30-Euro-Kompressor wieder flott machen - Elektra Beckum LPV 500/11/40D

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AndreB
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30-Euro-Kompressor wieder flott machen - Elektra Beckum LPV 500/11/40D

Beitrag von AndreB » 12. Feb 2019, 00:20

Hi zusammen,

inspiriert von diesem tollen Thread... ne Quatsch. :)

Mir ist leider mein alter GKW-Kompressor (150l-Kessel) durchgerostet. Bin jetzt nicht unbedingt der Angsthase, aber schweißen des alten Druckluftbehälters... hmmm... lieber nicht. :) Also den Entschluss gefasst das VEB-Kombinat auszuschlachten und bei Kleinanzeigen die Fühler ausgestreckt, um an einen defekten Kompressor mit intaktem Kessel zu kommen.
Hat gar nicht lange gedauert bis mir für 30,- ein defekt angebotener Elektra Beckum LPV 500/11/40D vor die Flinte lief. Dachte für die Kohle ist nicht viel hin, also mit dem Verkäufer zusammengerufen und das Ding vor Ort kurzerhand in den Kofferraum gestellt. Nachfrage zum Defekt wurden mit: "Keine Ahnung, steht noch vom Opa." beantwortet.
bild1.JPG
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Der Kompressor war bei Abholung ziemlich siffig und ölig (eigentlich wie immer :)), aber die Basis (3kW-Motor, Condor-Schalter u. eig. schönes Aggregat mit 500l-Ansaugleistung) war auf den ersten Blick gar nicht so schlecht.
bild3.JPG
Plan zur eig. geplanten Fusion der GKW-Teile mit der Elektra-Beckum-Basis wurde nach kurzem Austausch mit dem Forenkollegen PS - wie immer :thx: - verworfen, wobei das alte DDR-Aggregat mit 8m³/h nicht gerade der Leistungskiller ist.
bild3.JPG
Hatte jetzt ne ganze Weile kein Projekt im WZN-Forum am Start, also soll hier in diesem Thread nun im Folgenden das Aufarbeiten des LPV 500/11/40D dokumentiert werden.
Zunächst wurde der Elektra-Beckum-Kompressor grob gereinigt, das marode Kabel zwischen Motor und Druckschalter ausgetauscht, das Verdichter-Aggregat mit der Hand durchgedreht, um zu checken, ob ein Kolben gefressen hat und dann folgte der erste Probelauf mit ernüchterndem Ergebnis.
bild4.JPG
Gute Nachricht, der Motor lief. Die Schlechte Nachricht, der Druckaufbau im Kessel war... sagen wir mal moderat. :)

www.youtube.com/watch?v=0FXw5-kB3p8

Dafür war der Druckaufbau im Kurbelwellengehäuse recht beachtlich, wobei das Aggregat im Betrieb sauber durch die Entlüftung pfiff, was ich hier mal versucht hab mit nem rumliegenden Papier auf Video zu bannen.

www.youtube.com/watch?v=d7BwulZ24Nk

Gut soweit mal der Thread-Start.
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Re: 30-Euro-Kompressor wieder flott machen - Elektra Beckum LPV 500/11/40D

Beitrag von AndreB » 12. Feb 2019, 00:44

Gut, weiter gings mit der Ursachensuche.

Als erstes das Rückschlagventil am Kessel gecheckt und das sah auch nicht sonderlich gut aus, das war es aber nicht (hab leider kein Bild mehr, da ich zwischenzeitlich Probleme mit dem PC hatte).

Verdichter-Aggregat aufgeschraubt und nen Blick in die beiden Zylinder geworfen.
bild1.JPG
Während der rechte Zylinder (inkl. Ventilplatte) noch relativ okay aussah...
bild2.JPG
bild3.JPG
... war es um den linken Zylinder nicht ganz so gut bestellt, wobei mir schon beim Abnehmen des Zylinderkopfes die ersten Teile eines Ventils (Plättchen u. Mutter zur Fixierung der Zungen) entgegenpurzelten.
bild4.JPG
bild6.JPG
Unter der Ventilplatte fand sich dann der pulverisierte Rest der verbleibenden Plättchen des Ventils. Der Splint, der die Mutter gegen ein Verdrehen/Lockern sichern sollte, fand sich selbst beim Abnehmen der Ventilplatte und beim Blick auf den stark verdreckten Kolben nicht. :)
bild5.JPG
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Re: 30-Euro-Kompressor wieder flott machen - Elektra Beckum LPV 500/11/40D

Beitrag von AndreB » 12. Feb 2019, 01:02

Letzer Post für heute.

Auch auffällig war, dass der defekte Zylinder im Gegensatz um noch funktionierenden nicht ganz ausfuhr und ca. 1,5 cm vor Ende stoppte bzw. wieder nach unten fuhr. Eine Etage tiefer sah es im defekten Zylinder noch beschissener aus. :)
bild1.JPG
Pleuel orentlichlich eingelaufen, was bereits einen Großteil der "verschwundenen" 1,5 cm Hub ausmachte. Selbiges galt für den Kolbenbolzen, allerdings war hier der Verschleiß nicht ganz so krass.
bild2.JPG
Kolben? Naja, eher die Reste von benanntem Bauteil. Hätte man evtl. noch plan fräsen können, dann wäre definitiv auch eine manuelle Schmierung des Pleuls von außen möglich gewesen, um so künftigem Verschleiß vorzubeugen. :)
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bild4.JPG
Pleuel hat auf jeden Fall schon mal durchgespitzt.
bild5.JPG
Gut... Soweit für heute. Mehr folgt die Tage.

LG!

Andre

P.S.: Hab gesehen, dass ich im ersten Beitrag das falsche Bild (bereits mit demontierten Zylinderköpfen) eingefügt hab. Kann leider nicht mehr editieren, man möge es mir verzeihen. :)
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powersupply
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Re: 30-Euro-Kompressor wieder flott machen - Elektra Beckum LPV 500/11/40D

Beitrag von powersupply » 12. Feb 2019, 01:09

Au Weia!
Das sieht ja, zumindest hinsichtlich des Aggregates, eher nach "ordentlich reinigen und sauber wegschmeißen" aus. :?
Wenn dann hoffentlich der Kessel nicht auch schon am Durchrosten ist. :glaskugel:

PS

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Re: 30-Euro-Kompressor wieder flott machen - Elektra Beckum LPV 500/11/40D

Beitrag von AndreB » 12. Feb 2019, 01:28

powersupply hat geschrieben:
12. Feb 2019, 01:09
Wenn dann hoffentlich der Kessel nicht auch schon am Durchrosten ist. :glaskugel:
Keine Sorge, wird alles gut. :) Kessel selbst ist noch spitze und die am Kessel befindliche Elektra-Beckum-Reklame bzgl. der "Nie-wieder-Rost-Innengrundierung", verspricht nicht zu viel. Hab von allen möglichen Winkeln/Löchern auch reingeguckt und der Kessel schaut von innen wie neu aus. War bestimmt noch Grundierung, die in der Jetztzeit saugiftig wäre und gegen mind. 5 EU-Vorschriften verstößt. :top:

Mehr dann morgen. Dank dir noch mal für die Hilfe.

LG!

Andre
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Re: 30-Euro-Kompressor wieder flott machen - Elektra Beckum LPV 500/11/40D

Beitrag von rincewind » 13. Feb 2019, 07:17

AndreB hat geschrieben:
12. Feb 2019, 01:02
Pleuel orentlichlich eingelaufen, was bereits einen Großteil der "verschwundenen" 1,5 cm Hub ausmachte. Selbiges galt für den Kolbenbolzen, allerdings war hier der Verschleiß nicht ganz so krass.
Das sieht ja schon heftig aus.
Hört man das nicht wenn der Kompressor läuft?
Ich musste bei dem Foto direkt an den berühmten Sack Nüsse denken...


Gruß

Jürgi
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Re: 30-Euro-Kompressor wieder flott machen - Elektra Beckum LPV 500/11/40D

Beitrag von Jürgi » 13. Feb 2019, 09:39

Pleuel absägen, Kolben raus und auf einem Zylinder weiter fahren. :crazy:

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Re: 30-Euro-Kompressor wieder flott machen - Elektra Beckum LPV 500/11/40D

Beitrag von AndreB » 14. Feb 2019, 01:29

Hi Jungs,
rincewind hat geschrieben:
13. Feb 2019, 07:17
Hört man das nicht wenn der Kompressor läuft? Ich musste bei dem Foto direkt an den berühmten Sack Nüsse denken...
Komischerweise hörte man das im Betrieb nicht, was mich auch absolut gewundert hat. Auch verwunderlich, dass die Zylinderwand des defekten Zylinders sowie die Kolbenringe noch recht gut aussahen, obwohl es den Kolben selbst (da durch die augeschlagene/eingelaufene Pleuelaufnahme auch der Hubweg zu lang war und somit der Kolben unten an einem Gußsteg des Kurbelwellengehäuses sein Ende fand) schwer erwischt hat.

Jedenfalls hatte ich mal kurz drüber nachgedacht nach Ersatzteilen für den Verdichter (evtl. einen weiteren defekten EB-Kompressor mit zwei oder drei Zylindern kaufen, usw.) zu suchen, hab mich aber dann dazu entschieden, dass das Orginalaggregat max. zum Ersatzteilträger degradiert wird. Entscheidung den Elektra-Beckum-Kompressor wieder aufzubauen stand aber nach wie vor. :saegen:
Ergo musste ein neues Aggregat für den LPV 500/11/40D her, weshalb ich mich in letzter Zeit mal intensiver mit Herstellern von Verdichtern und den jeweiligen Aggregaten in der passenden 3kW-Klasse auseinandergesetzt hab.
Die Wahl fiel dann nach langem Hin-und-Her zwischen Fiac, Fini und der Recherche der Herkunft der Aerotec-Aggregate auf ein Aerotec B 3800 B, das es hier vollständig mit Nachkühlerflansch zu einem sehr attraktiven Preis gab. Die Firma Aerotec verriet mir dabei freundlicherweise, dass die Verdichter aus italienischer Produktion stammen und von der Firma NuAir hergestellt werden.
Das Teil mit 476l Ansaugleistung war auch ruckzuck da und gefiel mir sehr gut. :top:
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Firmenprofil schaut auch ganz gut aus und ich bin mit meiner Wahl ganz zufriefen.

www.youtube.com/watch?v=YnNdfH5gm9s

Gut... Wenn schon Neuaufbau, dann richtig, also mussten das Rückschlagventil (das machte keinen so bombenmäßigen Eindruck mehr), das Überdruckventil und das Manometer (Nadel der Uhr starte permanet ab ca. 1bar und ging nicht mehr ganz zurück auf 0) weichen bzw. wurden durch Neuteile ersetzt.
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Was auch ersetzt wurde, waren die Gummifüße des Kompressors, die ihre besten Zeiten bereits hinter sich hatten.
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Dann gings ans Einrichten des Aggregates und der Führungen für die Riemenabdeckung, was durch die größere Riemenscheibe (35 anstatt 32 cm Durchmesser) mehr Zeit in Anspruch nahm, als ich das gedacht hätte.
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Und schließlich konnte das Aggregat mit dem Kompressor verschraubt und der Riemen wieder gespannt werden.
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Kleine Modifikation der Riemenabdeckung und dann stand das Konzept wieder grob.
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Re: 30-Euro-Kompressor wieder flott machen - Elektra Beckum LPV 500/11/40D

Beitrag von AndreB » 14. Feb 2019, 01:40

Neuteile mit Teflonband eingehanft.
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Ne Kabeldurchführung angepasst und die fehlende Durchführung am Trägerblech des Verdichterteils ersetzt.
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Und dann konnte schon wieder zusammengeschraubt werden, was ich bis dahin hatte.
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Kompressoröl wurde auch gleich eingefüllt.
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Und dann hieß es bis zum Werktag warten, sodass Durckrohr und Co. aufgetrieben werden konnten.
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Re: 30-Euro-Kompressor wieder flott machen - Elektra Beckum LPV 500/11/40D

Beitrag von rincewind » 14. Feb 2019, 09:34

Hi Andre.

Sieht (wie immer nach deiner Überarbeitung) wie neu aus. :top:

Da mein Kompressor demnächst endlich in das neue Maschinenhaus (aka Gartenhütte) umzieht muß ich da auch noch ein bisschen neu verrohren. Ich bin für solche Fälle von Teflonband auf Loctite 55 umgestiegen. Eine kleine Undichtigkeit muß ich noch lokalisieren. Die Verschraubungen sollten dicht sein (Seife/Lecksuchspray), ich vermute das Rückschlagventil ist nicht mehr dicht. Der Gummi ist schon ziemlich hart.


Gruß

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