Bosch DIY Nanoblade AdvancedCut 50

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Brandmeister
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Bosch DIY Nanoblade AdvancedCut 50

Beitrag von Brandmeister » 23. Dez 2017, 16:03

– Bosch DIY Nanoblade AdvancedCut 50
– Wann angeschafft? Mitte Dezember 2017
– Wo gekauft? Bauhaus
– Neu/gebraucht? neu
– bezahlter Preis 128,50 Euro
– Listenpreis des Herstellers für Neugerät 178,49 Euro (Bosch Onlinekauf inkl. MWSt)

Ausstattung
Zubehör:
Geliefert wird im Koffer mit Säge, Betriebsanleitung, einem Splitterschutz, Tiefenanschlägen für 35 und 21 mm, einem Führungsschienenadapter, einer Abdeckhaube für Absaugung, einem Sägeblatt (oder muss es Schwert heißen?!) Nanoblade Wood Basic 50 und einer Schutzhülle für das Sägeblatt. Dazu kommen noch zwei Din A 5 Hochglanzpappen mit Verbraucherinformationen bezüglich verfügbarer Sägeblätter und der Dreijahresgarantie bei Registrierung.
Nano.png
Der Koffer ist gefühlt etwas wabbelig aber sonst qualitativ o.k. Alles hat seinen Platz, selbst für die „sichere Unterbringung“ der Betriebsanleitung ist gesorgt. Leider gibt es außer für vielleicht ein oder zwei zusätzliche Sägeblätter und einen Bleistift keinen Stauraum. Wird das Kabel gegen ein längeres Kabel ausgetauscht, wird es knapp. Einen Zweimeterzollstock kriegt man auch nicht untergebracht. Meiner Meinung nach ein Manko.

Das Netzkabel ist 2,50 m lang mit Eurostecker und entspricht damit dem Standard in der Heimwerkerklasse. Scheint sogar ein Gummikabel zu sein. Trotzdem reichlich kurz und wird bei Gelegenheit durch ein 4 m langes H 05 mit Konturenstecker ersetzt werden (falls es in den Koffer passt).

Es gibt noch ein weiteres 50 mm Sägeblatt, das als WoodSpeed bezeichnet wird.
Was ich vermisse ist ein Parallelanschlag, zur Verwendung statt der Führungsschiene. Sieht nicht so aus, als würde Bosch einen solchen anbieten.

Die Säge verfügt nicht über LED-Beleuchtung oder Laserschnittführung. Ersteres ist in meinen Augen nicht unbedingt notwendig, da die Säge ohnehin nicht dazu gedacht ist, in engen dunklen Ecken zu arbeiten. Und für eine geeignete Ausleuchtung des Arbeitsplatzes zu sorgen liegt eigentlich im Interesse jedes Werkzeugführers.
Mit Zweiterem habe ich zwar auch schon zu tun gehabt, würde jetzt aber nicht behaupten, dass ich sie vermissen würde.

Bedienungsanleitung:
Vierzehnsprachige Bedienungsanleitung mit allen relevanten Montage-, Inbetriebnahme-, Sicherheits- und Entsorgungshinweisen, so wie den Serviceadressen und Konformitätserklärungen. Die Basisfunktionen sind auch als „Comic“ vorhanden.

Fazit:
Insgesamt ein weitgehend durchdachtes aber etwas überangepasstes Konzept für Unterbringung und Transport; Zubehör wird beinahe vollumfänglich mitgeliefert. Kurzes Netzkabel.

-1,0 Punkte für den nicht vorhandenen Parallelanschlag
-0,5 Punkte für den etwas zu sehr auf den Lieferumfang zugeschnittenen Koffer.
-0,5 Punkte für das Kabel

Testergebnis: 5,0 Punkte

Handhabung
Führungsschienenadapter: Mangels Führungsschiene nicht getestet.

Sägeblattwechsel:
Werkzeuglos, schnell, und durch den Formschluss kann das Blatt nur „richtig herum“ eingesetzt werden. Also idiotensicher, insofern man die Säge vor dem Blattwechsel vom Netz trennt. Ein zusätzlicher Bonus ist, dass sich die Aufnahme in geöffnetem Zustand sehr gut aussaugen lässt.
Aufnahme.jpg
Gehrungswinkelanschlag:
Leichtgängig, gut ablesbar, stufenlos verstellbar, Skalierung in 5°-Schritten. Leider ragt die Feststellscharube recht weit heraus, so dass sie beim Sägen am Richtscheit eigentlich immer im Weg ist. Man kann sie in 0° Stellung ganz herausdrehen und immer noch problemlos sägen, aber eben nur in 0° Stellung.

Schnittführung (Cut control):
Die Cut Control Schnittführung ist ein nach vorne zu klappendes Plastikstückchen mit jeweils einer „Kimme“ für 0° und einer für 45°. Sie befindet sich deutlich vor dem Sägeblatt. Dadurch ist sie beim Sägen gut im Auge zu behalten. Eine preisgünstige aber weitgehend praktikable Lösung, denn bei Freihandschnitten ist eine angerissene Linie gut zu sehen, Ob man sie allerdings immer trifft, hängt dann wie überall von Geschick, Übung und sonstigen Beeinträchtigungen ab. Beim Arbeiten ohne Absaugung muss die Cut Control von Zeit zu Zeit per eigener Lunge freigeblasen werden.

Absaugung:
Seitlich angebracht, dadurch recht sperrig. Beim Arbeiten am Richtscheit sollte man sich zunächst ganz genau überlegen, wie man was wo fixieren will, sonst ist der Absaugung immer irgendwo eine Zwinge im Weg. Im Betrieb recht effektiv.
Absaugung.jpg
Abgesaugt.jpg
Tiefenanschläge:
siehe Leistung (Nuten sägen)

Sicherheit:
Die „Gefährlichkeit“ der Nanoblade liegt subjektiv empfunden nicht über der einer Stichsäge. Um die Idioten...Pardon...Bediensicherheit noch zu steigern, hat Bosch zusätzlich zu den Sicherheitshinweisen in der Bedienungsanleitung auch noch einen Aufkleber auf die Säge gepappt, der explizit darauf hinweist, dass die Säge zu schieben und nicht zu ziehen ist. Unterm Arbeiten fängt der aber schnell an, sich abzulösen.

Drehzahlvorwahl:
In den Abzug integrierter stufenlos verstellbarer Drehzahlvorwahlschalter. Die Befürchtung war da, dass der sich ob seiner Positionierung unbeabsichtigt während des Sägens betätigen lässt hat sich nicht bestätigt. Die Vorwahl funtioniert ohne Auffälligkeiten, obwohl ich nicht verstehe, warum bis auf Drehzahlen runtergeregelt werden kann, bei denen sich nicht mal mehr 6 mm Pappelsperrholz sägen lässt.

Fazit:
Durch die Anordnung der Fixierschraube des Gehrungswinkelanschlags und der Absaugung wird es effizient erschwert an einem Richtscheit zu sägen. Durch das Fehlen eines Parallelanschlags wird der Nutzer praktisch gezwungen, eine Tauchschiene zu erstehen. Gut ausgedacht liebe Bosch-Burschen.
Ohne Absaugung wird die ansonsten recht gute Schnittlinienkontrolle schnell zugeweht.

- 1,0 Punkte für Sperrigkeit am Richtscheit (Absaugung und Gehrungsanschlagfixierung). Bei eingeschränkten Platzangebot kommt man sehr schnell ins Rödeln.
- 2,0 Punkte für das Zuwehen der Schnittlinienführung (Cut Control). Das resultiert auch daraus, dass das Sägeblatt praktisch nie gescheit zu sehen ist und man praktisch auf Hilfsmittel angewiesen ist.

Testergebnis: 4,0 Punkte

Leistung
Die Schnitttiefe ist mit 50 mm bei 0° und 44 mm bei 45° angegeben. Getestet wurde mit dem Sägeblatt WoodBasic. Das Blatt ist laut Herstellerangabe für Holz und bedingt für Acrylglas geeignet.

Sägen von Hartholz:
Wurde in 27 mm Buchenleimholz bei 400 mm Schnittlänge getestet. Für die 400 mm wurden etwa 50 Sekunden bei höchster Drehzahl benötigt. Für meinen Geschmack zu langsam; im Normalfall würde hier aber ohnehin die Kreissäge hergenommen.
Das Schnittbild ist o.k.;
Schnittkante_oben.jpg
geschliffen.jpg
keine nennenswerten Ausrisse, ziemlich eben, kein Verlaufen des Sägeblattes, aber auf der Oberseite reichlich fransig. Also entweder von der Unterseite sägen oder ein paar Züge mit feinem Schmirgelpapier in Kauf nehmen.

Sägen von Weichholz:
Getestet in 18 mm Fichte (orthogonal zur Faser). Sägefortschritt erwartungsgemäß um gefühlte Lichtjahre schneller als in Hartholz.
Schnittbild allerdings eher na ja. Deutlich mehr Ausrisse auf der Oberseite, wesentlich gröbere Fläche (liegt zum Teil halt auch am Holz)
Weich.jpg
Tauchen:
Das Eintauchen geht in Hart- und Weichholz ziemlich einfach und genau. Was danach kommt, hängt von Hilfsmitteln, Fähigkeiten und Beeinträchtigungen des Tauchers ab.

Winkligkeit bei Ausklinkungen:
Winkligkeit ist gut. Für alles Weitere siehe Tauchen.

Gehrungsschnitte:
Die Cut Control funktioniert im 45° Winkel freihand mit Absaugung gut. Für alle anderen Winkel/längere Schnitte empfiehlt sich eben wieder Führungsschiene bzw Richtscheit.

Nuten Sägen:
Geht auch mit Tauchen unerwartet gut und freihand relativ präzise (abhängig von der Länge der Nut). Um auf die fünf Millimeter für das Stück, das ich eingesetzt habe, zu kommen. Geht ohne viel Übung / Erfahrung darin relativ einfach.
Mankos hierbei: Der Absaughaubeneinsatz muss entfernt werden; mit eingesetztem Tiefenanschlag (ich habe mich auf 35 mm Eindringtiefe beschränkt) ist die Absaugung vermindert. In meinen Augen verschmerzbar, aber lästig. Hier fiel mir dann auch erstmals auf, wie fummelig das Austauschen der Einsätze ist.
Einsatz.jpg
Nut.jpg
Sägen in Acrylglas:
Wurde durchgeführt in 8 mm Acrylglas bei mittlerer Drehzahl. Das Schnittbild ist nicht 100% eben, aber deutlich besser als bei Verwendung einer Stichsäge. Es gab keinen Schmolz. Im Ganzen betrachtet halte ich die Nanoblade in Acrylglas der Stichsäge für überlegen.
Acryl.jpg
Sonstiges:
Die Temperaturentwicklung am/im Gerät ist gering, die am Sägeblatt ist relativ hoch. Zwischen zwei längeren Schnitten sollte dem Sägeblatt etwas Zeit zum Abkühlen gegeben werden.

Fazit:
-1,0 Punkte für das Schnittbild in Weichholz
-1,0 Punkte für das fummelige Austauschen der Einsätze
-1,0 Punkte für die deutlich verminderte Absaugung bei Benutzung anderer Einsätze als der Absaughaube (wobei mir bewusst ist, dass man über diesen Punkt trefflich streiten kann).

Testergebnis: 4,0 Punkte

Umwelt
Die Säge wird in Ungarn und die Blätter werden in Deutschland (Hawera?!) gefertigt. Das ist dann zwar ob geltender EU-Umweltstandards relativ umweltfreundlich in der Produktion, aber eigentlich auch bedeutungslos, falls die Säge von Ungarn (bzw. die Blätter von Deutschland) aus in den Rest der Welt verschifft wird.

Verpackung:
Säge war im Koffer ohne weitere Umverpackung ausgestellt. Das Umreifungsband mit Bauhaus-Aufdruck zähle ich nicht mit, soll wohl eine Diebstahlsicherung gegen Mitmenschen sein, die sich kostenfrei am Zubehör bedienen wollen (kam laut Auskunft Bauhausmitarbeiter mal vor). Den Pappeinschieber mit dem Produktbild kann auch außen vor lassen.

Geräuschkulisse:
Im erträglichen Rahmen. Soll heißen stärker als bei einer Stichsäge und deutlich geringer als bei einer Kreissäge. Das ist natürlich keine Empfehlung auf Gehörschutz zu verzichten.
Staubentwicklung:
Abhängig davon, ob mit oder ohne Absaugung gearbeitet wird. Weder besonders viel noch bemerkenswert wenig.

Fazit:
Keine nennenswerten Mängel. Immerhin liegen die Fertigungsorte in Europa (elektronische Bauteile außen vor gelassen).

Testergebnis: 7,0 Punkte

Preis und Preis/Leistungverhältnis
Die Verarbeitung erscheint insgesamt wertig. Weichmachergestank ist nicht wahrnehmbar.
Bezogen auf die verwendeten Testkörper waren Schnittbild und Sägefortschritt (etwas langsam) annehmbar. Es lagen die Bedingungen zu Grunde, die ich real erwarte; Extremtests wurden ausgelassen (50 mm in Buche Hirnholz).
Das Blatt wird sehr schnell sehr warm, was sich auf die Lebensdauer auswirken wird.

-2,0 Punkte für die Wärmeentwicklung und zu erwartenden Verschleiß am Sägeblatt.
-1,0 Punkte für den etwas langsamen (annehmbaren) Sägefortschritt in Hartholz

Testergebnis: 4,5 Punkte

Ausgefallen?
Säge: nein
Sägeblatt: nein, hat auf den letzten Metern des Test aber bereits leichte Abnutzungserscheinungen gehabt.

Besondere Kritikpunkte
- der totale Zuschnitt auf Arbeiten mit Führungsschiene
- die absolute Sperrigkeit durch Gehrungswinkelanschlagfixierung und Absaugung
- fehlender Parallelanschlag
- überangepasster Koffer
- für die anscheinend nicht überragende Lebensdauer der Sägeblätter selbstbewusster Preis eben jener.

Positiv aufgefallen
- Sägen in Acrylglas
- Nuten sägen geht ziemlich gut (zumindest in Weichholz)
- Gehrungen sägen geht ganz ordentlich

Verbesserungsvorschläge
- Parallelanschlag auf Basis des Führungsschienenadapters
- Koffer für die Unterbringung eines Zollstocks (Gliedermaßstabes) überarbeiten

Mein Testurteil
Es gibt deutlich nutzlosere Werkzeuge als die Nanoblade. Immerhin habe ich jetzt etwas, mit dem sich für ein handgeführtes Werkzeug ziemlich gut Nuten und Gehrungen sägen lassen. Auch wenn mal wieder der Zuschnitt von Acrylglas anliegt, werde ich wohl ganz froh sein, sie im Regal liegen zu haben.

Mein Testergebnis
Ausstattung: 5,0 Punkte 25%
Handhabung: 4,0 Punkte 25%
Leistung: 4,0 Punkte 25%
Umwelt: 7,0 Punkte 10%
Preis u. Preis/Leistungsverhältnis: 4,0 Punkte 15%
Gesamtergebnis: 4,6 Punkte
befriedigend bis gut
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