Bauchemie & Tierversuche - eine Frage zu Angaben in Sicherheitsdatenblättern

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ratchetingwrench

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Hallo!

Heute mal ein ganz heißes Eisen. Und ich bitte, nach Möglichkeit, um eine rein sachliche & belastbare Antwort.

Ich möchte folgendes verstehen:

Ein Inhaltsstoff des Produkt ist Benzisothiazolinon / 1,2-Benzisothiazol-3(2H)on

Im Sicherheitsdatenblatt werden nun Toxikologische Angaben gemacht.

Z.B. über die Akute orale Toxizität. Da heißt es dann in dem mir vorliegenden Datenblatt: LD50 (Ratte): 454mg/kg Methode: OECD Prüfrichtlinie 401

Schaue ich mir jetzt den Wikipedia-Eintrag zu Benzisothiazolinon an: Benzisothiazolinon – Wikipedia

Findet sich ein Link zu ChemIDplus der National Library of Medicine (USA) als Quelle für die im Wiki-Eintrag veröffentlichen Daten zur Toxizität.

ChemIDplus - 2634-33-5 - DMSMPAJRVJJAGA-UHFFFAOYSA-N - 1,2-Benzisothiazoline-3-one - Similar structures search, synonyms, formulas, resource links, and other chemical information.

Ganz unten finden sich die entsprechenden Angaben inkl. Quellennachweis, eine Veröffentlichung aus dem Jahr 1971.

rat LD50 oral 1020mg/kg (1020mg/kg) Pharmacological Research Communications. Vol. 3, Pg. 385, 1971.

Was ich jetzt verstehen möchte, bei einem Inhaltsstoff wie Benzisothiazolinon der nicht erst seit gestern bekannt ist, kann man davon ausgehen das hier keine erneuten Tierversuche gemacht wurden, sondern man auf wissenschaftliche Publikationen zurückgreift um diese Angaben machen zu können?

Dann gibt es noch eine Angabe zu Toxizität bei wiederholter Verabreichung. Die wurde an einem Hund getestet.

In einem anderen Datenblatt wird, zum selben Inhaltsstoff, hier keine Angabe gemacht. Und ich finde auch ad hoc keine Quelle wo man diese Angabe nachschlagen könnte.

Bevor ich jetzt den Hersteller frage ob er Tierversuche für seine Produkte macht, kann mir jemand sagen wie wahrscheinlich das ist/ ob es weitere, evtl. nicht öffentliche, spezielle Datenbanken gibt in dem man diese und weitere Angaben nachschlagen kann für bekannte Inhaltsstoffe - so dass man keine "neuen" Tierversuche machen muss?

Danke & viele Grüße,
ratchetingwrench
 
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Ein_Gast

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Nunja, dass es keine Versuche gab, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Aber z. B. ist in Deutschland die Anzahl der Tiere für Versuche per Gesetz begrenzt.

Als Quelle könntest du mal echa.eu versuchen. Das ist die europätische Registrierungsstelle für Chemikalien (REACH) und jeder dort registrierte Stoff sollte über Angaben verfügen, was genau damit gemacht wurde. Die Seite ist aber Mist und es kann sein, dass du da ganz schön suchen darfst, um ein Dossier zu finden.

Ich würde den Tierversuchen in diesem Fall aber weniger kritisch gegenüber stehen. Hier geht es ja nicht um Kosmetik, sondern darum, die Anwender vor z. B. Krebs und Tod zu schützen. Da kann dann die Limitierung der Tieranzahl tatsächlich sogar zum Problem werden: Bei der Herleitung von Arbeitsplatzgrenzwerten ist die Zahl so gering, dass es Probleme mit der Repräsentativität gibt. Das führt dann im schlimmsten Fall dazu, dass zu viele Arbeiter an Berufserkrankungen erkranken.
Andere Versuche, wie z B. mit Daphnien sind elementar wichtig, um die Schädlichkeit eines Stoffes in der Umwelt zu untersuchen.
 
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ratchetingwrench

Threadstarter
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Herzlichen Dank für den Hinweis! Da findet sich tatsächlich schonmal sehr viel mehr an Informationen/ durchgeführte Tests/Studien.

Registration Dossier - ECHA

Und auch für deine weitergehende Erklärung, ich habe mir dazu noch keine Meinung gebildet, bin noch am Fakten sortieren/sammeln.

Viele Grüße,
ratchetingwrench
 
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Ein_Gast

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Um es nochmal klar zu sagen: Ich bin eigentlich auch gegen Tierversuche und jeder, der ein Tier schminkt damit es den Damen im Gesicht nicht juckt, sollte seinen Platz mit dem Tier tauschen. oder den Kunden als Testobjekt nutzen.

Hier geht es aber um Leben und Gesundheit. Leider ist das für privat auch eher hinfällig - kaum einer wird bei einem kritischen Stoff deutlich mehr Schutzmaßnahmen ergreifen. Beispiel Benzin und das darin enthaltene Benzol: Wer hat denn eine ABEK-Maske (bzw. nur "A") auf und Chemikalienhandschuhe an, wenn er seinen Mäher betankt? Oft wird danach sogar direkt losgelegt, ohne sich noch die Hände zu waschen.

Aber um eine Gefährdungsbeurteilung im Gewerbe zu machen, ist das tatsächlich relevant. Da braucht es konkrete Angaben zu Gefährlichkeit eines Stoffes, um Schutzmaßnahmen zu ergreifen.
 
Thema: Bauchemie & Tierversuche - eine Frage zu Angaben in Sicherheitsdatenblättern
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