Über den Sinn und Unsinn präziser Maschinen und -werkzeuge im Hobbybereich...leider geil?!

Ob Kapp- und Gehrungssäge, Bandsäge, Formatkreissäge, Drehbank, Ständerbohrmaschine oder gar das Bearbeitungszentrum. Hier geht es um Fragen rund um alle stationären Maschinen.

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Matchless
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Über den Sinn und Unsinn präziser Maschinen und -werkzeuge im Hobbybereich...leider geil?!

Beitrag von Matchless » 3. Apr 2020, 22:13

Dieses Thema ist mir eben sehr spontan in den Sinn gekommen, als ich durch eine unserer Produktionshallen ging.
Ich habe mir einfach mal ein Stativ und eine Messuhr geschnappt und bin an die meist benutzte Tischbohrmaschine gegangen.
Es ist eine WMW Heckert Getriebebohrmaschine. Sie ist überlackiert, weshalb kein Typenschild mehr zu erkennen ist. Ich vermute eine BT2. Auf jeden Fall ein schöner Stahlklops, geschätzte 150 kg und MK2 Aufnahme, 4 Gänge.
Darin ein Zahnkranzbohrfutter "Made in China". :crazy:
Es muss gesagt werden, an dieser Maschine werden tagein tagaus Bohrungen für unterschiedlichste Zwecke gefertigt, keine Präzisionsanwendungen, aber immerhin wird damit Geld verdient.

Ich also fix einen 10,5 HSS-Co von Gühring eingespannt (war der nächstbeste Bohrer der da lag) und mal den Rundlauf direkt oben am Schaft gemessen. 30/100 LOL. Konnte mir ein Lachen nicht verkneifen. Scheint für die Anwendungszwecke der Werker aber zu funktionieren.
Ich also das Futter raus, direkt in den Schrott. Nächstes Futter das da lag genommen, Bohrer darin eingespannt, gemessen. 20/100 :rotfl:
Auch dieses ging direkt den Weg in die Schmelze.
Dann lag nur noch ein Futter da, ebenfalls Made in Ching-Chang-Chong". Alle guten Dinge sind Drei! Eingespannt, gemessen und HEY! 5/100. Schon mal eine deutliche Verbesserung.
Futter raus, direkt im Morsekegel der Maschine gemessen. 1/100. Na Holla die Waldfee, die alte Kiste von geschätzt 1960 kann richtig was!
Zufrieden wieder das Futter montiert und dann auf die Threadfrage gekommen.
Was mir in dem Moment so durch den Kopf ging: Für viele Hobbyisten ist ja gerade mal ein Albrecht würdig genug, eingespannt zu werden...
Mich würden einfach mal eure Gedanken und Erfahrungen zum Thema interessieren. Dabei geht es mir nicht zwangsläufig Bohrfutter, das dient in diesem Fall nur als Beispiel.

Meine Meinung (Hobbybereich!): nicht notwendig in 99% aller Fälle, aber leider geil!

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Re: Über den Sinn und Unsinn präziser Maschinen und -werkzeuge im Hobbybereich...leider geil?!

Beitrag von Ein_Gast » 3. Apr 2020, 22:25

Im Hobbybereich kommen mir da mehrere Gründe, warum man das oft so macht:

- Haben will - wie du schriebst, leider geil. Wer fingert nicht gerne ein schönes Stück Technik an?

- Man will die Gewissheit haben, dass der produzierte Ausschuss nicht an der Maschine lag. :mrgreen:

- Teilweise will man auch nur (noch) einmal kaufen. Das Argument höre ich im Bekanntenkreis tatsächlich öfters. "Ich bin jetzt 60, wenn es 20 Jahre hält, bin ich 80 und dann werde ich eh nicht mehr viel machen können".

Wenn es zueinander passt, spricht ja auch nicht viel dagegen, sich gutes Zeug zu kaufen. Nur wenn das Albrecht-Bohrfutter für >300 € an der Schlagbohrmaschine im Wackel-Bohrständer sitzt, kommen mir Zweifel über die Sinnhaftigkeit.

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powersupply
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Re: Über den Sinn und Unsinn präziser Maschinen und -werkzeuge im Hobbybereich...leider geil?!

Beitrag von powersupply » 3. Apr 2020, 22:39

Matchless hat geschrieben:
3. Apr 2020, 22:13
Ich also fix einen 10,5 HSS-Co von Gühring eingespannt (war der nächstbeste Bohrer der da lag) und mal den Rundlauf direkt oben am Schaft gemessen. 30/100 LOL.
Hattest Du denn mal das Futter verdreht eingebaut bzw den Morsekegel überprüft?
Ich könnte mir vorstellen, dass auch nur der Kegel einen Schlag weg hatte. :glaskugel:

PS

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Re: Über den Sinn und Unsinn präziser Maschinen und -werkzeuge im Hobbybereich...leider geil?!

Beitrag von Matchless » 3. Apr 2020, 22:45

powersupply hat geschrieben:
3. Apr 2020, 22:39
Matchless hat geschrieben:
3. Apr 2020, 22:13
Ich also fix einen 10,5 HSS-Co von Gühring eingespannt (war der nächstbeste Bohrer der da lag) und mal den Rundlauf direkt oben am Schaft gemessen. 30/100 LOL.
Hattest Du denn mal das Futter verdreht eingebaut bzw den Morsekegel überprüft?
Ich könnte mir vorstellen, dass auch nur der Kegel einen Schlag weg hatte. :glaskugel:

PS
Beide Möglichkeiten ausgetestet. Ansonsten hatte der Kegel auch nur Täler, keine Berge. Ich habe ihn jetzt nicht präzisionsvermessen, kann auch sein der war krumm. Mir letztlich auch egal, ob das Problem nun vom Bohrfutter oder dessen Morsekegel her rührt, letztlich zählt der Rundlauf ganz unten am arbeitenden Ende (Bohrerspitze, nur kann er direkt dort nicht gemessen werden, deshalb Messung so weit unten wie möglich)
Ich merke auch gerade ich habe mich nicht ganz präzis ausgedrückt: Jedes Futter hat einen integrierten Morsekegel. 3 Futter, 3 Mk2 Kegel.

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Re: Über den Sinn und Unsinn präziser Maschinen und -werkzeuge im Hobbybereich...leider geil?!

Beitrag von H. Gürth » 3. Apr 2020, 22:49

Jetzt müsste man nur noch etwas über die Futter selbst erfahren. Hersteller/Typ etc.
Nichts wissen macht nichts.
..........und mich gar nicht erst fragen !

Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar und verständlich formuliert wurde.

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Re: Über den Sinn und Unsinn präziser Maschinen und -werkzeuge im Hobbybereich...leider geil?!

Beitrag von Matchless » 3. Apr 2020, 22:54

H. Gürth hat geschrieben:
3. Apr 2020, 22:49
Jetzt müsste man nur noch etwas über die Futter selbst erfahren. Hersteller/Typ etc.
Zahnkranzfutter 1-13mm, made in Coronaursprungsland, stark benutzt. Mehr Informationen konnte man nicht gewinnen.

Aber um die Futter soll es auch gar nicht gehen, Frage steht oben ;)

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Re: Über den Sinn und Unsinn präziser Maschinen und -werkzeuge im Hobbybereich...leider geil?!

Beitrag von Mark 303 » 4. Apr 2020, 08:03

ich denke, das liegt auch immer daran, welche Ansprüche jeder an sich und / oder ans Werkzeug /Maschine stellt. derjenige, der eher im Semi-Profi-Bereich daheim unterwegs ist oder auch die, die beruflich mit Maschinen / Werkzeugen zu tun haben, setzen i.d.R. ihre Ansprüche generell weiter höher an und kaufen sich auch eher teurere Produkte. für den anderen "Menschenschlag" sind Qualitätsprodukte ala´Einhell, Güde und dergleichen ausreichend (wobei man hier mit Sicherheit nicht von präzision sprechen kann). Allerdings habe ich auch schon Handwerker gesehen / kennengelernt (man soll es nicht glauben), die mit Lidl, Ryobi, Aldi Maschinen gearbeitet haben...... :crazy: (Aber gut, dass soll jedem selbst überlassen sein)!
Auf der anderen Seite, bringt es auch relativ wenig, sich eine hochwertige Maschine zuzulegen (Bsp. Heckert) und billiges Zubehör zu nutzen (Futter).....nur als Beispiel..... .
Wie auch bei der Frage, welche Anforderung / Werkzeuge / Produkte generell man kauft, muss jeder für sich und seine Ansprüche "ausmachen".
In diesem Sinne......ihr Werkzeugfreaks :wink: :bierchen:
good tools, good Job!
.... :D :schlaubi: ....

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Re: Über den Sinn und Unsinn präziser Maschinen und -werkzeuge im Hobbybereich...leider geil?!

Beitrag von michaelhild » 4. Apr 2020, 10:27

Das hat zwar nur weitläufig mit dem Thema hier im Thread zu tun, aber ist mir spontan in den Sinn gekommen und ich wollte es mitteilen:

Nur mal so als Anregung zum Nachdenken.
Es heißt immer unnötige Präzision im Hobbybereich oder unnötig gutes Werkzeug oder billiges Werkzeug tut es auch, ..... wir sind ja oder Du bist ja kein Profi. Ist zwar hier im Forum wenig ausgeprägt, in anderen aber schon.
Da frag ich mich immer, worin unterscheidet sich das (gewünschte) Ergebnis von dem, der in seiner Freizeit etwas baut und demjenigen der es beruflich macht? Meiner Meinung nach im Grunde gar nicht. Wenn ich was baue, möchte ich dies so gut, schön, genau, sauber, ..... wie möglich machen und ich denke bis auf manche Ausnahmen, will das ja jeder. Ungenauigkeiten kommen so oder so, aber um die in der Summe gering zu halten, sollte jeder egal ob Profi oder Freizeitbauer so genau wie möglich/nötig arbeiten.
Von daher finde ich solche Aussagen einfach falsch.

Noch in den Raum geworfen die Begriffe, Wiederholgenauigkeit, Passgenauigkeit und Endmaß. Das gilt für den Profi genau wie für den Hobbymensch. Gleiche Teile sollten auch möglichst identische Dimensionen haben, eine Verbindung sollte möglichst passen (da kommt es auch bei Holz, schon mal auf paar 1/10tel an), Ob das Möbel jetzt am Ende genau 1200 mm hoch ist oder nur 1996 mm ist dahingehend in der Regel egal. Das lässt sich natürlich auch auf andere Gewerke übertragen.
Grüße Micha

Mein Holzblog:
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Re: Über den Sinn und Unsinn präziser Maschinen und -werkzeuge im Hobbybereich...leider geil?!

Beitrag von Brandmeister » 4. Apr 2020, 14:38

Was soll man da groß sagen?!
Kommt halt wirklich drauf an, welche Ansprüche man ans Arbeitsergebnis stellt und was man für seine Ausrüstung ausgeben kann oder will. Allerdings ist teures präzises Werkzeug auch kein Garant für ein gutes Arbeitsergebnis, wenn man damit nicht umgehen kann und sich auch nicht die Zeit für präzises Arbeiten oder das Erlernen des richtigen Umgangs mit seinem Präzisionswerkzeug nimmt. In diesem Fall ist die Anschaffung wirklich für die Füße.
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Re: Über den Sinn und Unsinn präziser Maschinen und -werkzeuge im Hobbybereich...leider geil?!

Beitrag von D_Mon » 4. Apr 2020, 16:34

michaelhild hat geschrieben:
4. Apr 2020, 10:27
Da frag ich mich immer, worin unterscheidet sich das (gewünschte) Ergebnis von dem, der in seiner Freizeit etwas baut und demjenigen der es beruflich macht? Meiner Meinung nach im Grunde gar nicht. Wenn ich was baue, möchte ich dies so gut, schön, genau, sauber, ..... wie möglich machen und ich denke bis auf manche Ausnahmen, will das ja jeder.
Den Unterschied zwischen Profi-Equipment und Hobby-Ausstattung sehe ich nicht primär im Unterschiedlichen Anspruch an die Genauigkeit sondern eher in
  • Der intensiveren Nutzung im Profibereich, oft auch größere Bauteile, höhere Stückzahlen etc.
  • Den oft etwas ruppigeren Einsatzbedingungen
  • Den etwas höheren Ansprüche an Arbeitsgeschwindigkeit, Bedienkomfort, Vielseitigkeit (manchmal).
    etc.
  • Und, und das finde ich auch mit entscheidend, auch in den oft unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden der typischen Aufgaben.
  • Letztendlich ist es auch so, dass im Profibereich mit den Werkzeugen Geld verdient wird, der Handwerker die MWSt. abziehen und die Nettokosten steuerlich absetzen können. Damit ist üblicherweise auch ein höheres Budget vorhanden
Wenn beispielsweise ein Schreiner sich Schneidewerkzeuge kauft, dann will der damit auch mal sehr präzise Küchenmöbel fertigen können. Das kommt im Hobbybereich vielleicht nicht ganz so oft vor. Da ist es dann vielleicht eher das Werkzeugregal, ein Arbeitstisch etc., wo die Anforderungen an die Genauigkeit vielleicht nicht ganz so hoch sind.

Klar kann man da nur tendenzielle Aussage treffen. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber den Bedarf für Angebote in unterschiedlichen Qualität- und Preisniveaus finde ich schon angebracht und nachvollziehbar.

Gruß
D.Mon
--
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