Eine freundliche Erinnerung Maschinen nach Schäden/Beinahe-Unfällen akribisch zu prüfen!

Diskutiere Eine freundliche Erinnerung Maschinen nach Schäden/Beinahe-Unfällen akribisch zu prüfen! im Forum Arbeitschutz und Arbeitssicherheit im Bereich Anwendungsforen - Hallo Zusammen, heute mal ein Hinweis in Verbindung mit einem kleinen Erfahrungsbericht. Ich habe im Sommer letzten Jahres mit der Bosch...
ratchetingwrench

ratchetingwrench

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Hallo Zusammen,

heute mal ein Hinweis in Verbindung mit einem kleinen Erfahrungsbericht.

Ich habe im Sommer letzten Jahres mit der Bosch Professional GCM 8 SJL (Kapp-, Gehrungs-, Paneele-Säge) gearbeitet und eine große Dummheit gemacht. Ich habe ein sehr kurzes, massives Stück Holz gesägt das ich weder fest spannen geschweige denn weit genug entfernt hätte festhalten können. Das für sich genommen sollte man schon nicht tun. Ich habe aber ebenfalls, den rückseitigen Anschlag komplett geöffnet gelassen - in diesem Fall der Gipfel der Dummheit. Das Sägeblatt war dann ein Stück ins Material eingetaucht und es gab völlig unvermittelt einen ungeheueren Schlag + Knall und das Sägeblatt stand.

Zum Glück hatte ich meine Hände nicht im Gefahrenbereich und es war auch sonst niemand in unmittelbarer Nähe - wäre da etwas weggeflogen ...

Nach einem kurzen Schockmoment habe ich den Netzstecker gezogen und mir das ganze aus der Nähe angeschaut. Das Holzstück hatte sich vom Sägeblatt in das Sägeblatt-Gehäuse ziehen lassen und dabei den Absaugstutzen zerschlagen. Erste Diagnose. Ich habe dann das Sägeblatt visuell geprüft, von Hand einmal komplett durchgedreht & den Absaugstutzen mit Tape repariert und die Arbeit fortgesetzt/abgeschlossen.

Ersatzteile hatte ich dann bestellt und die Säge erstmal eingelagert da ich sie so schnell nicht wieder benötigen würde.

Gestern Nacht, bin wegen der Sturmwarnung wach geblieben, war der richtige Zeitpunkt den Absaugstutzen zu ersetzen. Das war erstmal unspektakulär. Nachdem ich fertig war, hakte jedoch die Säge beim Absenken bzw. musste einen Widerstand überwinden. Ich hab erstmal nicht verstanden warum, nach ein paar Versuchen sah ich dann Abrieb am neuen Absaugstutzen. Das lenkte meinen Blick von unten in die Säge bzw. in das Sägeblatt-Gehäuse und es offenbarte sich ein Schaden den ich weder erwartet noch bisher wahrgenommen hatte.

Das Holzstück muss mit einer solchen Energie in das Sägeblatt-Gehäuse gezogen worden sein, es hat die beiden Abweiser (sitzen links und rechts neben dem Sägeblatt & sind mit dem Sägeblatt-Gehäuse verschraubt) komplett verbogen. Wer schauen will: https://www.boschtoolservice.com/de/de/boschprof/spareparts/kapp-zugsaege-gcm-8-sjl-3601M19101 Pos. 190 und Pos. 191

Um meine Theorie zu prüfen habe ich die Abweiser ausgebaut und im Schraubstock gerichtet. Siehe da, Säge senkt sich wieder Butterweich und ohne haken/Widerstand. Die beiden Abweiser habe ich jetzt noch nachbestellt und tausche sie aus.

Das Glück: Sie wurden nach aussen verbogen, damit hakten sie am Absaugstutzen. Wären sie nach innen verbogen, hätten sie am Sägeblatt geschliffen oder es im schlimmsten Fall blockiert. Es wäre mir wohl aufgefallen weil ich das Blatt ja überprüft und einmal komplett durch gedreht hatte.

Dadurch das ich den beschädigten Stutzen damals mit Tape geklebt hatte, war der zufällig breit genug geworden, das die verbogenen Abweiser dort nicht gehakt haben - und ich aber so diesen Teil des Schaden gar nicht bemerkt habe.

Aber es ist eine gute Erinnerung daran, das man nach einem Unfall/Schaden wirklich sehr, sehr gründlich die ganze Maschine prüfen sollte.

In diesem Sinne, frohes schaffen!

Gruß,
ratchetingwrench
 
E

Ein_Gast

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Die eigentliche Lehre kommt in deinem Beitrag viel zu kurz:

ratchetingwrench schrieb:
und eine große Dummheit gemacht. Ich habe ein sehr kurzes, massives Stück Holz gesägt das ich weder fest spannen geschweige denn weit genug entfernt hätte festhalten können. Das für sich genommen sollte man schon nicht tun. Ich habe aber ebenfalls, den rückseitigen Anschlag komplett geöffnet gelassen - in diesem Fall der Gipfel der Dummheit.
Falsches Werkzeug und dann noch Fehlbedienung. Man sollte sich vorher über seine Dummheiten Gedanken machen und sie dann sein lassen. Dann diskutiert man hinterher auch keine Beinahe-Unfälle, sondern vorher kurz Fehlervermeidung.

Es ist ja nicht so, als käme dieser Schaden völlig unverhergesehen.

Wer sowas mal sehen möchte:
 
D

Dirk

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Ein_Gast schrieb:
Man sollte sich vorher über seine Dummheiten Gedanken machen
Was ein Unfug. Wenn man das täte und alle Eventualitäten berücksichtigen würde, wäre man ja fehlerfrei. Kannst Du das von Dir behaupten? Ich von mir jedenfalls nicht.
 
E

Ein_Gast

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Es gibt einen großen Unterschied zwischen vorhersehbar und unvorhersehbar. Und wenn ich schon im Vorfeld Sicherheitsvorkehrungen ignorieren muss (Werkstück fixieren), dann kann von unvorhersehbar keine Rede mehr sein.
 
ratchetingwrench

ratchetingwrench

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In diesem Fall hier hat Ein_Gast ja recht. Deswegen auch die Hervorhebungen von mir - ich weiß/wusste das man das nicht macht. Habe es aber trotzdem, wider besseres Wissens, gemacht, weil ich dachte einmal geht das schon. Tut es nicht. Einen 2. Versuch wird es nicht geben.

Daher bin ich darauf auch nicht noch näher eingegangen, mir ging es um den "versteckten" Schaden. Auch weil ich die Dummheit für mich lange abgehakt habe. Insofern ist die Hervorhebung von Ein_Gast sicher nicht fehl am Platz.

Ich sehe das nicht als persönlichen Angriff/ oder nach dem Motto: "Der ohne Fehler werfe den ersten Stein". :bierchen:


Gruß,
ratchetingwrench
 
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Ein_Gast

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ratchetingwrench schrieb:
Ich sehe das nicht als persönlichen Angriff/ oder nach dem Motto: "Der ohne Fehler werfe den ersten Stein". :bierchen:
Als persönlichen Angriff sowieso nicht. Der käme, wenn ich daneben gestanden hätte und mir die Teile um die Ohren geflogen wären - dann hätte dich alles getroffen, was vorher verfehlt hätte :mrgreen:

Nein, ernsthaft: Die Gedanken "ist ja nur kurz", "mal eben schnell", "wird schon nichts passeren", "sonst mache ich es ja immer", "sonst muss ich erst wieder xyz holen" etc. sind die mit Abstand häufigsten Unfallursachen beim Werkzeuggebrauch oder überhaupt an Maschinen. Und man ist da wirklich gut beraten, den inneren Schweinehund nicht siegen zu lassen.

Und es ist ja nicht so, dass ich jedesmal gewonnen hätte. :wink:
 
Mr.Ditschy

Mr.Ditschy

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Ein_Gast schrieb:
Es ist ja nicht so, als käme dieser Schaden völlig unverhergesehen.

Wer sowas mal sehen möchte:
Ist mir genau an so einen Rundstamm trotz festspannen auch schon passiert (Frau wollte ovale Holzscheiben zum Sprüche drauf schreiben/brennen) .... hat seither auch immer gut funktioniert, doch bei diesem male hatte sich die Zwinge irgendwie gelöst und so schnell konnte man gar nicht reagieren. :crazy:
 
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zimmy

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Den Zeitfaktor sollte man nicht unterschätzen, denn die meisten Unfälle mit Maschinen ist nicht nur
Routine auch Hektik und Zeitdruck.
zimmy
 
Mr.Ditschy

Mr.Ditschy

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Wenn jeder alles richtig machen würde, gäbe es keine Unfälle.
 
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zimmy

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Und man bräuchte auch keinen Sicherheitsbeauftragten und dessen Kontrolleuer und Gesetzgeber die Sicherheitshinweise/ Vorschriften verfassen und erlassen und den ganzen "Rattenschwanz" der dranhängt.
zimmy
 
Thema: Eine freundliche Erinnerung Maschinen nach Schäden/Beinahe-Unfällen akribisch zu prüfen!

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