Neuer Baumarktskandal

Diskutiere Neuer Baumarktskandal im Forum Holzbearbeitung im Bereich Anwendungsforen - Hallo Holzwerker, Greenpeace hat entdeckt das russisches Raubbauholz in deutschen Baumärkten als deutsches Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft...
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Dietrich

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Hallo Holzwerker,

Greenpeace hat entdeckt das russisches Raubbauholz in deutschen Baumärkten als deutsches Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft verkauft wird.

http://www.woodworker.de/linktree/tree/ftexample.html

Unseren Baumarktmultis ist wohl nichts mehr heilig. Für Leute die das nicht so schlimm finden, sollte man mal einen Harvester durch den Garten schicken!

22 Sekunden braucht so ein Ungetüm bis er einen mittleren Nadelbaum in 4m Stücke "verarbeitet" hat, und die arbeiten selten alleine, dafür aber rund um die Uhr:(

Gruß Dietrich
 
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hs

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Hi,

Dietrich schrieb:
Unseren Baumarktmultis ist wohl nichts mehr heilig.

wenn Du schon sowas postest, dann sollte sowas auch korrekt
wiedergegeben werden !
So wie Du das schreibst, hört sich das nämlich an als ob die
Baumärkte das Holz direkt aus Rußland beziehen oder sogar
schlagen lassen würden.

So sieht es aber tatsächlich aus :
Greenpeace verdächtigt die Firma Rettenmeier im bayerischen
Wilburgstetten, das importierte russische Urwaldholz zusätzlich
mit dem Logo „Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft –
Gewachsen in Deutschlands Wäldern“ zu versehen und
bundesweit an Baumärkte zu verkaufen.

Auf der Website von http://www.rettenmeier.com ist wiederum
eine Stellungsnahme zu den Greenpeace- und ARD-Berichten
zu lesen, wo auch zugegeben wird, daß einiges falsch gekenn-
zeichnet wurde (allerdings wohl nicht in dem Umfang wie von
Greenpeace kritisiert - sagt Rettenmeier).

Würde man also die Baumärkte (oder Tischlereien und andere
Kunden von Rettenmeier) für illegalen Holzabbau in Rußland
verantwortlich machen wollen, so müßte man z.B. auch die
Gaststätte, welche vom Großhandel BSE-bedenkliches Fleisch
erhalten und verarbeitet hat, aburteilen.
So sehr auch ich die Arbeit von Greenpeace schätze - ... werbe-
wirksam ist das Demonstrieren vor Baumärkten sicher - aber
eigentlich genauso fraglich, wie wenn man sich vor einer betroffenen
Gaststätte positionieren würde, um gegen das in Umlauf bringen
von BSE-Fleisch zu protestieren.

Gruß, hs
 
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Dietrich

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Hallo Hs,

komisch, im Fachhandel tauchte diese Ware offensichtlich nicht auf.

Solche Sachen passieren immer dort wo übermäßiger Preisdruck herrscht, und das ist nun mal bei den Baumärkten, Unwissenheit schützt vor Strafe nicht!!!

Die wollen doch Ihre 5fach überteuerten Beschläge und Spax Schrauben absetzen, deshalb werben sie mit billigem Holz.

Gruß Dietrich
 
Alfred

Alfred

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Gauting bei München
Und weil beim Fachhändler halt Fachleute sind, auch beim Einkauf und weil beim Baumarkt halt Leute sitzen wie wir beim Siemens immer juxhalber gesagt haben:Bäcker, Metzger und Frisuer, wir bei Siemens Ingenieur.
Alle Obi München sind eine Franchise Gesellschaft mit soundsovielen Eigentümern, die suchen sich dann einen Geschäftsführer und der wiederum die Marktleiter. Und dieser Marktleiter kauft dann viel billiges Holz weil (shareholdervalue).
Gruß
Alfred
 
H

hs

Guest
Hi,

Dietrich schrieb:
Hallo Hs,

komisch, im Fachhandel tauchte diese Ware offensichtlich nicht auf.

1)
woher nimmst Du diese Info (nur weil Greenpeace sich nicht
vor dem kleinen Holzhandel nebenan postiert hat ?)

2)
ist das irrelevant, wenn z.B. ein Produkt (z.B. Leimholz xy) nur
für den Vertrieb an Baumärkte hergestellt wird.

Solche Sachen passieren immer dort wo übermäßiger Preisdruck herrscht, und das ist nun mal bei den Baumärkten, Unwissenheit schützt vor Strafe nicht!!!

Preisdruck herrscht überall - und am Fleischbeispiel habe ich
ja deutlich gemacht, daß der Endkunde keine Chance hat immer
alles nachzukontrollieren.
'Unwissenheit schützt vor Strafe nicht' ist in diesem Fall auch
totaler Unsinn. Wenn Du eine Tunfischpizza machen möchtest,
dann kaufst Du Tunfisch wo draufsteht 'delfinfreundlich ohne
Treibnetze gefangen' und vertraust darauf, das die Info auf
der Dose aus dem Supermarkt - z.B. vom Hersteller Appel oder
Hawesta - auch stimmt. Wenn rauskommt, daß einer der beiden
Hersteller nicht das tut womit er wirbt, kannst weder Du - noch
der Supermarkt was dafür.

Im Fall des Holzes haben die Baumärkte ihre Produkte von einer
deutschen - wohl auch renommierten, seit 1948 bestehenden,
Firma bezogen (nicht aus dem 'billigen' Ausland) - und diese
hat bestimmte Ware falsch gekennzeichnet.

Die wollen doch Ihre 5fach überteuerten Beschläge und Spax Schrauben absetzen, deshalb werben sie mit billigem Holz.

auch wieder so eine These - ohne handfesten Beweis wäre
ich mit solchen Aussagen vorsichtig.
Das viele Dinge im Baumarkt (z.T. erheblich) teurer als im Fach-
geschäft sind, ist richtig. Aber manche Dinge eben auch nicht -
und das dann irgendwo ein Ausgleich stattfinden muß, ist doch
klar.
Im Fall von Holz würde ich allerdings sagen, daß Baumärkte i.d.R.
sogar teurer sind. Dort lohnt meiner Erfahrung nach nur der Kauf,
wenn man eh' gerade dort ist, z.B. am Sa.-Nachmittag noch
schnell was braucht - oder ein paar wenige passende Span-
platten zugesägt bekommen möchte.

Gruß, hs
 
D

Dietrich

Moderator
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Hallo Hs,

Erlebnisse hatte ich genug, man braucht Samstag mittag noch 2 Schlosschrauben, gibts bei Praktiker, abgepackt ist alles extra, 3 Schrauben, 5 Muttern, und 12 U-Scheiben, an der Kasse das Erwachen für 10 € !

Oder man holt 2 Stück Spanplatte im Zuschnitt, beide 120x120cm, 21mm stark, na was dürften die kosten, unglaubliche 32 €.

Nebenan liegen eingeschweißt, Fichteleimholzplatten, 40x220cm für 16 oder 18 €. Allerdings können die krummen, von Stümpern hergestellten Platten auch dort liegen bleiben, ich hatte einem der Verkäufer angeboten, für einen anständigen Preis würde ich ganze Platten durchbrechen, die einzelnen Leisten der Platte hatten alle auf gleicher Höhe einen Riesenast. Das verkaufen die den Leuten, die daraus auch Tischplatten bauen wollen. Richtig, ich hatte ganz vergessen, denen von den Baumärkten ist der Gewinn aus dem Schrott wichtiger als die Kunden.

Und dann haben einige Baumärkte auch Beschläge, sogar die V6 Vollauszüge von Hettich, allerdings kosteten in einem speziellen Fall 84 DM pro Schienenpaar, im Fachhandel habe ich die damals für 29,90 DM bekommen.
Mit solchen Preisen wird der Selbstbau zum Geldgrab.

Deshalb meine Empfehlung: Holz kauft man im Holzhandel, Beschläge und Werkzeuge/Maschinen im Schreinerbedarf.

Gruß Dietrich
 
H

hs

Guest
Hi,

keine Frage - als ich letztesmal im Marktkauf-Bau HSS-Bohrer
kaufen wollte, bin ich auch erstmal einen Schritt zurückgegangen
um zu schauen, ob die sich evtl. mit dem Auszeichnen vertan
hatten. Für den Preis einer Kassette in der angebotenen Qualität
bekomme ich fast überall so eine Kassette nachhause geschickt -
incl. Versandkosten !
Baumärkte haben halt den Vorteil, auch Sa.-Nachmittag oder
in der Woche nach 18:00 noch offen zu haben. Und wenn es
z.B. an einem Kupferwinkel hapert (den ich dummerweise ver-
gessen habe), dann ist der Preis erstmal zweitrangig - ich brauche
das Teil .... jetzt.
(mir persönlich würde es auch sehr zusagen, wenn das Laden-
schlußgesetz komplett abgeschafft würde .... aber das ist ein ganz
anderes Thema ...)

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... in jedem Fall halte ich es für ungerechtfertigt den Baumärkten
die Schuld am Fehler des Holz-Zulieferers zu geben.
Rettenmeier gibt auch ganz offen an, daß sie Holz zukaufen :
Um eine wirtschaftliche Auslastung der Anlagen zu erreichen, um saisonale Schwankungen bei baumarktabhängigen Produkte auszugleichen und um bestimmte Qualitätsforderungen der Kunden zu erfüllen, kauft Rettenmeier zusätzlich Schnittholz, vorrangig aus Skandinavien, dem Baltikum sowie Russland zu. Die Rettenmeier Einkaufsbedingungen legen fest, dass die zugekaufte Rohware nur aus nachhaltiger Produktion und aus legaler Nutzung stammen darf. Der Bezug von Schnittholz aus geschützten Gebieten ist ausgeschlossen. Auch bei Handelsprodukten bestehen hohe Anforderungen an eine umweltverträgliche Erzeugung. In der Produktkette ist Rettenmeier sowohl nach PEFC als auch für Teile der Produkte nach FSC zertifiziert

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Was hat Rettenmeier falsch gemacht?
Richtig ist die Darstellung, dass Produkte aus russischem Schnittholz mit einem Etikett versehen wurde, das für Ware aus rein deutscher Herkunft vorgesehen ist.
Rettenmeier bedauert, dass dieser Fehler nicht rechtzeitig von uns bemerkt und abgestellt wurde und unsere Kunden mit diesem Fehler in Verbindung gebracht wurden.
Vom Vorwurf der bewussten Irreführung der Verbraucher, der von Greenpeace gegen uns erhoben wurde, distanziert sich Rettenmeier ausdrücklich.


============

natürlich möglich, daß irgendjemand im Produktionsablauf das
schnelle Geld nebenher machen möchte. Ich würde aber auch
nicht immer gleich Vorsatz der verwickelten Unternehmen
unterstellen.

Gruß, hs
 
H

hs

Guest
Hi,

http://pefc.ihb.de/aktuelles/pressemitteilungen_detail.phtml?id_presse=34


Stuttgart, 11.03.2004: In einer heute von Greenpeace veröffentlichten Presseerklärung mit dem Titel „Erneuter Holz-Etikettenschwindel in Baumärkten“ wird von sechs „Marktkauf“-Filialen berichtet, in denen Umweltschützer Fichten-Profilholzbretter aus russischen Urwäldern entdeckt hätten, die mit dem PEFC-Siegel gekennzeichnet worden sind. In einer ersten Reaktion dankte der Geschäftsführer von PEFC Deutschland e.V., Dirk Teegelbekkers, Greenpeace für entsprechende Hinweise. Er versprach, die Vorwürfe sofort und eingehend zu prüfen und gegebenenfalls auch die notwendigen Konsequenzen bei dem verantwortlichen Unternehmen einzuleiten.

Nach Rücksprache mit der Abteilung Holzeinkauf des Marktkauf-Konzerns kann bereits zum jetzigen Zeitpunkt ausgeschlossen werden, dass die derzeitigen Lieferanten Holzprodukte fälschlicherweise mit dem PEFC-Label gekennzeichnet haben. Sämtliche Lieferanten besitzen zwar seit längerem ein PEFC—Zertifikat für die Produktkette, verwenden aber heute das PEFC-Logo zur Kennzeichnung ihrer Produkte noch gar nicht.

Die Kennzeichnung von Holz mit dem PEFC-Logo, das – wie es hier der Fall zu sein scheint – offensichtlich nicht aus PEFC-zertifizierten Wäldern stammt, stellt einen klaren Verstoß gegen die international gültigen PEFC-Regularien dar. Auch wenn ein Unternehmen der Holzwirtschaft keine physische Trennung von Holz aus zertifizierten und nicht-zertifizierten Quellen vornimmt, sondern mit Eingangs- und Ausgangs-Prozentsätzen operiert, sorgt PEFC dafür, dass der „nicht zertifizierte“ Teil nicht aus Schutzgebieten kommt.

„Zur abschließenden Klärung der Vorwürfe fehlen uns bisher noch konkrete Beweise dafür, dass es sich bei den gekennzeichneten Produkten wirklich um russische Ware handelt, die aus geschützten Primärwäldern stammt. Die Markierung der Profilbretter als Produkte eines russischen Sägewerkes gibt alleine darüber noch keine Informationen. PEFC wird umgehend versuchen, auch in Kontakt mit Greenpeace diese Informationslücke zu schließen. Momentan verdichten sich die Anhaltspunkte, dass ein deutsches Sägewerk mittlerer Größe, das im Sommer letzten Jahres in Konkurs gegangen ist, für die fehlerhafte Deklaration verantwortlich ist. In Gesprächen mit der zuständigen Zertifizierungsstelle werden wir diesem Verdacht nachgehen und gegebenenfalls das Zertifikat entziehen.“, sagte Dirk Teegelbekkers.


Gruß, hs
 
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