FLEX Poliermaschine LK 603 VR und Verwandte : Getriebereparatur

Diskutiere FLEX Poliermaschine LK 603 VR und Verwandte : Getriebereparatur im Forum Elektrowerkzeuge im Bereich Werkzeuge & Maschinen - Servus beisammen, nachdem ich besagte VA- Poliermaschine mit Getriebeschaden besitze, jedoch keinerlei Tutorials oder andere Dokumente im Netz...
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Rottis Ranch

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Servus beisammen,

nachdem ich besagte VA- Poliermaschine mit Getriebeschaden besitze, jedoch keinerlei Tutorials oder andere Dokumente im Netz gefunden habe, will ich hier eine Anleitung hinterlassen, in der Hoffnung, Anderen, die das gleiche Problem haben wie ich, damit helfen zu können.

Die Maschine an sich ist qualitativ sehr gut und war alles Andere als billig, daher ist sie auch in ihrem jetzigen Alter noch recht attraktiv. Darüber hinaus bieten einschlägige Internethändler die Teile zu fairem Kurs an.
Man kann wirklich fast Alles daran reparieren!

Symptome : Schleifteller dreht frei, keine Kraftübertragung, kracht, usw.
Eine Prüfung mittels des Arretierkopfes und Drehen ist NICHT möglich, da Dieser nur ins Tellerrad eingreift.

Ursache : Winkelgetriebe , hier: Kegelrad und Tellererrad,
Kegelrad hat Zahnausfall, Tragbild Tellerrad meist recht unschön.
Benötigte Teile (mindestens!) : Reparatursatz orig. Flex
Bestellbezeichnung FLE -499 625 ,
sowie die Fettfüllung für Getriebeglocke

Benötigtes Werkzeug:
Hammer
Satz Torxschraubendreher
2 beliebige Doppelgabelschlüssel , Schlüsselweite egal, (in meinem Fall 17er, halt flach und möglichst identisch)
Schraubstock
Bremsenreiniger oder Kaltreiniger
Heißluftfön oder Gaslötlampe
2 Stecknüsse, nach Gusto

Explosionsbilder und Teilelisten gibts gratis im Netz.
Positionsnummern der Teile 14 und 23

Abwickung :
2 x 4 Schrauben am Getriebe lösen, Getriebeglocke abnehmen.Obacht, ist voll mit Fett!
Getriebekopf mit Tellerrad reinigen, beide Schlüssel zwischen Tellerrad und Fettblech mittig von links und rechts einführen, so dass man sie flach auf die geöffneten Backen des Schraubstockes legen kann. Sie dienen als Ersatz für ein sog. "Trennmesser" oder einen Abzieher, reichen aber völlig. Man kann sie - wenn man mag - mit Kabelbindern oder Draht fixieren, geht aber auch ohne.
Nun das Tellerrad ordentlich heiß machen und von oben mit einem Hammer die Antriebswelle austreiben.
Es gibt keine Sprengringe oder ähnliche fiesen Dinge.
Aufpassen, dass die Welle während des Austreibens nicht unten irgendwo ansteht!

Bei dieser Gelegenheit die Lager prüfen , alles alte Fett raus und mit Druckluft ausblasen.
Ein Gutteil Bruchstücke des Kegelrades hängt irgendwo in der Fettfüllung und muss unbedingt raus!

Montage umgekehrt, jetzt Antriebswelle auf frestem Untergrund aufstellen, am Besten in eine Vertiefung im Arbeitstisch , Antriebswelle reinstecken und von oben her das erhitzte neue Tellerrad einklopfen. Dazu diente eine 15er Nuss.
Anschließenf kann das Bodenblech der Getriebeglocke umgedreht mittels einer 21er Zündkerzennnuss vorsichtig auf das Lager getrieben werden.

Dann die Demontage des Ritzels:

Motoranker komplett aus dem Maschinengehäuse ziehen, das Vorderteil der Getriebeglocke auf die geöffneten Schraubstockbacken auflegen (möglichst flächig) und den Anker mit dem abgerissenen Stumpf des Kegelrades einfach ausklopfen. Hierfür reicht ein Stück Metall, welches oben auf den Stumpf aufgesetzt wird, so dass man den Anker vorsichtig ausklopfen kann. Das geht relativ leicht im Vergleich zum Tellerrad.

Das Kegelrad/Ritzel hat ein normales Gewinde, man kann das Alte am Stumpf in den Schraubstock einspannen und mithilfe des Ankers einfach rausdrehen wie mit einem Handgriff. Es wurde eine Art Schraubensicherungslack verwendet, hier bitte vor der Montage des Neuen ein paar Tröpfchen spendieren UND! --->Lager Prüfen.

Zusammenbau in umgekehrter Reihenfolge,
ACHTUNG!!!!!!
Die Kohlen des Motors im Restgehäuse müssen vor dem Einführen des Ankers ausgebaut werden, um Beschädigungen zu vermeiden.
Sie befinden sich seitlich im Gehäuse und sind unter schwarzen Plastikdeckeln verborgene Einheiten,
die komplett entnommen werden können. Deckel hat eine Torxschraube, die Einheit darunter noch eine.

Als Fettfüllung für das Getriebe habe ich 5g Fließfett verwendet, in der Hoffnung, dass es passt.

Das Getriebe wurde auch in anderen Flex- Geräten wie Winkelschleifern verbaut.
Kostenpunkt für die gesinterten Originalteile 22,90.
Gab aber auch Anbieter, die wollten 55 dafür haben.
Bitte nur Originalteile verwenden, es gibt nur den kompletten Satz aus gutem Grund!

Evtl. hilft man so der einen oder anderen Maschine, zu überleben?
 
Zuletzt bearbeitet:
Oh oh oh. Das tut schon arg weh. Antriebswelle mit dem Hammer ausklopfen............................
Ich sag mal "Jugend forscht" oder Grobschlosser. :ducken:
 
Sei nicht so hart mit dem Ersteller.
Er hat es gut gemeint und toll beschrieben.
Für ihn scheint es ja gut funktioniert zu haben. Nachahmer können sich ja einen Abzieher basteln.
Die Lager hätte ich nicht gereinigt, sondern ausgetauscht, wenn da schon Bruchstücke drin waren.
Trotzdem danke für die Beschreibung.
 
Hallo,

mit dem ersten Betrag so reinzuplatzen finde ich schon sehr beachtenswert. Daumen hoch :top:

@Rottis Ranch : Deine Maschine wird, wenn du sie demnächst im Einsatz hast, komische Geräusche machen. Beim Wechseln der Lager füllst du dann bitte den Thread mit ein paar Bildern. Ein Bild sagt oft mehr als 1000 Worte :wink:

@H. Gürth: Ja, stimmt schon, erinnere mich ganz dunkel an die Anfangszeiten .... an "hätt ich doch besser nicht den Hammer genommen". :wink:

Grüße,
Dieter
 
Na, die Welle hin zum Polierteller ist ziemlich massiv und es erfordert nicht allzu viel Kraft, die Welle aus dem Tellerrad auszutreiben. Mit Vorlage geht das eigentlich recht problemlos (Alublock) .
Gemeint ist wohlbemerkt die kurze Welle hin zur Werkzeugaufnahme, nicht die Motorwelle...
Lager kommen noch neu, jetzt, wo ich sie schonmal offen habe.
Wobei das hauptsächlich betroffene Lager der kurzen Welle voll verkapselt ist, das vordere Ankerlager hermetisch agetrennt vom Getriebekopf.
Fettfüllung wird vom Hersteller mit 50 Gramm angegeben, das erscheint mir dann doch etwas viel?!
@Dieter K : Weshalb komische Geräusche?
 
Zuletzt bearbeitet:
Fettfüllung wird vom Hersteller mit 50 Gramm angegeben, das erscheint mir dann doch etwas viel?!
Na klar doch. Die machen so viel rein, um im Ersatzteilgeschäft richtig Kohle zu machen. :rotfl:
 
Noch ist sie offen :)
Und die Lager sind gleich gewechselt.
Ok, für das Vordere muss die Welle nochmal raus, aber das ist kein Drama..
Ein vernünftiger Dreiarmabzieher stand nicht zur Verfügung, für meinen großen Facom langte der Spalt unterm Tellerrad nicht um die Krallen aufzunehmen. Daher die Notlösung, aber mit entsprechendem Erhitzen des Tellerrades wars kein Drama.
In der Maschine ist beim Zusammenbau kein Milligramm altes Fett mehr. Ich hab bis dato zu wenig Splitter gefunden für meinen Geschmack. Da muss ALLES raus.
 
Ich tippe da eher auf Bedienungsfehler. Hab diese Maschine über viele Jahre als Vertragswerkstatt repariert.
Der übliche Fehler wenn bei laufender Maschine der Sperrknopf für die Spindelarretierung gedrückt wurde.
Die gefrästen Tellerrader hielten das eine Weile aus. Gesinterte Zahnräder waren da schnell mit Zahnausfall versehen.
Dann noch etwas weiter benutzt und das Tellerad hat sich aufgelöst.
 
Ich hatte ja mit dem Hersteller telfoniert , in der Hoffnung, die exakte Fettmenge und eventuelle typische Schwachstellen herauszufinden. Dort war man TOP hilfsbereit, das muss man ganz klar sagen, Hut ab.
Gängige Fehler waren aber lt. Aussage der dortigen Werkstatt keine bekannt.
Fallenlassen der Maschine meinte der Guru dort, das möge sie nicht so gerne.
Was den Verschleiß betrifft:
Die Kohlen sind bei etwa 60%, und es sind die Ersten.
Das gute Stück wurde bei einem Schlosser zum Bürsten/polieren von VA benutzt.
Kollektor schaut auch noch durchaus brauchbar aus, keine Anzeichen von Überhitzung oder sonstiger Mißhandlung.
Tellerrad war übrigens noch voll intakt Tragbild war halt schdeiße, - lediglich das Kegelrad hatte ab Höhe Lauffläche Karies im fortgeschrittenen Zustand.
Witzigerweise bewegte sich die Polierbürste noch mit, wenn auch ohne Kraft, das war wohl der letzte Zacken, der tatsächlich noch drauf saß^^
Sind als Ersatzteile übrigens beide gesintert.
 
So- ich will das Thema abschließen, daher jetzt noch das "Finale":

Die Reparatur hat gut geklappt, Maschine läuft wieder wie ne Eins. Habe die Lager noch getauscht, auch wenn den Eingebauten auch nach eingehender Prüfung nix gefehlt hat. Sind voll gekapselt.
Die Ausgangwelle hatte ich beim Austreiben tatsächlich leicht gestaucht im oberen Bereich, das Lager war aber mit einem normalen kleinen Abzieher nicht runter zu bekommen. (Nein, auch Warmmachen hat nicht geholfen, das ging extremst streng)
Die Mitnehmerscheibe sieht vom Tragbild her ja noch so la la aus, die hätte es wahrscheinlich auch noch getan, aber es gibt die Teile ohnehin nur im Doppelpack.
Ein Drücken des Sperrknopfes während des Betriebes kann ich als Ursache übrigens ausschließen, das hätte Spuren hinterlassen.

Bezüglich der Fettfüllung hab ich das Gehäuse knaüpp halb voll oder etwas mehr als drittelt voll gemacht mit Fett. Das geht frei Schnauze ganz gut. Sie wird jedenfalls nicht heiß oder macht sonstige Zicken.

Alles in Allem eine lohnende Reparatur, die vermutlich 1:1 auf andere FLEX- Grundgeräte übertragbar sein dürfte. Kann mir nicht vorstellen, dass die die Mechanik nicht auch bei diversen Winkelschleifern eingesetzt haben.

Ich hoffe angesichts dieser Story kann sich vielleicht der Eine oder Andere aufraffen, sein in die Jahre gekommenes Schätzchen zu retten.
 
sein in die Jahre gekommenes Schätzchen ...genau so habe ich das bei einer meiner 13!!! original Ackermann und Schmitt auch gemacht. Teilweise über 40 Jahre alt und laufen besser als so manche aus dem Land der aufgehenden Sonne.
Die alten orig.Flex kann man/n ungesehen gebraucht kaufen da ist kein Elektronikgedöhns dran.
Den Zahnausfall bei meiner habe ich selbst verursacht,verkantet bis zum schlagartigen Stillstand.:oops:
:ducken:
 
Thema: FLEX Poliermaschine LK 603 VR und Verwandte : Getriebereparatur
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