Edelstahl Beize

Diskutiere Edelstahl Beize im Forum Schweißtechnik im Bereich Werkzeuge & Maschinen - Hallo zusammen, wenn sich die Gelegenheit ergibt, schweiße ich WIG im Heimbereich. Dazu gehören auch Werkstücke aus Edelstahl. Das funktioniert...
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blue-v

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Hallo zusammen,

wenn sich die Gelegenheit ergibt, schweiße ich WIG im Heimbereich.
Dazu gehören auch Werkstücke aus Edelstahl.
Das funktioniert sehr gut.
Meist geht es dabei um Funktion und weniger um Ästhetik der Teile.
Wenn es doch mal "hübsch" sein soll, wird halt mechanisch nachbearbeitet.
Meist ist das recht schnell gemacht.
Vor kurzem hatte ich aber ein Projekt, bei dem das nicht so leicht von der Hand ging.
Es war ein Weinregal bestehend aus 4mm Edelstahlstäben, die aus Segmenten zu lauter
6-Ecken zusammen geschweißt wurden, in die man die Weinflaschen legt.
Mechanisch alles bestens.
Aber das optische Aufarbeiten der Schweißstellen war eine echte Herausforderung.
Mit viel Geduld, kleinen Gummi gebundenen Schleif- und Polierscheiben ging es dann.
Aber vom Arbeitsaufwand her war das Schweißen vielleicht 1/4 und die Nacharbeit 3/4 der Arbeit.
Dennoch war ich mit dem Ergebnis nicht zu 100% zufrieden.
Manche kleine Ecken erreicht man einfach nicht.

Nun gibt es ja Beizen, um zumindest die gröbsten Anlaufspuren bei Edelstahl nach dem
Schweißen zu entfernen. Zu sehen ist so ein Beizmittel zum Beispiel in diesem Video:
ab ca. 13:30
Die Videos von Toni sind überhaupt sehenswert, wie ich finde.

Also habe ich für zukünftige, problematische Fälle versucht, so ein "Pickeling Gel" bzw.
"Edelstahlbeize" zu bekommen, musste aber fest stellen, dass dies für einen Privatanwender
in unserem überregulierten Land nahezu unmöglich ist. Lediglich gewerblichen Anwendern ist es
erlaubt, diese Substanzen zu erwerben.
Nur am Rande: Ich weiß sehr wohl, wie man mit starken Säuren, Laugen und anderen aggressiven
Stoffen umgeht. In der Vergangenheit hatte ich gelegentlich damit zu tun. Aber ich habe
kein Papier, was meine Kenntnisse belegt. Also sind sie nichts wert.

Ich habe es dann mit "zugelassenen" Mitteln versucht, wie zum Beispiel dem
"Derustit Beizreiniger 4023".
Das Zeug ist ungefähr so wirksam wie Limonade. Auch nach mehrtägiger(!) Einwirkzeit
ist keinerlei Reaktion der Anlauffarben fest zu stellen.
Also "gefärbtes Wasser" für 25 Euro pro 1,5 Liter - Dankeschön!
Wer sich mit dem Gedanken trägt, das Zeug zu kaufen: Lass es - Cola wirkt besser!

Es gibt im Motorradpflege Bereich das sogenannte "Optiglanz" (gibt es das noch, oder ist das auch
schon verboten?), welches zumindest einen merklichen Effekt erzeugt. Aber weit entfernt von der
Wirkung, die oben im Video zu sehen ist.

Die Alternative "Elektrobeizen" möchte ich vermeiden.
der zusätzliche Aufwand (Stromversorgung, Kohlefaserpinsel etc.) ist für meine seltenen
Anwendungen nicht verhältnismäßig. Vor allem aber gefällt mir nicht, dass bei der Anwendung
unkontrolliert Reaktionsprodukte entstehen, die ich nicht haben will. Das geht über Knallgas, Chlor
bis hin zu allen möglichen denkbaren Verbindungen, die in den kleinen Lichtbögen unter Einfluss der
Säuren entstehen.
Es wundert mich sehr, dass dieses Verfahren für Privatleute "legal" ist! Die Reaktionsprodukte
die bei diesem Verfahren entstehen können sind WIRKLICH gefährlich.
Aber Borax z.B. ist ja auch verboten, während man im Baumarkt einfach Salzsäure kaufen kann.
Das verstehe, wer will.

Kennt jemand von Euch eine Bezugsquelle für kleine Mengen echter Edelstahlbeize für Privatanwender?
Vermutlich nicht.

Aber vielleicht gibt es ja Erfahrungen mit Alternativen, die brauchbare Resultate liefern.
Ich habe es auch nicht eilig: Einwirkzeiten von Stunden sind z.B. überhaupt kein Problem!

Hat jemand einen Tipp für mich?
Ich würde mich sehr freuen!

Danke!

Lothar
 
War falsch…
 
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Du kannst, vorausgesetzt dein Wig Gerät lässt sich weit genug runterdrehen, auch mit ner Säure und Strom reinigen. Du müsstest dir halt irgendein metallisches Teil bauen das als Kontakt dient da kommt dann ein dünner schwamm und zuletzt ein Tuch drumrum.
Polung erstmal wie gewohnt. Strom im Bereich 3-10A je nach Breite. Säure soll Zitronsäure ganz gut funktionieren. Die wird ja auch zum passivieren verwendet. Ich hab sowas mit nem Kohlefaserpinsel gesehn, da brennen sich aber gerne die einzelnen Haare ein. Es mag aber mit nem vorhandnen Fussschalter auch gehen, wenn man den mit Säure getränkten Pinsel erst in Kontakt bringt, reinigt abschaltet und dann erst entfernt.
 
Hallo Uli,
ich habe dazu auch Videos gesehen und das selbst auch schon probiert. Mein WIG geht tatsächlich bis auf 3 A runter.
Jedoch habe ich bessere Erfahrungen mit einem regelbaren Labornetzteil gemacht. Damit ist der ganze Vorgang eher "friedlich".
Also keine Funken oder Spucken beim Herstellen des Kontaktes oder beim Wegziehen des Kohlefaser Pinsels.
Die Beizen für dieses Verfahren sind auch (noch) frei verkäuflich.
Bei längeren Schweißnähten auf geraden Flächen ist dies Verfahren auch sicher gut anwendbar.
Ich hatte jetzt bei einem Projekt aber sehr viele 5 mm Rundstäbe, die zu einem räumlichen Gebilde zusammen geschweißt wurden.
Da macht die Arbeit mit dem Kohlefaserpinsel nicht wirklich Spaß. Es funktioniert auch nicht so gut. Die tief liegenden Ecken erreicht man damit kaum. Warum auch immer. Also man erreicht sie natürlich - nur scheint dort die Wirkung nicht vorhanden zu sein. Vermutlich nimmt der Strom den "kurzen Weg" weiter oben am Pinsel.
Und wie ich oben schon schrieb: Beim Elektrolyse Verfahren entstehen m.E. (korrigiert mich, wenn ich falsch liege) recht unkontrolliert Reaktionsprodukte. Insbesondere bei der Verwendung von Schweißinvertern als Stromquellen.
Bei reinen Beizen sind die Säuren stärker - stimmt. Aber hier weiß ich, woraus die Suppe besteht und in was sie sich umwandelt. Und das ist mir irgendwie lieber, weil ich mich darauf einstellen kann.
 
Ich kenn die Beizen schon auch, wir hatten Antox 71E. Das hat schon gut funktioniert. Hat aber mehrere Nachteile, einmal bleicht es den Stahl, Wenns nur dazu dient, damits nicht rostet, ist das natürlich egal, bei ner Sichtfläche dagegen nicht so toll. Dann enthält das Zeugs Flussäure, die ist hochgradig giftig und kann dich schon killen, wenn du nur ein paar Tropfen auf die Haut bringst. Und dann muss die Beize wieder abgewaschen werden, was macht man danach mit dem Spülwasser, offiziell müsste mans neutralisieren, aber normalerweise wirds halt einfach in den Gulli befördert.
 
Uli, ich glaube es wäre eine gute Idee, den Schluss Deines letztes Postings ein wenig zu bearbeiten.
Ja, ich kenne die Gefahren von aggressiven Chemikalien - insbesondere auch Flusssäure. Hatte in meinem Leben schon damit zu tun.
Neutralisieren ist Pflicht - allein schon weil sich die Chemikalien, wenn sie erstmal am Werkstück kleben, nicht mehr so einfach handhaben lassen. Darum sind in jedem Fall Handschuhe, Gesichtsschutz, vernünftige Kleidung und Neutralisierlauge mit von der Partie. Auch bei kleinen Werkstücken. Habe auch einen entsprechenden Raum mit allem Drum und dran. Frischwasser, Abwasser, Abzug,...
Danke Dir für Deine Tipps!
 
Nö, wieso, so wurde das halt vor 25 Jahren gemacht. Und ich geh davon aus, dass sich da nicht viel dran geändert hat. Mittlerweile stehen zwar sehr viele Sachen zusätzlich aufm Index, aber das ist nur deshalb, weil die wenigen Kiddies, die nicht nur am Computer rumhängen, halt gerne mit entweder angeblich Sprengstoff oder designerdrogen rumexperimentieren. Wobei viele der Dinge, die seit kurzem verboten sind mit Sicherheit nix mit Sprengstoff zu tun haben.
 
Thema: Edelstahl Beize
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