ESS Squarearc 250 reparieren

Schweißgeräte und Know how rund ums Thema Schweißen

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powersupply
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Re: ESS Squarearc 250 reparieren

Beitrag von powersupply » 22. Jul 2019, 00:37

Gaaanz böse Sache!
in den quadratischen Modulen sind offensichtlich die IGBTs und Dioden eingegossen und im Linken ist mindestens ein IGBT futsch :glaskugel:
Messe mal die dicken Drähte zueinander durch. Da sollten immer mal Diodenstrecken zu messen sein.
Du hast ja zwei Module die Du miteinander vergleichen kannst.

Frag mich aber bitte nicht was das für welche sind! Ich hab solche noch nie gesehen. Wenn einer dann Domi.

PS

Jürgi
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Re: ESS Squarearc 250 reparieren

Beitrag von Jürgi » 22. Jul 2019, 20:16

Ja, jeder von den 2 großen, quadratischen Klumpen hat 2 Kreise.
Die Messungen waren unauffällig bei allen 4 Schaltkreisen. Die dicken Kabel haben in eine Richtung eine Diode und in die andere Richtung kein Durchgang. Bei allen gleich.
Langsam geht mein Optimismus bei den Gerät dahin...
Domi ? :mrgreen:
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Re: ESS Squarearc 250 reparieren

Beitrag von Jürgi » 5. Aug 2019, 14:57

Hallo,

kurzer Zwischenstand:

Auf der großen Platine sind neben den 12 großen, orangefarbenen Elkos noch 8 goldene Frako 16V-1000µF Elkos verbaut.
Einer davon hat Kurzschluss. Der könnte die Ursache gewesen sein für weitere abgerauchte Bauteile.
Die werden noch ausgetauscht. Die Bestellung läuft...

Gruß
Jürgen

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Re: ESS Squarearc 250 reparieren

Beitrag von Jürgi » 8. Aug 2019, 22:16

:mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:
Ich will mich jetzt noch nicht zu früh freuen, aber das Gerät gibt erste Lebenszeichen.
Nachdem ich die Elkos auch noch getauscht habe und alles wieder zusammen gebaut habe, funktioniert an dem Gerät zumindest das schweißen mit Elektroden.
WIG kann ich nicht testen, weil ich noch kein Schlauchpaket habe.

powersupply
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Re: ESS Squarearc 250 reparieren

Beitrag von powersupply » 8. Aug 2019, 23:36

Ja Klasse :top:
Dann war die durchgebrannte Leiterbahn "nur" dem defekten Elko geschuldet und nicht, wie befürchtet, ein defekter Schalttransistor.

PS

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Re: ESS Squarearc 250 reparieren

Beitrag von Jürgi » 9. Aug 2019, 09:38

Vielen Dank, PS, für die Unterstützung und die guten Ideen.
Der Elko mit dem Kurzschluss scheint die Ursache gewesen zu sein. Er hat 2 Transistoren, mehrere Widerstände, eine Diode und 2 Leiterbahnen mit in den Tod gerissen.
Jetzt werde ich noch ein Schlauchpaket dran fummeln, um die WIG ACDC Funktion zu testen. Dann wird sich zeigen, ob sich der Aufwand gelohnt hat. Wobei... gelohnt hat es sich jetzt schon, weil ich wieder viel dabei gelernt habe. Meine elektrischen Kenntnisse werden zunehmend besser und es macht richtig Freude, solche Geräte vor dem Schrott zu retten.

Gruß Jürgen

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Re: ESS Squarearc 250 reparieren

Beitrag von Jürgi » 18. Aug 2019, 19:14

Erste Versuche mit einem angepassten Schlauchpaket waren erfolgreich. Das Gerät schweißt auf AC und DC.
Fazit: Wie so oft liegt ein Defekt an kaputten Elkos. Dummerweise reissen die dann andere Bauteile mit ins verderben. Ich verwende immer bessere Elkos als verbaut waren und habe vorsorglich noch weitere Elkos getauscht. Das Gerät ist mit den besseren Elkos somit besser als im Neuzustand. :mrgreen:
Das Gerät hat noch eine weitere Besonderheit. Es hat 2 Gasventile und eine Zusatzplatine. Damit kann man mit Helium Alu DC- schweißen. Da der Lichtbogen mit Helium schlecht zündet, wird mit Argon gestartet und sofort auf Helium umgeschaltet. Laut Vorbesitzer kann man damit unter der Oxidschicht Alu schweißen. Die haben damit 1mm Alu Blech an 30mm Alu Blech geschweißt. Da gab es wohl damals ein Patent auf das Schweißverfahren.

Gruß Jürgen

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Re: ESS Squarearc 250 reparieren

Beitrag von powersupply » 18. Aug 2019, 21:29

Jürgi hat geschrieben:
18. Aug 2019, 19:14
Fazit: Wie so oft liegt ein Defekt an kaputten Elkos. Dummerweise reissen die dann andere Bauteile mit ins verderben.
Bis vor Kurzem hätte ich das bei "normalen" Elkos selber kaum für möglich gehalten. Zumal ich Frako für einen der renomierten der Elkohersteller halte. Aber die Reparatur meines alten Schreibers belehrte mich auch eines Besseren. Ich hätte in deinem Gerät sowieso eher erwartet, dass die Elkos hochohmig werden. :crazy:
Aber wahrscheinlich stand das Gerät, wie mein Linseis auch, einige Jahre ehe es wiederbelebt wurde so dass sich Dentriden bilden konnten welche durch die Isolierschicht gewachsen sind. :glaskugel:

PS

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Re: ESS Squarearc 250 reparieren

Beitrag von Herter » 18. Aug 2019, 23:19

Werden grosse Elkos längere Zeit (etwa > 1 Jahr, bei wesentlich höherer Einlagerungsdauer ist es umso wichtiger) nicht unter Spannung gesetzt, sollte man die Regenerieren (Engl.: ein Reforming durchführen), da sie ansonsten beim Einschalten beschädigt werden können.

Powersupply kann da sicher was genaueres beisteuern da ich selbst es eher bei Frequenzumrichtern (FU) durchgeführt habe und dort folgt man den Anweisungen des jeweiligen Herstellers da Einzelheiten geräteabhnängig sind, obwohl das eigentliche Grundprinzip stets identisch ist.

Ideal ist es, progressiv oder stufenweise die Spannung über eine gewisse Zeitspanne zu erhöhen und ggf. den Strom zu begrenzen und dann die Elkos eine gewisse Zeit unter Betriebsspannung halten, ohne dass sie jedoch sonstig beansprucht werden (werden dabei einfach unter konstanter DC Polarisierungs-Spannung gehalten). Für den Elko selbst ist dies problemlos, massgebend ist, wie man dies genau bei einem vorgegebenen Gerät durchführen kann. Falls keine Angaben vorhanden sind muss man u.U. die Elkos abklemmen, um das Reforming durchzuführen.

Defekte FU-Zwischenkreis-Elkos können während dem Betrieb infolge Alterung in Kurzschluss übergehen, was dann die Halbleitersicherungen nehmen kann und ggf. weitere Folgeschäden verursachen kann.

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Re: ESS Squarearc 250 reparieren

Beitrag von powersupply » 19. Aug 2019, 05:02

Wirklich genaueres kann ich auch nicht beitragen
Die Chemisch-Elektrolytische Oxydation der Anodenseite, welche die Isolierschicht darstellt, baut sich mit der Zeit bei HV-Elkos ab und wird durch den von dir genannten Formierprozess wieder hergestellt.
Jedes Jahr formieren halte ich aber für übertrieben. Da ist ein riesen Sicherheitsfaktor berücksichtigt.
Bei uns hatte ich das auch mal empfohlen und auch Dienstleister preisen diesbezüglich ihre Dienste immer wieder an, aber praktiziert wird das nicht. Allerdings liegt das auch mit an unserer zentralen Lagerwirtschaft und weil bei zu vielen vorgehaltenen Geräten praktisch kein Frühausfall einer fehlenden Formierung zuzuordnen sind.
Und ja. Es kommt schon mal vor, dass ein Sinumerik Leistungsteil aus dem Lager geholt wird welches gleich wieder hochgeht. Dann wird eben das Nächste eingebaut. Der letzte mir bekannte Fall ist schon Jahre her.

Zuhause konnte ich das schon wesentlich deutlicher nachvollziehen. Ich hab da eine Elkobank aus Blitzelkos mit ca 380000µF bei 350 Nennspannung.
Als ich die das letzte Mal in Betrieb genommen habe sind mir während des, wohl etwas zu flotten Formierens zwei oder drei Elkos hochgegangen und haben währenddessen versucht die schon gespeicherte Energie der anderen Elkos zu vernichten... Vernichtet wurden aber nur deren Anschlüsse und die Elkos selber.
Hmmm, ich glaube, ich sollte die mal wieder formieren. Ist längst überfällig...

PS

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