Kompressor-Schlagschrauber-Lufttank

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Dietrich
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Kompressor-Schlagschrauber-Lufttank

Beitrag von Dietrich » 15. Okt 2004, 21:29

Hallo und guten Abend,

es naht die Zeit, in der man wieder die Winterreifen aufziehen sollte:-(((

Meine Frage:
Seit sehr langer Zeit habe ich einen kleinen Kompressor mit 200 Ltr/min Ansaugleistung und 28 Ltr Tank, der, so bin ich mir sicher nicht ausreicht um einen Schlagschrauber zu betreiben. Würde es reichen wenn ich einen 250 Ltr Tank vorher auflade?

Bitte keine Hinweise zum Druck-Volumenprodukt von 200, mir ist klar das eine Einheit ab dieser Größe Prüfpflichtig ist, es soll nur privat verwendet werden, der Kessel ist ein ehemaliger Industriekessel mit 250 Ltr Inhalt, der mal für 15 bar Betriebsdruck ausgelegt war:-)
Gruß Dietrich

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H. Gürth
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druckluft

Beitrag von H. Gürth » 15. Okt 2004, 22:23

Hallo,
hier eine Rechenformel.

Behältervol X (Abschaltdr. - Arbeitsdr.)
Arbeitszeit=-----------------------------------------
(Werkzeug Luftverbr. ) - (Liefermenge Kompr)


Beispiel 500ltr X (10 - 6 )
----------------- = 8 min. konstanter Betrieb
500 - 250

1/2 Schlagschrauber = ca. 300 - 400 ltr/min.


MfG

H. Gürth

Dietrich
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Beitrag von Dietrich » 15. Okt 2004, 22:59

Hallo H. Gürth,

vielen Dank!

Wären bei mir etwa 2-3 Minuten, wobei die Schlagschrauber nur sehr kurze Einschaltzeiten haben, sehe ich das richtig?

Was ist eigentlich von den neuen E-B Luftschraubern zu halten, gibt es Tests oder Erfahrungen?
Gruß Dietrich

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H. Gürth
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Druckluft

Beitrag von H. Gürth » 15. Okt 2004, 23:57

Hallo,
im Prinzip Ja, aaaaaber :
Der Knackpunkt ist das Lösemoment.
Anziehen erfolgt ja mit gedrosselter Leistung, Endzug dann mit Dremoschlüssel.
Aber zum Lösen benötigen Sie volle Leistung.Je nach Schraubermodell erfolgt der Linkslauf immer mit voller Leistung, während der Anzug über die Drosselschraube die Luftmenge/=Drehmoment reduziert.
Ein richtig dimensionierter Schlagschrauber sollte etwa 3 Sec. reine Schlagleistung bringen. Dann sollte die Schraube fest / lose sein. Der reine Drehvorgang geht dann ja schnell. Muss er länger schlagen geht das auf die Mechanik / Schlagzapfen = hoher Verschleiss.

Wichtig ist der Luftdruck am Maschineneingang während
des Schraubvorganges(=laufender Maschine). Es müssen 6 - 6,5 bar Fliesdruck vorhanden sein damit die Maschine die Nennleistung erreicht. Das bedeutet dass am Kompressor/Druckregler ca. 7 - 7,5 bar Abgangsdruck anstehen müssen damit der Fliesdruck von 6 bar erzielt wird. Der Rest sind Druckverluste im Regler/
Schlauchsystem.
Pro Rad a 5 Schrauben wird er beim Lösen ca. 1 - 2 x Nachladen.
Die Schlagschrauber von EB sind die gleichen Importgeräte wie von PNEUTEC; RODCRAFT; SCHNEIDER und den vielen anderen Anbietern die die Geräte mit ihrem
Label versehen. Wobei die Preislagen um 50,-- / 60,--
Euro von der Qualität am unteren Ende anzusiedeln sind, besonders wenn dann auch noch ein ganzes Sortiment Steckschlüssel im Preis enthalten ist.
Mittelprächtige Qualität wäre z. Bsp. RODCRAFT 2205
ca. 100,-- Euro.

MfG

H. Gürth

hs

Beitrag von hs » 16. Okt 2004, 05:04

Hi,

@Dietrich
das was H.Gürth schreibt ist nicht ganz falsch, aber eben auch ...

Z.B. einfach mal so Druckverluste von ~ 1bar in der Anlage anzunehmen ist schon interessant ... ohne die Armaturen, Leitungslänge, Leitungsdurchmesser, etc. zu kennen
Der von ihm genannte Rodcraft-Schlagschrauber verbraucht lt. deren Website zwischen 350 und 650l/min (und das sind die Werte, die überhaupt maßgeblich zur Berechnung der Strömungsverluste benötigt werden).
Um den Druckverlust zu vergleichen, nimmt man bei einem Membranventil mit DN25 ca. 1,2m ... bei DN40 ca. 2m zus. Leitungslänge an. Da aber der Durchmesser kleiner als DN25 sein wird, dürfte der Druckverlust vernachlässigbar sein. Bei DN8 (also ~9mm Innen-Durchmesser) geht man bei einer Rohrlänge von bis zu 20m und einem Druck von 8bar von ~ 0,1bar Druckverlust aus, wenn bis zu ~ 200l/min durch das Rohr strömen. Du möchtest jetzt bis zu ~ 500l/min strömen lassen - allerdings vermutlich weniger als 20m.
Lange Rede, kurzer Sinn : die Druckverluste kann man vernachlässigen (denn der Leistungsabfall, sollte dieser vorhanden sein, zwischen 6,1bar und 5,9bar an der Maschine - wird man eh' nicht merken).

--------

seine Aussage
Pro Rad a 5 Schrauben wird er beim Lösen ca. 1 - 2 x Nachladen.
kann stimmen, muß aber nicht. Das hängt von versch. Faktoren ab : wie groß ist das tatsächliche Losdrehmoment der Schrauben, wie hoch ist der Wirkungsgrad des Schraubers, ...

--------

grundsätzlich ist es so, daß ein großer Tank im Verhältnis zu einem kleinen Aggregat nur eine Notlösung sein kann.
Denn wenn der Druck im Tank erstmal abgefallen ist, dauert es ja um so länger bis er wieder aufgefüllt ist (da Du nicht die eff.-Luftleistung - bzw. die Schaltpunkte angegeben hast, kann man keine genauen Zeiten nennen - aber ich vermute das es leicht 4min werden können, bis der kleine Kompressor im Tank wieder 10bar aufgebaut hat).
D.h. wenn Du den großen Tank für kleines Geld oder gar für 'lau' bekommst ... und auch den Platz dafür hast : warum nicht ?
Ansonsten : lieber größeres Aggregat besorgen

---------

die günstigen Schlagschrauber (und ob Du da das Einsteigermodell von ElektraBeckum nimmst - oder das Billigst-Teil aus dem Baumarkt macht da keinen Unterschied), haben kein soo tollen Wirkungsgrad (ich habe so einen Schlagschrauber von jemanden geschenkt bekommen, der so einen Mini-Kompressor wie Du ihn hast, besitzt : '.... geht bei mir nicht - kannste' haben ...')
Möchtest Du also was vernünftiges (und hey - Du stehst ja auf vernünftige Sachen ;-) ), dann greif', wie H.Gürth geschrieben hat, lieber zu einem etwas besseren Gerät.
Wobei sich dann wiederum die Frage sicher stellt : lohnt die Anschaffung für zweimal im Jahr Räder wechseln ? (o.k. kommt auch auf die Größe des Fuhrparks an ;-) )

Gruß, hs

Dietrich
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Beitrag von Dietrich » 16. Okt 2004, 10:36

Hallo Hs,

ganz komme ich nicht mit:-)

Mein Kompressor hat 200 Ltr/min Ansaugvolumen, betrieben wird er zwischen 6 und 8 bar!

Der Kessel ist 250 Ltr groß, und kostet nichts:-) denn der steht bei mir zuhause.

Mommentan liegen mir nur die Daten für den stärksten E-B Schlagschrauber vor, der benötigt max 650 Ltr/min. Es handelt sich um ein Gerät welches in diesen Wochen vorgestellt wurde, unter den Neuheiten.

Die Differenz zwischen Einschalt- und Ausschaltdruck beträgt 2 bar entspricht 500 Ltr, mit denen ich den Schrauber etwa 50 s betreiben kann!

Wie lange braucht man effektive Laufzeit um eine Radmutter zu lösen, 2, 3, oder 5 s?
Selbst wenn ich alle 4 oder 5 Muttern hintereinander löse, und der Einschaltdruck erreicht wird, braucht es eine Zeit das Rad beiseite zu rollen, das andere Rad anzusetzen, die 1. Mutter per Hand andrehen, in 2,5 min. ist der Kessel aber schon wieder voll.

Wenn ich mir die Arbeit mache und die leitungen verlege, die Mittel investiere mir einen Schlagschrauber kaufe, werde ich berichten!
Gruß Dietrich

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hs

Beitrag von hs » 16. Okt 2004, 14:10

Hi,

... deswegen hatte ich ja geschrieben :
kann stimmen, muß aber nicht. Das hängt von versch. Faktoren ab : wie groß ist das tatsächliche Losdrehmoment der Schrauben, wie hoch ist der Wirkungsgrad des Schraubers, ...
- denn möglicherweise reichen bei Deinen Radmuttern, in Verbindung mit einem guten Schrauber, auch bereits 5bar Betriebsdruck zum Lösen aus.

In Deiner Zeitrechnung ist allerdings ein Fehler : Ansaugleistung ist nicht mit der eff. Liefermenge gleichzusetzen. Dein Kompressor wird ca. 100-120l/min eff. liefern können.
Dann sieht die Zeit zwischen dem Loslaufen und dem Abschalten schon ganz anders aus - und die kleinen Aggregate sind oft nicht für Dauerbetrieb ausgelegt. D.h. durch den größeren Tank wird so ein kleiner Verdichter natürlich stärker belastet, als der Konstrukteur es sich mal gedacht hat (denn beim Beginn Deiner Arbeit wird der Tank seltenst vollen Druck haben - i.d.R. hast Du vorher bereits was ausgeblasen o.ä., so daß 'nur' noch 6,8bar o.ä. im Tank sind. Dann legst Du mit den Muttern los - und wirst nach dreien sicher nicht eine Pause machen wollen. Also sinkt der Druck beim Arbeiten unter den Schaltpunkt. Dein Aggregat aber schafft nur knapp über 100l/min nachzupumpen - der Schrauber hingegen verbraucht deutlich mehr. Mit sinkendem Druck aber mußt Du noch länger auf der Mutter herum'nudeln', da der Schrauber jetzt nicht mehr so kräftig ist ..... Also liegt man schnell bei unter 5bar - und der kleine Verdichter läuft dann eine ganze Weile, bis er wieder bei 8bar abschalten kann)

Aber auch hier kann man nur sagen : kann jahrelang problemlos gutgehen - aber auch nicht. Da steckt man nicht drin (habe hier noch den kleinen Tank eines solchen E-B-Kompressors rumstehen, dessen Pleuel (trotz korrektem Ölstandes) gefressen hat - warum das passiert ist : keine Ahnung).

Wenn Du den Tank aber eh' schon hast, würde ich es einfach probieren. Sofern Du aus irgendwelchen Gründen eben keine Lust mehr hast, auf die Maschine beim Arbeiten warten zu müssen - dann kann man den Tank ja wunderbar auch für einen größeren Kompressor verwenden.

Gruß, hs

Dietrich
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Beitrag von Dietrich » 16. Okt 2004, 22:05

Hallo Hs,

vielen Dank für Deine Ausführungen, gilt auch für H. Gürth!

Ist halt schon ein Risiko, wenn ich mir den Schlagschrauber kaufe, es nicht funktioniert, brauch ich auch noch einen Kompressor mit 2 Zylindern, gibts denn sowas ohne Luftkessel?
Gruß Dietrich

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Alfred
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Beitrag von Alfred » 16. Okt 2004, 22:44

Hallo,
meine praktische Erfahrung war dass man einen 9mm Schlauch (innen) braucht und wenn man Reifen wechselt und der Schrauber die Schraube nicht löst man wartet bis der Druck wieder da ist.
Gruß
Alfred

hs

Beitrag von hs » 17. Okt 2004, 00:44

Dietrich hat geschrieben:Ist halt schon ein Risiko, wenn ich mir den Schlagschrauber kaufe, es nicht funktioniert, brauch ich auch noch einen Kompressor mit 2 Zylindern, gibts denn sowas ohne Luftkessel?
Hi,

grundsätzlich ist das schon die richtige Lösung erstmal mit dem was man hat, zu probieren. Nur paarst Du da eben Komponenten, die so eigentlich nicht miteinander harmonieren (weshalb man solche Kombinationen auch von keinem Hersteller serienmäßig bekommt).

Ich würde wie folgt vorgehen :
- den großen gebrauchten Tank erstmal 'hübsch' machen, d.h. passend zu Werkstatt lackieren (bei Dir vermutlich Tannengrün ;-) )
- Schlagschrauber kaufen und an der Kombination testen
- wenns's klappt Ort für den Tank suchen (ich werde demnächst den Tank und das Aggregat meines Kompressors trennen und auf einer Konsole unterm Garagendach verfrachten - bin Fan davon, möglichst viel von 'vor den Füßen' wegzubekommen)
- wenn's nicht klappt und Du auf Schlagschrauber und leistungsfähiges Luftdruckwerkzeug nicht verzichten möchtest - nach einem passenden Aggregat umsehen (dann dafür + Tank eine passende Konsole basteln ;-) )

Kompressor-Aggregate erhälst Du auch einzeln. Von Schneider gibt es z.B. sog. 'Beistell-Kompressoren' : Link (es gibt (oder gab) auch noch eine Serie KAG (finde ich online gerade nicht), die ohne Tank geliefert wurde - extra zum 'stufenweisen Ausbau der Druckluftversorgung' ... allerdings sind das schon ziemlich große Aggregate : ab Ansaugleistung/eff. 960/753 l/min und 5,5kw-Motor. Ich vermute der Preis dafür wird dann für Dich schon etwas heftig).
Auch von Elektra-Beckum solltest Du die Aggregate einzeln bekommen können (ich habe vor Jahren mal über einen Händler fragen lassen - preislich war das aber für mich dann doch uninteressant).
Nur mal so zum Preisvergleich, kannst Du ja auch mal bei tbs-Aachen schauen, was die Einzelteile so ungefähr kosten : Link
Natürlich gibt es solche Komponenten ohne Tank auch von anderen renommierten Herstellern wie Kaeser ('ideal als Beistellkompressor und bei bereits vorhandenen Druckluftbehälter') oder Boge
Die Auswahl dsbzgl. ist ziemlich groß.
Ich habe mich seinerzeit (hatte das ja schonmal gepostet), für einen Birkenstock-Kompressor entschieden, weil dieser der einzige war, der 90l-Tank mit 750/580 l/min-Aggregat liefern konnte - fahrbar. Da Du ja aber schon einen schönen Tank hast (versuch auch mal hineinzuschauen, wie er innen aussieht), entfallen diese Kosten ja schon mal (250l neu wohl ab ~ €500,-).
Bei Mehrzyl.-Aggregaten sollte man mehrstufigen den Vorzug geben - diese besitzen einen höheren Wirkungsgrad. Zudem würde ich auf ein niedrig drehenden Kompressor Wert legen. Einerseits erhöht das die Lebensdauer*- andererseits schont es die Nerven (trotz objektiv gesehen gleicher Lautstärke, empfindet man z.B. einen langsam drehenden, dumpf tönenden Dieselmotor subjektiv angenehmer, als einen hochdrehenden Zweitaktmotor)

Gruß, hs

* ich glaube mit H.Gürth (hoffe ich tue ihm jetzt kein Unrecht) hatte ich dsbzgl. schon mal eine Diskussion. Richtig ist, daß für den Verschleiß die mittl. Kolbengeschw. nicht unwichtig ist. Allerdings werden auch z.B. die Ventile bei höherer Drehzahl öfter betätigt - und obwohl z.B. der Markenhersteller Kaeser bei vielen Aggregaten mit recht hohen Drehzahlen arbeitet, bewerben sie ihre Industrieaggregate u.a. dann doch mit verschleißmindernden niedrigen Drehzahlen.

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