Baurecht, insbesondere Abstandsflächen, in Hessen - wer kennt sich aus?

Alles, was nun wirklich nichts mit Werkzeugen und dem Arbeiten damit zu tun hat.

Moderator: moto4631

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-FX-
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Baurecht, insbesondere Abstandsflächen, in Hessen - wer kennt sich aus?

Beitrag von -FX- » Montag 15. April 2019, 00:04

Moin,

ich hätte ein paar sehr spezielle Fragen zum Thema Abstandsflächen bei Bebauung in Hessen. Der hier zuständige Herr vom Bauamt ist eher von der unangenehmen Art und schlafende Hunde möchte man ja auch nicht wecken, wenn es nicht sein muss :)
Vielleicht kennt sich ja jemand gut aus.

1) Angenommen ich möchte eine Gartenhütte errichten. Diese darf auf der Grundstückgrenze errichtet werden, wird sie es aber nicht so gilt der Mindestabstand von 3m zur Nachbarsgrenze oder zur Mitte eines öffentlichen Weges, dazwischen gibt es meines Wissens nach nichts.
Jetzt trennen mich und meinen Nachbarn aber ein solcher öffentlicher Weg mit einer Breite von 2m. Bebaue ich die Grenze bin ich je nach Sicht meinem Nachbarn schon zu nah oder aber nicht nah genug. Wie verhält sich das rechtlich?

2) §6 Abs9 der HBo besagt:
(9) In den Abstandsflächen eines Gebäudes und zu diesem ohne eigene Abstandsfläche sind zulässig:
2.erdgeschossige Gebäude und sonstige Anlagen und Einrichtungen nach Abs. 8,
Heißt das ich dürfte auf eigenem Grund beliebig viele erdgeschossige Gebäude direkt aneinanderreihen?
Bedarf es dabei immer komplett geschlossener Wände oder dürfte ich beispielsweise auch zwei statisch eigenständige Gebäude mit zueinandergewandten offenen Seitenwänden so errichten, dass es eben quasi wie ein großes Gebäude erscheint?

P.S.: Thema Bebauungsplan etc ist außen vor, sowas gibt es hier nicht.

Grüße
Chris

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powersupply
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Re: Baurecht, insbesondere Abstandsflächen, in Hessen - wer kennt sich aus?

Beitrag von powersupply » Montag 15. April 2019, 06:00

Soweit ich es aus BaWü weis ist es hier so, dass zum Einen eine Maximallänge der grenzlastigen Bebauung gilt(8 oder 9m) und zum Anderen eine Gartenhütte nicht mehr als 20m³ umbauten Raum aufweisen darf.
Letzteres lässt einen Baukörper mit ca 3x3x2m als sinnvoll erscheinen.

PS

norinofu
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Re: Baurecht, insbesondere Abstandsflächen, in Hessen - wer kennt sich aus?

Beitrag von norinofu » Montag 15. April 2019, 09:29

Hi,

ich hab gerade mal einen Blick in die HBO geworfen.
-FX- hat geschrieben:
Montag 15. April 2019, 00:04
1) Angenommen ich möchte eine Gartenhütte errichten. Diese darf auf der Grundstückgrenze errichtet werden, wird sie es aber nicht so gilt der Mindestabstand von 3m zur Nachbarsgrenze oder zur Mitte eines öffentlichen Weges, dazwischen gibt es meines Wissens nach nichts.
Jetzt trennen mich und meinen Nachbarn aber ein solcher öffentlicher Weg mit einer Breite von 2m. Bebaue ich die Grenze bin ich je nach Sicht meinem Nachbarn schon zu nah oder aber nicht nah genug. Wie verhält sich das rechtlich?
Für deine Gartenhätte düfte doch folgendes gelten:
§ 6 (10) 1Ohne Abstandsfläche jeweils unmittelbar an oder mit einem Mindestabstand von 1 m
zu den Nachbargrenzen sind je Baugrundstück zulässig:
1. Garagen einschließlich Abstellraum oder -fläche,
2. überdachte Zufahrten zu Tiefgaragen,
3. untergeordnete Gebäude für Abstellzwecke,
4. untergeordnete Gebäude zur örtlichen Versorgung mit Energie, Kälte oder Wasser,
5. bis zu drei Stellplätze,
...
2Die Länge der Grenzbebauung darf bei den Anlagen nach Satz 1 Nr. 1 bis 5 insgesamt 15 m
nicht überschreiten;
Dachüberstände sind einzurechnen. 3Bei den Anlagen nach Satz 1 Nr. 1
bis 4 darf die grenzseitige mittlere Wandhöhe über der Geländeoberfläche nicht höher als 3
m und die Fläche dieser Wände an jeder Nachbargrenze insgesamt nicht größer als 25 m²
sein.
Eine max. Grundfläche oder Volumen für so ein untergeordnetes Gebäude hab ich auf die Schnelle jetzt nicht gefunden.
Zumnindest die max. 15m würde ich auch auf deine Frage zu §9 (9) anwenden.
Alle Menschen sind schlau - die Einen vorher, die Anderen hinterher

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Re: Baurecht, insbesondere Abstandsflächen, in Hessen - wer kennt sich aus?

Beitrag von -FX- » Dienstag 16. April 2019, 00:01

norinofu hat geschrieben:
Montag 15. April 2019, 09:29

Für deine Gartenhätte düfte doch folgendes gelten:
§ 6 (10) 1Ohne Abstandsfläche jeweils unmittelbar an oder mit einem Mindestabstand von 1 m
zu den Nachbargrenzen sind je Baugrundstück zulässig:
1. Garagen einschließlich Abstellraum oder -fläche,
2. überdachte Zufahrten zu Tiefgaragen,
3. untergeordnete Gebäude für Abstellzwecke,
4. untergeordnete Gebäude zur örtlichen Versorgung mit Energie, Kälte oder Wasser,
5. bis zu drei Stellplätze,
...

Danke, das hatte ich doch glatt übersehen. Dann erübrigt sich die erste Frage.

Teil 2 ist allerdings noch nicht beantwortet, da muss ich wohl ausholen. Es geht nämlich gar nicht um ein Gartenhaus. Stattdessen würde ich gerne ein Gewächshaus errichten und nach Festlegung der Größe und Abwägung infrage kommender Standorte würde ich es eben gerne auf der Grenze enden lassen.
In manch anderem Bundesland ist das gar kein Thema, warum man sich in Hessen hingegen auf Gebäude zu Abstellzwecken einschränkt ist mir ein Rätsel.
Jeglicher Versuch mit dem Bauamt über die Möglichkeiten einer Ausnahme etc. zu reden scheitert daran, dass der zuständige Sachbarbeiter schlicht keine Lust hat beratend tätig zu sein, dafür wären ja schließlich Planer u.s.w. da.
Und nachdem wir bei einem vorherigen Bauantrag schon die Erfahrung machen durften, dass bzgl. jeder Kleinigkeit entgegen jeglichem gesunden Menschenverstand stur auf Paragraphen herumgeritten wurde habe ich da auch ehrlich gesagt nur noch sehr begrenzt Lust drauf.

Also spiele ich mit dem Gedanken ein Gewächshaus mit direkt angrenzendem, sehr lichtdurchflutenden Gebäude zu Abstellzwecken zu errichten :D

Fraglich ist dabei wie weit man gehen kann, so dass es wie eins erscheint, rein rechtlich aber zwei Gebäude sind.
Und da geht es dann eben um die Themen wie direkt aneinandergebaut Gebäude möglicherweise ohne trennende Abschlusswand und mit nur einem gemeinsamen Eingang etc.
Achso, ein Boden wäre in dem Gebäude zu Abstellzwecken OK, darauf kann man dann wunderbar Chillitöpfe abstellen :lol:

Grüße
Chris

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powersupply
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Re: Baurecht, insbesondere Abstandsflächen, in Hessen - wer kennt sich aus?

Beitrag von powersupply » Dienstag 16. April 2019, 01:13

Moin
P.S.: Thema Bebauungsplan etc ist außen vor, sowas gibt es hier nicht.
Das Grundstück liegt aber schon innerhalb eines Ortschaftsgebietes.
Oder ist das "Außenbereich"?

Innerorts würde ich, wenn der Nachbar mitspielt, in der Tat keine schlafenden Hunde wecken und diesbezüglich einfach mal machen. Insbesondere wenn der Amtsmensch, möglicherweise aus Angst vor Falschauskunft, keine Ratschläge geben mag.
Ich habs ich bei mir so gehandhabt, dass ich einfach mal gemacht habe. Mauer errichtet, die Hütte(20m³) sowie das Gewächshaus (auch ca20m³) in unmittelbarer "Randbebauung" errichtet so dass ich auf der Mauer entlang an die Außenseite der Hütte und des Gewächshauses gelange. Diese stehen jetzt nach vielen Jahren immer noch. Wenn auch anders als bei dir geplant mehrere Meter auseinander.
Natürlich bin ich mir im Klaren, dass diese Vorgehensweise kein Patentrezept das man Überall hin übertragen kann!

PS

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Re: Baurecht, insbesondere Abstandsflächen, in Hessen - wer kennt sich aus?

Beitrag von Alfred » Dienstag 16. April 2019, 08:43

kaufst du da was Fertiges, da könnte evtl. der Hersteller Auskunft geben.
Wie sieht denn die Umgebungsbebauung in der Nachbarschaft aus, könnte man da ggf. was ableiten?
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Re: Baurecht, insbesondere Abstandsflächen, in Hessen - wer kennt sich aus?

Beitrag von norinofu » Dienstag 16. April 2019, 08:55

-FX- hat geschrieben:
Dienstag 16. April 2019, 00:01
Jeglicher Versuch mit dem Bauamt über die Möglichkeiten einer Ausnahme etc. zu reden scheitert daran, dass der zuständige Sachbarbeiter schlicht keine Lust hat beratend tätig zu sein, dafür wären ja schließlich Planer u.s.w. da.
Wenn du beim örtlichen Bauamt nicht weiterkommst, frag doch bei der Baubehörde des Landratsamts nach, als was für ein Gebäudetyp ein Gewächshaus gewertet wird.
Wenn das ein Gewächshaus von der Stange wird, weiß der Hersteller oder Verkäufer häufig auch, wie es im jeweiligen Bundesland eingestuft wird.
Fraglich ist dabei wie weit man gehen kann, so dass es wie eins erscheint, rein rechtlich aber zwei Gebäude sind.
Die Frage ist, warum willst du zwei getrennte Gebäude?
Ich würde ein Abstellhäuschen mit zwei Räumen bauen, ein Raum hat eben sehr viel Fensterfläche.
Sofern die Seite entlang der Grundstücksgrenze nicht die bevorzugte Sonnenseite ist, würde ich dort etwas mit Fenstern sparen.

Du darfst das Häuschen nur nicht am Hauptgebäude befestigen oder dessen Außenwand mitnutzen, sonst könnte es als Anbau gewertet werden.
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Re: Baurecht, insbesondere Abstandsflächen, in Hessen - wer kennt sich aus?

Beitrag von Alfred » Dienstag 16. April 2019, 11:07

evtl. kann das Vorhaben noch mit Solaranlagen kombiniert werden, kommt immer gut rüber und da können die Öffentlichen nicht so viel dagegen haben.
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