Billiges Zweitwerkzeug

Probleme und Erfahrungen mit Billigwerkzeugen von Aldi, Lidl und Co findet ihr hier

Moderator: Alfred

Thariel
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Billiges Zweitwerkzeug

Beitrag von Thariel » Samstag 12. September 2020, 23:33

Ich habe jetzt mal einige Threads durchgelesen und stoße immer wieder darauf, dass sich billiges Zweitwerkzeug gekauft wird, um das Gute zu schonen.
Kauft man sich nicht gerade dafür Premiumprodukte, weil die auch länger durchhalten usw.? :bahnhof:

Oh ich muss viel sägen, da nehm ich nicht mehr die TSC sondern was von Scheppach ist doch absurd.

Für mich ist der einzige Grund auf billiges Zweitwerkzeug zurückzugreifen ein völlig absurder maschinenzerstörender Anwendungsfall. Mir fiele da ein mit der Oberfräse und nem 8er Bohrer eine Nut in Beton ziehen (das soll bloß verdeutlichen).

Ansonsten ist doch gerade das Profiwerkzeug dafür gedacht gut und lange gut zu sein, auch unter harter Belastung. Ich bin nich nie auf die Idee gekommen, mein Werkzeug zu schonen, denn für dauerhafte Performance habe ich es gekauft und auch teurer bezahlt.

Unter der Schonprämisse kann ich alles in die Vitrine stellen und nur CMI, Ferm etc. nutzen.

Ich würde diesbezüglich gerne ein paar Meinungen hören.

Brandmeister
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Re: Billiges Zweitwerkzeug

Beitrag von Brandmeister » Sonntag 13. September 2020, 00:07

Thariel hat geschrieben:
Samstag 12. September 2020, 23:33
...
Kauft man sich nicht gerade dafür Premiumprodukte, weil die auch länger durchhalten usw.?
...
Richtig...völlig richtig...
Thariel hat geschrieben:
Samstag 12. September 2020, 23:33
...
Für mich ist der einzige Grund auf billiges Zweitwerkzeug zurückzugreifen ein völlig absurder maschinenzerstörender Anwendungsfall.
...
Das ist aus meiner Sicht der eine Grund. Die beiden anderen sind der ein oder andere Maschinenschänder, der sich mal die ein oder andere Maschine ausleihen will. Habe ich aber mittlerweile aus meinem Dunstkreis verbannt. Desweiteren habe ich noch den berufsbedingten Grund. Manches kriegt einfach zu schnell Füße.
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Dev
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Re: Billiges Zweitwerkzeug

Beitrag von Dev » Sonntag 13. September 2020, 00:13

Ich kaufe grundsätzlich gutes Werkzeug und nutze es auch. Trotzdem gibt es Fälle, wo ein günstiges Zweitwerkzeug zum Einsatz kommt.

Auch wenn Steimmeisen von Kirschen und MHG vorhanden sind: Ich musste einen Holzbalken einer Trockenbauwand mit einer Aussparung versehen, weil kein Platz für die Scharniere einer Türzarge vorhanden waren. Man konnte es nicht richtig erkennen, aber die Chance war recht hoch, dass dort eine Trockenbauschraube in dem Bereich war. Da hilft es Dir nicht, wenn das Stemmeisen von Kirschen ist. Das ist bei einem Nagel- oder Schraubentreffer auch hin.
Also einen alten und billigen Beitel aus der Schublade geholt, noch mal kurz für eine Sekunde an die Schleifscheibe gehalten und ab ins Holz.
Und natürlich eine Schraube getroffen. Schneide hin. Egal.

Wäre es ein teures Markenwerkzeug gewesen, hätte es mich geärgert. So durfte das Stemmeisen ein zweites Mal die Schleifscheibe besuchen, ist zwei mm kürzer und liegt wieder in der Schublade. :wink:

Für solche Anwendungsfälle, die auch Markenwerkzeug nicht unbeschadet übersteht, ist günstiger Kram sinnvoll. Dafür liegt ein buntes Sammelsorium in ein oder zwei Schubladen. Da liegt z.B. auch ein alter 13er Maulschlüssel drin, der in der Mitte einen 15° Knick hat. Ich kam halt anders nicht an die Mutter zum Gegenhalten. Meine guten Schlüssel hätte ich dafür nicht verbiegen wollen.

Das ist aber ganz überwiegend kein extra gekauftes Zweitwerkzeug, sondern alter gesammelter Kram, der für solche Zwecke aufbewahrt wird.

Einen Satz Steckschlüssel von Gedore in die Schublade legen und dann immer mit dem Satz von Top Craft schrauben, ist Quatsch. Gerade wenn die Schraube schwer zu öffnen ist, braucht man ja gutes Werkzeug.

Ein_Gast
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Re: Billiges Zweitwerkzeug

Beitrag von Ein_Gast » Sonntag 13. September 2020, 03:44

Ich gestehe, ich habe neben meinen Famag Holzbohrern für knapp 160 € die Box noch einen Satz günstige aus dem Baumarkt. Hier geht es mir tatsächlich darum, die guten zu schonen. Oftmals ist es schlichtweg nicht notwendig, perfekte Bohrlöcher zu haben und bohren kann man mit den anderen auch. Ein Bekannter aus dem Metallbereich hält es ähnlich. Da gibt es den Satz gefräster Kobalt-Bohrer in 1/10 Abstufung und daneben den "Standardsatz" Rollgewalzter für Aufgaben ohne besondere Anforderungen. Es ist zwar Verbrauchsmaterial, aber daran kann man ja auch sparen.

Ansonsten halte ich es auch wie Dev. Der Haufen Schrott-Bits (hauptsächlich aus Beipack-Zeugs und Werbegeschenken) wird nicht entsorgt. Aber falls es mal benötigt wird, wird so ein Teil als "Brechstange" zweckentfremdet oder auch abgesägt falls mal was kurzes gebraucht wird.

Irgendwelche Elektrowerkzeuge in Billigausführung um die besseren zu schonen habe ich nicht.

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michaelhild
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Re: Billiges Zweitwerkzeug

Beitrag von michaelhild » Sonntag 13. September 2020, 08:44

Ich denke, im Bereich Werkzeuge die Verschleißen oder besondere extreme "Ein-Mal-Anwendungen" spricht nichts dagegen, sich dafür billiges Werkzeug anzuschaffen.
Dazu zähle ich, wie auch schon erwähnt wurde, Stemmeisen, da muss man immer mal irgendwo drin rum wühlen, was denen nicht gut bekommt, Bohrer genauso, kann Metall im Spiel sein, oder im Garten oder bei Spanplatte, ... nehme ich sicherlich nicht die guten Famag. Genauso wenn die Gefahr von Bruch durch die Bohrsituation besteht, bleiben die Cobaltbohrer im Kasten und es tut es ein rollgewalzter.

Genauso wenn recht sicher ist, das Werkzeug, erleidet durch den seltenen Anwendungsfall auf jeden Fall irgendwelche Schäden oder muss modifiziert werden.
Ich brauchte mal einen kurzen aber stark gekröpften Ringschlüssel mit Öffnung und auch mal einen extrem schmalen 30er Maul. Da nehme ich bestimmt nicht einen meiner Guten und arbeite den um.

Bei sowas nehme ich dann schon was preiswerteres, wobei da aber auch auf die Qualität geachtet wird. Es bringt nichts, wenn es sofort kaputt geht oder der Bohrer mehr reißt als bohrt.

Elektrowerkzeug, da tut es mir schon in der Seele weh, wenn das bös vermackt wird, aber da kauf ich dann nichts billiges um das zu schönen, sondern gehe besonders achtsam damit um, auch wenn das schon mal ein Kopfschütteln anderer hervorruft.
Grüße Micha

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Dirk
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Re: Billiges Zweitwerkzeug

Beitrag von Dirk » Sonntag 13. September 2020, 10:14

Ich hätte alle genannten Gründe genau so auch schreiben können. Hinzu kommen Sachen, die ungewöhnlich sind, ich würde z.B. den "guten" Mirka, mit dem sonst nur Holz feingeschliffen wird, welches im Anschluß noch lackiert werden soll, nicht über die Trockenbauwand vom Bad-Umbau gehen.
Wenn man ein Präzisionswerkzeug extra angeschafft hat, um bei bestimmten Aufgaben, die man vielleicht öfter macht, sehr gute Ergebnisse zu bekommen, dann überlegt man sich halt, ob eine kurzfristige Anwendung es wert ist, die Präzisionsnutzung zu gefährden. Da ist es dann halt günstiger, ein Billo-Zweitwerkzeug anzuschaffen, als die vorhandene teure Maschine mit allen möglichen Folgen (Defekt, Reparatur, Wartezeit usw.) zu riskieren.
Meinen hochpräzisen Spectra-Precision 360°-Laser, den ich für Innenraum-Aufgaben verwende, die ich jeden Tag sehe und wo Ungenauigkeiten mich immer stören würden, nehme ich auch nicht für den Garten-Umbau - dafür habe ich ein (vergleichbar präzises) Modell, welches erheblich günstiger war, wo es dementsprechend aber auch nicht so schmerzt, wenn das Stativ mitsamt Laser umfällt.

Das halte ich mit vielen Dingen so, das lehrt einen die Erfahrung. Mit meiner 250,-€ Lieblings-Sonnenbrille würde ich auch nicht drei Tage auf Wacken zelten, da muss dann das Discounter-Modell reichen. Mal abgesehen davon, dass auf Wacken eh' kein Sonnenbrillenwetter ist... 8)
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Re: Billiges Zweitwerkzeug

Beitrag von Brandmeister » Sonntag 13. September 2020, 11:55

Dirk hat geschrieben:
Sonntag 13. September 2020, 10:14
...
Mit meiner 250,-€ Lieblings-Sonnenbrille würde ich auch nicht drei Tage auf Wacken zelten, da muss dann das Discounter-Modell reichen. Mal abgesehen davon, dass auf Wacken eh' kein Sonnenbrillenwetter ist...
Mal außen vor gelassen, dass die Sonnenbrille auf Wacken nicht zwangsläufig was mit dem Wetter zu tun haben muss... :bierchen:

Ich habe vom letzten Mal Billigstpaneele (bestanden gefühlt aus allem, nur nicht Holz) verlegen auch noch einen Bestand billigster Stichsägeblätter eingelagert. Für die paar geraden Schnitte lohnt es echt nicht, hochwertige Blätter zu versauen. Wahrscheinlich lohnt das nicht mal bei hochwertigen Deckenpaneelen.
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Re: Billiges Zweitwerkzeug

Beitrag von MrDitschy » Sonntag 13. September 2020, 14:01

Das hat m.E. weniger mit billig oder teuer zu tun, sondern für jede Arbeit gibt es eben auch ein entsprechendes Werkzeug, also es kommt schon auf die Gegebenheiten und Anspruch an.
Also würde bsp. auch die gute Lackpistole nicht für Unterbodenschutz her nehmen, oder den guten Schleifer für Feinschliff mit top Teller fürs grobe verwenden, oder den besten Pinsel zum Leim auftragen nehmen, oder den Auto-Kofferraum zum Bauschutt wegfahren verwenden, usw. .... da müssen andere Alternativen her und somit ergibt es halt auch mal Doppeltwerkzeuge, aber eben mit unterschiedlicher Qualität.
Habe bsp. vier "Werkstätten", das Werkzeug ständig hin und her tragen ist nicht, aber alle ähnlich Ausstatten auch nicht, da tummeln sich somit Schraubendreher, Zangen, Hämmer usw. halt das was man immer mal so braucht, von Uralt bis mittel und top, eben je nach Bedarf verteilt. Und dennoch gibt es auch Maschine die hat man nur einmal, eben auch je nach Bedarf.

Doch bekomme das manchmal auch von Kumpels mit, der eine hatte zum einige Bretter grobabschleifen sich tatsächlich ein billiges Akkusystem mit Schleifer geholt - äußerte dann auch nur, "kann ich danach in die Tonne klopfen und schone dadurch meine gute Akku-Maschine.
Oder ein Anderer beim Steine flexen, auch ein/zwei Billigmaschinen geholt.
Komisch ist dann nur, wenn es ans ausleihen geht, erwarten genau diejenigen dann aber eine gute Maschine - und genau für so etwas würde dann bsp auch das "billige" herhalten müssen! :lol:
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Re: Billiges Zweitwerkzeug

Beitrag von H. Gürth » Sonntag 13. September 2020, 14:16

oder den Auto-Kofferraum zum Bauschutt wegfahren verwenden,
Also mit anderen Worten, für solche Anwendungen ein Zweitfahrzeug halten.
OK, wenn der Platz reicht, oder finanzielle Mittel keine Rolle spielen........................... :crazy:
Nichts wissen macht nichts.
..........und mich gar nicht erst fragen !

Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar und verständlich formuliert wurde.

Brandmeister
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Re: Billiges Zweitwerkzeug

Beitrag von Brandmeister » Sonntag 13. September 2020, 14:22

Da kenne ich durchaus den ein oder anderen, der für die Bauphase eine halbtote Schrottgurke für Baumaterialtransporte und Bauschuttverklappung angeschafft hat. Das Spektrum war da breit gefächert und das Szenario endete mit der Verschrottung bei Projektende.
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