 20 Jahre alt und Jürgis Aussage nach nur zum Räderwechsel genutzt worden.
Spannend finde ich, dass die Abweichung insb. in dem Bereich auftritt, in dem typischerweise die Radschraubendrehmomente liegen. Ob ein Zusammenhang besteht?
Dieser Schlüssel ist relativ einfach justierbar, weshalb ich das mal getan habe, Protokoll nach Justierung ebenfalls anbei.
Leider bestätigt sich dabei meine zuvor geäußerte Vermutung über den großen Messbereich. Es war mir nicht möglich, den Schlüssel so zu justieren, dass er über den gesamten Bereich innerhalb der Toleranzgrenzen liegt. Lag er im unteren Bereich drin, dann waren die 200er Werte zu hoch. Ich habe als Kompromiss versucht, mich bei der Justierung auf den Bereich um 120 Nm zu konzentrieren, das ist siehe Protokoll auch gelungen. Aufmerksamen Beobachtern fällt auf, dass die genutzte Messdose eigentlich erst bei 25 Nm anfängt. Da ich während der Messung nicht umbauen wollte, habe ich die größere für den kompletten Bereich genutzt. Erfahrungsgemäß ist die Ausgabegenauigkeit auch etwas unterhalb des spezifizierten Bereichs noch kleiner 1 %.
Für einen 20 Jahre alten Schlüssel kann man denke ich insgesamt zufrieden sein.


Weil es thematisch passt, liefere ich euch noch Werte des "Nachfolgerschlüssels" von Gedore (Red) mit, dieser wird bei uns in einem Verein nur sporadisch zum Räderwechsel genutzt. Er ist etwa 5 Jahre alt. Der neuere Schlüssel hat einen anderen Einstellbereich von 40-200 Nm. Ich denke, hier hat der Hersteller auf den zu großen Messbereich des Vorgängers reagiert. Die Toleranzgrenzen sind dadurch leichter einzuhalten.
 

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