Wälzlager Qualitätsunterschiede - SKF "state of the art"? - Lagervergleichstest

Ob Kapp- und Gehrungssäge, Bandsäge, Formatkreissäge, Drehbank, Ständerbohrmaschine oder gar das Bearbeitungszentrum. Hier geht es um Fragen rund um alle stationären Maschinen.

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Senkblei
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Re: Wälzlager Qualitätsunterschiede - SKF "state of the art"? - Lagervergleichstest

Beitrag von Senkblei » 23. Sep 2020, 23:07

Man kann auch spezielle Temperaturmessaufkleber (weiss nicht mehr wie die genau heissen) einsetzen, sofern die Grösse der Fläche es erlaubt.

Mit inline IR-Prozess-Temperaturmessung mit blankem Metall habe ich mich mal vor Jahren befasst und im Konkreten Fall war es nicht ohne weiteres machbar da die Oberfläche je nach Produkt keine einheitliche Parametrierung erlaubte. Aus Kostengründen wurde dann nicht weiter recherchiert, wollte jemand von FLIR kommen lassen, nur deren Thermografie-Kameras waren zu teuer für die Anwendung.

Heute ist man mittlerweile viel fortgeschrittener nur habe ich mich nicht mehr im Detail damit befasst. Thermografie habe ich für die Kontrolle von Schaltanlagen eingesetzt wobei es dort nicht so wahnsinnig auf genaue absolute Temperaturen kommt, viel mehr sucht man hot Spots, insbes. bei Anschlüssen.

Voltcraft stufe ich in die Kategorie Spielzeuge ein.

Über Condition Monitoring im Lagerbereich könnte mal einiges schreiben, siehe z.B. Bently Nevada (mittlerweile Baker Hughes) oder SPM Instrument. Ferner gibt es spezielle Software zur Geräuschanalyse (siehe z.B. Kisssoft, Spin-Off vom Getriebehersteller L. Kissling). Lagerüberwachungen sind je nach Anwendung ziemlich aufwendig, u.a. bei Turbinen, Generatoren, usw. Meist setzt man Instrumente und Auswertesysteme, die jeweils vom selben Hersteller stammen, wobei je nach Messaufgabe verschiedene Hersteller anzutreffen sind.
Temperaturen misst man bei Lagern oft mit einfachen Pt100 Temperatursonden.

Grundsätzlich habe ich eigentlich stets Lager führender Hersteller eingesetzt. Dass gewisse in China hergestellt werden mag ich nicht muss es jedoch akzeptieren solange die Qualität stimmt.
IMO ist die Auslegung der Lager extrem wichtig, da grosszügig richtit eingesetzt Lager meist eine sehr hohe Lebensdauer erreichen und zudem ist der Aufpreis für eine Lager dass (statistisch) doppelt so lange hält oft geringer als die Kosten für den Lageraustausch.

Auch sterben sehr viele Lager weil sie falsch eingesetzt wurden und eigentlich nicht unbedingt von schlechter Qualität sind, Fehler können Design, Bearbeitung, Montage, äussere Einflüsse (insbes. eindringender Schmutz), usw. betreffen.

Bei No-Name China-Ware bleibt oft das Problem der Streuung in der Qualität und genau Präzision, sorgfältige Vergütung, hochwertige Werkstoffe, usw. sind genau Punkte wo man es in China oft nicht so genau nimmt. Was ein Lager taugt zeigt sich erst in der Praxis, das Labormessungen nur beschränkt aussagekräftig sind oder dann recht komplex sind.

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Re: Wälzlager Qualitätsunterschiede - SKF "state of the art"? - Lagervergleichstest

Beitrag von Matchless » 24. Sep 2020, 09:46

danke, eure Ausführungen bestätigen mich darin, dass zumindest die Temperaturmessung als nicht aussagekräftig abgetan werden muss.

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H. Gürth
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Re: Wälzlager Qualitätsunterschiede - SKF "state of the art"? - Lagervergleichstest

Beitrag von H. Gürth » 24. Sep 2020, 09:57

Um welche Type Lager gehts eigentlich ?
Mit NSK hatte ich nie Probleme. Wenns denn was spezielles sein soll...........
1. Adresse GMN
Nichts wissen macht nichts.
..........und mich gar nicht erst fragen !

Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar und verständlich formuliert wurde.

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Re: Wälzlager Qualitätsunterschiede - SKF "state of the art"? - Lagervergleichstest

Beitrag von Matchless » 24. Sep 2020, 15:06

Lager um die es geht sind alles Standardlager
6205
6300
6002
6004
6006
6005
6302
6206
Nadellager FJ-1412

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Re: Wälzlager Qualitätsunterschiede - SKF "state of the art"? - Lagervergleichstest

Beitrag von Senkblei » 25. Sep 2020, 10:42

Vereinzelt fallen auch richtig eingesetzte Lager von Premium-Herstellern frühzeitig aus, nur eben viel seltener als bei Billigstware. Die Lebensdauerberechnungen basieren auf Wahrscheinlichkeiten, für 0 % Ausfallwahrscheinlichkeit innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums benötigt man ein unendlich grosses Lager. :)

Am sinnvollsten ist nebst richtiger Wahl des Grundtyps und Einsatzbedingunen (Abdichtung, Schmierung, Temperatur,...) genügend Reserve Punkto Belastungen vorzusehen. Die Unterlagen der führenden Herstellern sind da hilfereich, insbes. für anspruchsvolle Anwendungen wie z.B. (Hochfrequenz-)Spindeln, Walzwerke, Kran-Drehverbindungen, usw.

Lager aus Prinzip präventiv auswechseln ist m.E. nicht immer sinnvoll, z.T. werden heikel einzustellende Getriebe (z.B. mit Schneckenradsatz) bei einem unnötigen Lagertausch mehr in Mitleidenschaft gezogen als wenn man die Lager erst tauschet wenn es wirklich erforderlich ist, jedoch ohne das Pannenrisiko unnötog zu erhöhen. Habe auch Pumpen gesehen, die nach unsachgemässer unnötiger Zerlegung nicht mehr dicht waren, usw.

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Re: Wälzlager Qualitätsunterschiede - SKF "state of the art"? - Lagervergleichstest

Beitrag von Matchless » 25. Sep 2020, 11:54

Ich gebe den niedrigpreisigen (ob billig oder preiswert wird sich zeigen) Lagern von Kugellagerexpress (Lagerpreis je um 1€ +-) einfach mal eine Chance. Es geht hier nicht um Raketenwissenschaft. Die Lager sind für einen Schleifbock, die Tischbohrmaschine sowie einen kleinen Außenbordmotor. Sollte es Ausfälle geben, werde ich selbstverständlich hier berichten.

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Re: Wälzlager Qualitätsunterschiede - SKF "state of the art"? - Lagervergleichstest

Beitrag von Senkblei » 25. Sep 2020, 13:50

Problem ist nur wenn man viel Zeit verliert für den Austausch der Lager, oder, heikler, wenn ein Lager blockiert, was unter Umständen teure Folgeschäden verursachen kann. Auch eine massive Überhitzung kann andere Teile in Mitleidenschaft ziehen.

Wie bereits erwähnt: kann mich allerdings auch an vereinzelte Fälle erinnern in denen Premium-Lager unverwartet ausfielen und dies ohne dass man irgendwelche Fehler direkt feststellen konnte. Bei grösseren Lagern kann der Hersteller dann u.U. auf eigene Kosten Laboruntersuchungen durchführen um herauszufinden was los war. Meiner Erfahrung nach sind solche Ausfälle aus dem heiteren Himmel doch sehr selten, bei den allermeisten frühzeitigen Lagerschäden bei (führende Lagerhersteller) sind nicht direkt die Lager selbst das Problem. Insbes. Wartung (falsche oder keine Schmierung), Montage (harte Hammerschläge, Übererwärmung, Schräglage,...) sowie Design- (z.B. nicht Berücksichtigung der temperaturänderungsbedingten axialen Ausdehnung einer Welle) bzw. Herstellungsfehler (fFalsche Passung,...) sind da gar nicht so selten.

Lagergeräusche sagen bereits einiges aus, da kann man bereits auch ohne spezialisierte Messgeräte (SPM, usw.) einiges einschätzen.

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Re: Wälzlager Qualitätsunterschiede - SKF "state of the art"? - Lagervergleichstest

Beitrag von powersupply » 25. Sep 2020, 14:12

Das mit den Lagern und deren Wartung bzw ggf vorbeugendem Austausch ist ja auch so eine Sache.
Das hängt immer auch von der Wichtigkeit der Maschine und dem einhergehenden Aufwand ab.
Beispielsweise brauche ich bei einer Handbohrmaschine keine Umstände machen. Da wird getauscht wenn das Lager sich meldet. Eine ganz billige Maschine wird wohl eher weggeschmissen.
Hast Du dagegen beispielsweise einen Heber in einem Produktionsverbund, von dessen Funktionsfähigkeit möglicherweise die Beschäftigung hunderter Arbeitsplätze abhängt kann man sich hier schon Gedanken machen. Da werden dann auch vorbeugend schon mal größere Lager eingesetzt. Eine Förderrolle dagegen, die wenns schnell gehen muss in 5 - 15min getauscht ist wird getauscht wenn ein Lager sich meldet.

Man darf aber auch diese körperschallbasierende Lagerprüfung nicht zu blauäugig sehen. Da bedarf es für jeden einzelnen Fall eine Aufnahme des Schallprofiles im guten Zustand welches fortlaufend mit dem Istzustand verglichen werden muss. Die Ermittlung des Referenzbildes kann dabei schon einmal mehrere Monate in Anspruch nehmen bis Falschmeldungen auf ein Minimum reduziert sind.

PS

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Re: Wälzlager Qualitätsunterschiede - SKF "state of the art"? - Lagervergleichstest

Beitrag von Senkblei » 25. Sep 2020, 16:56

Ich bezog mich auf die empirische "ohren-und-gehirn-basierte" :) Geräuschanalyse, nicht auf den Einsatz von Geräten.
Wälz- und Gleitlager Condition Monitoring ist recht beitgefächert and kann insbes. bei Online-Monitoring (permanente Überwachung mittels entsprechender fest installierten Instrumentierung) ziemlich aufwendig sein. Für einen grossen Generator kommen z.B. schnell mal mehrere hundert Messungen zusammen (inkl. Wicklungen, also nicht nur für die Lagerungen und x/y-Wellenlageerfassungen), die dann in Echtzeit ausgewertet werden und (mindestens z.T.) auch aufgezeichnet werden (Datalogging/Trending).

Hört man nichts bedeutet dies nicht zwangsweise, dass alles i.O. ist, seltsame Geräusche deuten jedoch logischerweise auf was hin, das man näher abklären sollte (klassisches Beispiel: Radlager beim Auto).

Lager werden sowohl betriebsintern wie auch durch beauftragte externe Spezialisten auskultiert, hängt auch von der Betriebsgrösse und -spezialisierung ab, da die Geräte teuer sind und praxiserfahrenes Personal bedürfen.

Was die Frage Marken-Lager oder No-Name-Lager betrifft ist es oft so, dass man in einer seriösen Firma einfach Lager von führenden Herstellern bezieht, ob die stets wirklich besser als weniger bekannte Produkte sind interessiert dann niemand näher. Ähnliche wie bei einer SPS, setze ich eine Siemens S7-1500 ein fragt niemand, wähle ich was weniger bekanntes, das ebenso zuverlässig (usw.) ist, muss man sich eher rechtfertigen (Ersatzteilverfügbarkeit, stabilität des Herstellers (siehe vormalige S&S SESTEP Kunden bei der Übernahme durch Allen-Bradley/Rockwell Automation), usw.


Noch was für technisch interessierte:
Den Begriff
SKF service handbuch
googlen und 452-seitiges PDF Handbuch in deutscher Sprache downloaden (wegen unique ID Code poste ich Link nicht direkt). Früher gab's eine Papierausgabe mit plastifiziertem Einband, weiss nicht welche Dokus noch in Papierform existieren.
Gesamtkataloge von führenden Herstellern beinhalten ebenfalls einiges an technischen Infos. Zudem gibt es noch (IIRC) Design-Broschüren mit Beispiel-Schnittzeichnungen.

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Re: Wälzlager Qualitätsunterschiede - SKF "state of the art"? - Lagervergleichstest

Beitrag von Benderman » 25. Sep 2020, 18:21

Ich hab die letzten male NKE Lager verbaut und sie machen was sie sollen.
Da ich bei neuen FAG Categorie C Lagern ein setiliches Kippspiel am äußeren Ring bemerkte.
Ich hatte das damals sogar mit Uhr gemessen und ein Video davon gemacht.
(hab nachgesehen, hab es gelöscht).
Zumindest kann ich sagen, das ich damals mit einem zuständigen Vertreter, aus Leipzig (in feinstem sächsischem Dialekt) telefoniert hatte und dies, bei meinen Lagern so normal war.
Wollte damals welche für einen Schleifbock, es ging mir um den Staubschutz / die Dichtlippe.
In der Firma bekommen wir eigentlich immer FAG oder SKF, weis allerdings nicht, wo die ordern.
Im Endeffekt kommt es wohl immer auf die Anwendung an.
Hab auch schon billige No Name Lager gekauft, da dann aber in EMQ (Elektromotorenqualität), laut der jeweiligen ebay Beschreibung, machten auch keine Probleme.

Was ich aber mal bemerkt habe, alte bzw neue DKF (DDR) Lager aus Lagerbestand,
da kann es Laufgeräusche geben, da macht es Sinn, diese vor Einbau zu mal zu prüfen.
Dies gilt auch für gute abgelagerte Lager aus der UDSSR, Romania, CSSR, Poland.
Ich erkläre das von mir gesetzte Links nur als Beispiel oder Hinweis dienen, es ist keine Werbung, auch keine Onlineshopempfehlung.

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