Billige Schweißtechnik = schlecht?

Diskutiere Billige Schweißtechnik = schlecht? im Forum Schweißtechnik im Bereich Werkzeuge & Maschinen - Hallo Zusammen, mal abseits meiner ganzen Probleme mit defekten Platinen und undichter Kühlmittelpumpen, mal ein ganz alltägliches und schon oft...
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realJonasKK

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Hallo Zusammen,
mal abseits meiner ganzen Probleme mit defekten Platinen und undichter Kühlmittelpumpen, mal ein ganz alltägliches und schon oft besprochenes Thema.

Neulich wurde ich mal nach einem Schweißgerät gefragt und ich hatte hier noch ein älteres von Parkside stehen, dass ich ihn schon fast geschenkt hätte. Der "Kunde" sagt mir, er wollte ein Markengerät z.B. eins von Stahlwerk oder Weldinger. Ich habe dann gesagt, dass wir so eins nicht haben. Einen negativen Kommentar dazu habe ich mich gespart.

Das ist schon bestimmt einen Monat her, aber die Konversation wollte mir nicht aus dem Kopf gehen. Eben bin ich dann auf ein Video von einer bekannteren Person auf YT gestoßen, welche immer wieder irgendwelche Weldinger Geräte anpreist. Manchmal frage ich mich, ob jede Woche ein neues rauskommt, da hat doch keiner mehr den Überblick. Beim schauen des Videos, habe ich mich dann selbstkritisch gefragt, was an dem Gerät schlecht sein soll. Die Naht sah wirklich gut aus und der Preis war mehr als gut. Das Gerät verfügt sogar über eine Pulsfunktion und die Möglichkeit mit Plasma zu schneiden. Für den Preis bekomme ich nicht mal ein gebrauchtes Markengerät.

Ein ähnliches Gerät kommt von Stahlwerk, die ja mittlerweile alles im Sortiment haben und dass mit einer Garantie von 7 Jahren werben.

Was mich bei den "Herstellern" immer etwas wütend und betroffen macht ist, dass offen mit einem "German Brand" geworben wird, unter dem Aufdruck: "designed in germany". Die Leute von Stahlwerk haben, wie aus deren Videos zu entnehmen ist, vermutlich nur Ahnung davon wie man einen Brenner hält, aber keine Expertise darüber, wie eine Schweißnaht zu setzten ist und welche Einflüsse wie bedacht werden müssten.

Wie geht es euch bei diesem Thema? Wie kann man jemanden überhaupt noch erklären, er soll sich ein Gerät z.B. von EWM holen, obwohl er für 1/4 des Preises das Gleiche bekommen kann? Ist es überhaupt möglich, jemanden 7 Jahre Garantie zu versprechen? Ich brauche doch gar keinen Service, wenn mein Gerät nach 6,5 Jahren nicht mehr funktioniert und ich ein neues bekomme.

Ich selber habe vor Jahren 1-2 mal mit einem günstigen Gerät geschweißt und war mehr als enttäuscht. Aber mittlerweile hat sich ja einiges getan. Habt ihr mal mit einem modernen Billig-Gerät geschweißt und wenn ja, wie waren eure Erfahrungen?


Viele Grüße
 
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kleinermuk

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Man könnte über dieses Thema Romane schreiben.
Diese Produktblender, die dank der europäischen Rechtslage, sich im geschützen Bereich befinden, nutzen
halt das Geiz-ist-Geil-Denken der meisten Kunden zu Ihrem Vorteil aus. Den Wahrheitsgehalt vom "Proktuktdatenblatt" können die meisten Käufer ja gar nicht überprüfen.
Und da wird halt dem Kunden vorgegaukelt, dass er einen 24 Karat Goldring mit einem lupenreinen Dimanten zu einem suuuper Preis bekommt. In Wahrheit bekommt er einen golfarbigen Ring mit einem Stein aus geschliffen Fensterglas. Es ist doch ganz normal, wenn z.B. der minimale, auf dem Datenblatt angegebene, Schweißstrom von 10A in der Realität 30-40A beträgt.

Das habe ich in einem anderen Forum geschrieben:
Es ist halt wie im Lotto. Die Faszination und der Glaube daran, ein neues Schweißgerät mit hoher Qualität und herausragenden Schweißeigenschaften zu einem gaaaanz günstigen Preis zu bekommen, schaltet rationales Denken zum Teil aus. Und die Händler machen sich diesen Umstand zu nutze.

Und das man sich erfolgreich dagegen wehren kann, zeigt dieses Beispiel:
https://www.blechnet.com/ewm-siegt-gerichtlich-ueber-produktpiraten-a-1041809/
 
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Kega

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Hallo Jonas,
ich selber hatte vor ein paar Jahren nur ein sehr dürftiges Budget für ein Schweißgerät zur Verfügung und bin dank dieses Forums an ein akzeptables Gerät geraten.
Etwas später habe ich dann den Fehler gemacht und mich zu einem Wig Schweißgerät von NTF hinreißen lassen. Vorhabe habe ich noch nie Wig geschweißt. Was soll ich sagen, es hat funktioniert und ich war zufrieden. Warum also war es ein Fehler?

Ca. 2 Monate nach meinem Kauf hatte ich die Möglichkeit mal an einem hochwertigen Kemppi zu schweißen. Das Gerät hatte nicht ansatzweise so viele Einstellmöglichkeiten wie mein NTF, aber es war um Welten besser. Die Art wie es gezündet hat und ich den Lichtbogen steuern konnte, war einfach was ganz anderes.

Deswegen gilt bei mir die Regel, lieber gebe ich das 4 Fache für ein hochwertiges Produkt aus. Oder wie Warren Buffet es sagen würde, lieber ein gutes Gerät zum akzeptablen Preis, als ein akzeptables Gerät zum guten Preis.

Was mich allerdings am meisten stört, ist die von Muk beschrieben Produktblendung. Neulich habe ich mir mal ein Werbevideo von S.Werk angesehen und darin den Synchronsprecher Manfred Lehmann gehört. Viel dreister geht es kaum.
 
A

Allesmassiv

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Klar ist, dass die bekannten Markenhersteller Geräte bauen, die für jemanden der damit sein Geld verdient jeden Cent wert sind. Hier kann man erwarten, dass man zu 100% ein Gerät bekommt, das so funktioniert wie es soll.
Ob man als Hobbyhandwerker mit begrenztem Budget wirklich ein 5000€ Gerät braucht steht aber für mich auf einem anderen Zettel. Auch hier gilt natürlich wer es sich leisten kann und will, warum nicht.
Wie bei so ziemlich allem Billigwerkzeug ist immer ein wenig Glück mit dabei, ob man ein brauchbares Gerät bekommt, oder ob das Gerät massive Konstruktions- und/oder Fertigungsmängel hat.

Aus eigener Erfahrung kann ich zumindest sagen, dass meine beiden China-WIG Geräte die ich habe vollkommen in Ordnung sind.
Wenn ich statt 24 Karat Goldringen welche aus Blech bekommen habe, dann sind sie zumindest schön vergoldet und der Glasstein ein Swarowski. :wink:

Das ältere der beiden, ein ca, 10 Jahre altes "Rotenbach 1956" DC WIG hatte ab Werk den bekannten Fehler, dass statt eingestellter 5A mindestens 25A gekommen sind. Dies ließ sich jedoch an den internen Trimmerpotis problemlos nachstellen, versuchsweise konnte ich sogar auf 3A herunterregeln, dann begann allerdings der Lichtbogen sichtbar zu flackern. Zünden tut das Gerät bei üblichen Elektrodenabständen sofort auf Knopfdruck. Auch wenn die interne Verarbeitung nicht wirklich hübsch anzusehen ist, funktioniert es nach den ganzen Jahren in der unbeheizten, feuchten Werkstatt bis jetzt problemlos.

Noch glücklicher bin ich mit meinem D+L 13750 (AC/DC WIG und Plasma Kombigerät) für 440€, über das ich im Schweißerforum schon mal recht ausführlich berichtet habe.
https://www.schweisserforum.de/foru...eißkraft-tig-210-ac-dc-kaufberatung/&pageNo=2
Hier stimmen bereits ab Werk alle Ströme, jede Funktion macht soweit für mich ersichtlich das was sie machen soll, ich denke Kleinermuk kann das für sein baugleiches Gerät bestätigen. Die HF ist fast schon zu gut, wenn man versehentlich aufs Pedal kommt zündet es auch noch aus gut 2cm Entfernung.
Lediglich die Wellenformen konnte ich mangels geeigneter Messtechnik nicht nachmessen, aber ob das jetzt wirklich Sinus, Rechteck, Dreieck und Trapez ist oder irgend was anderes ist mir aber eigentlich ziemlich egal, solange ich damit gut schweißen kann.
Ein Fußpedal dazu hat mich nochmal 70€ gekostet, somit komme ich für die komplette Anlage auf 510€, dafür bekomme ich bei den großen Markenherstellern gerade mal ein Fußpedal.
Auch nach zwei Jahren und ca. 4 20L Argonflaschen habe ich am Schweißverhalten nichts feststellen können, das mich in irgend einer Weise stört. Bereits bei den ersten Versuchen hatte ich beim Aluschweißen keine größeren Probleme als mit Stahl oder V2A.
Für 3000€ aufwärts hätte ich bis heute gar kein solches Gerät, dafür mache ich einfach nicht genug damit. Auch würde dieses Geld dann schmerzlich beim Budget für die Projekte fehlen, die damit umgesetzt werden sollen.

Weniger zufrieden bin ich mit meinem MAG Gerät "NTF MIG 250". Das bringt weder die Angegebene Leistung von 250A@ 27,5V ganz, noch ist es mit der Maximalleistung die tatsächlich kommt (brauchbar schweißen lässt es sich bei ca. 200A/25,5V, bei mehr Strom bricht die Ausgangsspannung ein) geeignet für den Anschluss an einer Schukosteckdose. Bei dünnem Blech merke ich immer mal wieder, dass der Drahtvorschub kurz stockt, was ebenfalls lästig ist. Für das was ich damit mache, reicht das Gerät allerdings auch aus, und wenn man es an einer 32A Steckdose betreiben und mit einem MB25 Brenner ausgerüstet kann, kann man damit auch 5mm Kehlnähte brauchbar schweißen.
Für das was ich damit machen will funktioniert es, realistisch betrachtet kann ich mich also für die 350€ die ich dafür bezahlt habe auch nicht wirklich beschweren, für mich ist das deutlich besser als alternativ mit Stabelektroden herum zu braten,

Würde ich mit diesen Geräten handeln wollen, würde ich mich auf wenige verschiedene Geräte beschränken und von jedem mehrere Exemplare sehr genau auf Herz und Nieren testen, bevor ich die an einen Kunden weiter gebe.
Nicht unbedingt vertrauenswürdig finde ich es wie es bei Weldinger läuft, wo man gefühlt alle 14 Tage ein anderes Gerät gelb anpinselt, je nach dem was halt in China gerade billig zu bekommen ist.
Schwer vorstellbar dass die für alle Geräte sieben Jahre lang Ersatzteile vorrätig haben oder diese auch nur ernsthaft getestet haben bevor die in den Verkauf gehen.

Die langen Garantiezeiten sind sicherlich hauptsächlich auch deshalb möglich, weil die meisten Geräte nur im sporadischen Einsatz sind und in den 5-7 Jahren Garnatiezeit wahrscheinlich keine 100 Betriebsstunden sammeln. (Das würde bei 7L/min immerhin 21 20L Argonflaschen entsprechen) Kauft mal ein Gewerbetreibender ein Gerät einer weniger langlebigen Serie, der das dauernd nutzt und ich muss es dem wenn es blöd läuft mehrere Ersatzgeräte liefern, dann ist das in der Kalkulation auch mit drin. Dafür kann man damit fettes Marketing machen.
 
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J-A-U

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Allesmassiv schrieb:
Schwer vorstellbar dass die für alle Geräte sieben Jahre lang Ersatzteile vorrätig haben oder diese auch nur ernsthaft getestet haben bevor die in den Verkauf gehen.
In der Branche ist es üblich das man selbst für Neugeräte keine Ersatzteile vorhält. Wenn was kaputt geht wird es durch ein Komplettgerät ersetzt. Ist von der betreffenden Sorte keins mehr da gibt's den "Nachfolger".


mfg JAU
 
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Bastelkönig

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Hi,
also ich habe neben div. EWM Geräten (Picomig 180+355 Puls, Tetrix230 AC/DC) auch chinesische Geräte-
das Schweiß"erlebnis" ist gar nicht sooo anders, allerdings ist der Unterschied in der Ausstattung und Verarbeitung das Entscheidende, die programmierten funktionierenden Kennlinien (Synergie) und die Speziallichtbögen sind doch den teuren Geräten vorbehalten. (Rootforce, Arcforce, etc)
Hätte ich die teuren Geräte nicht- ich würde sie vermissen.
Gruß, BK
 
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realJonasKK

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Ich bin ja wirklich kein Elektronikexperte, aber wie kann es denn sein, dass ein kleines Stahlwerk genau das gleiche kann, wie ein doppelt so schweres EWM?

Muk, hast du eventuell ein Bild von den Geräten, gegen die EWM vorgegangen ist? Würde mich mal interessieren.

Kega, die Einstellung lieber teuer zu kaufen, teile ich. Wobei man es den Heimwerker ja nicht wirklich verübeln kann, wenn er zur billigen Alternative greift.
 
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Bastelkönig

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realJonasKK schrieb:
Ich bin ja wirklich kein Elektronikexperte, aber wie kann es denn sein, dass ein kleines Stahlwerk genau das gleiche kann, wie ein doppelt so schweres EWM?
Das ist der springende Punkt. Sie können nur so in etwa das gleiche, etwas...schweißen. Die Details machen den Unterschied, sowie bei der Hardware (Halbleiterwahl z.B.) oder auch der Software.
 
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Jürgi

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So schlecht können die chinesischen Dinger nicht sein, sonst würden nicht so viele Geräte verkauft werden. Angesichts der hohen Stückzahlen hört man auch relativ wenig schlechtes über die Dinger. Das ist ja auch keine große Wissenschaft mehr, ein handelsübliches Schweißgerät zu bauen. So lange es kein high tech ist, bekommen das die Chinesen (nach-) gebaut. Halbleiter ist auch deren Welt, das können die inzwischen und beliefern die ganze Welt damit. Außerdem lernen sie sehr schnell dort.
Ich habe auch ein günstiges AC DC Gerät und kann nicht klagen.
Klar gibt's Unterschiede, aber die kosten auch richtig Geld.
"You get what you pay.... "
 
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realJonasKK

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Jürgi schrieb:
[..] Halbleiter ist auch deren Welt, das können die inzwischen und beliefern die ganze Welt damit. Außerdem lernen sie sehr schnell dort. [..]

Könnte man meinen, ist aber nicht so. Ch. ist weit hinter der ausländischen Konkurrenz abgeschlagen. Egal wie viel Geld man in Halbleiter steckt, die Entwicklung braucht zwingend Zeit, deswegen werde die in den nächsten Jahren nicht so schnell aufholen können.
Zudem exportiert Ch. fast gar nichts, da der Bedarf viel zu groß ist.

Die besten Halbleiter kommen aus Taiwan und daran wird sich auch nichts ändern, vorausgesetzt es wird nicht annektiert.
 
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kleinermuk

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realJonasKK schrieb:
Muk, hast du eventuell ein Bild von den Geräten, gegen die EWM vorgegangen ist? Würde mich mal interessieren.

Genau weiß ich es auch nicht, aber es dürfte T331 sein.

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H. Gürth

H. Gürth

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Auf der Abbildung ist klar T 230 lesbar.
Wobei das Urteil ja die optische Gestaltung der Geräte bemängelt.
Von den technischen Daten ist keine Rede.
 
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Jan1801

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Ich kenne mich nun nicht mit den CN Geräten aus und habe davon auch noch nichts gehabt.
Aber ernsthafte europäische Geräte habe ich einige.
Prinzipiell ist son Gerät ja nichts anderes wie ein Netzteil mit hoher Leistung. Das ist auch nicht sonderlich kompliziert herzustellen.
Aber wenn man sich mal anguckt was die dort betreiben muss da schon etwas mehr drinstecken.
Fängt mit der PFC an, geht dann auf die Primärseite wo mit möglichst hoher Frequenz der Trafo gespeist wird und dann halt der Wechselrichter bei AC Geräten.
Zündung mal außen vor.
Bei neueren Geräten sitzen da noch einige ASIC, FPGA, DSP und Controller drin. Dann noch das Thema Kühlung.
Ich sammle das Zeug nur als Hobby und habe Spaß daran das zu Reparieren.
Wenn da nicht ein Custom IC drauf ist oder ein Controller durch dann habe ich so gut wie alles hier wieder zum Leben erweckt.
Die Schnittstelle zwischen CN und Industrie sind für mich die Geräte von Gys.
Die packe ich niemals wieder an.
 
Thema: Billige Schweißtechnik = schlecht?

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