Welchen Holzleim benutzt ihr

Streichen und Lackieren erfordert außer einem Pinsel meist noch anderes Werkzeug und spezielles Know how. Der Einsatz chemischer Produkte und Kleber bedarf oft einer besonderen Aufmerksamkeit bei der Verarbeitung und dem Arbeitsschutz.

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Zwotausender
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Welchen Holzleim benutzt ihr

Beitrag von Zwotausender » 2. Mai 2017, 21:42

Ich wollte mal in die Runde fragen, welchen Holzleim der Profi verwendet ?
Benutzt ihr für verschiedene Sachen Unterschiedlichen, oder gibt es einen den Ihr für alles nehmt ?

Gruss
Thomas

Dev
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Re: Welchen Holzleim benutzt ihr

Beitrag von Dev » 2. Mai 2017, 22:20

Zwotausender hat geschrieben:Profi
Bekennender Amateur. Darf ich trotzdem antworten? :wink:

Ich nutze Ponal Super 3 und Bindan Propellerleim. Beide sind ausgezeichnet.

Da ich es vermeide, Holzkonstruktionen ohne konstruktiven Holzschutz direkt dem Regen auszusetzen, komme ich gut mit D3 Leim aus. D4 Leim ist auch in Bezug auf die Lagerbarkeit für Privatanwender eher unpraktisch.

handmade
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Re: Welchen Holzleim benutzt ihr

Beitrag von handmade » 3. Mai 2017, 18:30

Ich habe einige Flaschen Ponal Super 3 mit zumixbarem Härter (D4 ähnlich) und Ponal PUR Leim ausprobiert.
Die Mixerei und die Dosierung bzw. zeitnahe Eintrocknung der PUR Masse fand ich nicht durchdacht.
Aktuell habe ich Bindulin Propellerleim (zum basteln) und von Würth 1K Leim (Holzverbindungen innenbereiche) und PUR Leim Transparent (Eckverbindungen der Sitzfläche für Hochbeete) im Anbruch.
Gruß
handmade

Zwotausender
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Re: Welchen Holzleim benutzt ihr

Beitrag von Zwotausender » 3. Mai 2017, 19:04

Dev hat geschrieben: Bekennender Amateur.
Ich bin Amateurer...
Was bedeutet D3 bzw. D4 ?

Gruß
Thomas

Dev
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Re: Welchen Holzleim benutzt ihr

Beitrag von Dev » 3. Mai 2017, 20:43

Das sind Angaben zur Wasserfestigkeit des Leims.

D3: Innenbereich auch bei hoher Luftfeuchte sowie Außenbereich ohne direkte Bewitterung
D4: Außenbereich auch mit direkter Bewitterung

Brandmeister
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Re: Welchen Holzleim benutzt ihr

Beitrag von Brandmeister » 3. Mai 2017, 20:59

Es geht bei der D-EInteilung auch noch um das Verhalten beim Auftreten von Scherkräften. Holz arbeitet.

Hier mal das, was ich jetzt aus Faulheit aus der Wikipedia kopiert habe:

"Holzleime werden in unterschiedliche Beanspruchungsgruppen eingeteilt, alte Bezeichnung DIN 68602 (B1, B2, B3 und B4), neue Bezeichnung DIN/EN204 (D1, D2, D3 und D4). Die Beanspruchungsgruppen ordnen die Leime nach ihren Mindest-Scherfestigkeitswerten und ihrem Verhalten unter Feuchtigkeits- und Wassereinwirkung:

B1 oder D1: Geeignet für den Innenbereich, wobei die Holzfeuchte unter 15 % bleiben muss.
B2 oder D2: Geeignet für den Innenbereich mit gelegentlicher kurzzeitiger Wasser- bzw. Kondenswassereinwirkung, wobei die Holzfeuchte maximal 18 % erreichen darf.
B3 oder D3: Geeignet für den Innenbereich mit häufig kurzzeitiger Wassereinwirkung oder höherer Luftfeuchte. Geeignet für den Außenbereich ohne Aussetzung einer direkten Bewitterung.
B4 oder D4: Geeignet für den Innenbereich mit häufig und lang anhaltender Einwirkung von abfließendem Wasser bzw. Kondenswasser. Im Außenbereich und der Witterung ausgesetzt mit angemessenem Oberflächenschutz."

Wen es interessiert, hier der Link zum vollständigen Artikel: der Artikel.
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Re: Welchen Holzleim benutzt ihr

Beitrag von MrDitschy » 3. Mai 2017, 22:58

Verwende nur wasserfest, doch Ponal ist mir immer in der Flasche hart geworden, beim Uhu passiert mir dies nicht mehr.


Doch hab auch mal PU-Leim gesehen, was ist da der Vorteil/Nachteil ... ist dies der bräunliche?

Brandmeister
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Re: Welchen Holzleim benutzt ihr

Beitrag von Brandmeister » 3. Mai 2017, 23:18

PU = Polyurethan, auch bekannt als Montageschaum oder Turnschuhsohle

Vorteile:
- wasserfest (D4)
- klebt auch alles andere, was geklebt werden kann
- Schäumt (leicht) auf (dadurch lassen sich rauhe Oberflächen einfacher verkleben, Risse und Spalten werden ausgefüllt)

Nachteile:
- Werkstücke müssen gut verpresst werden, sonst werden sie beim Aufschäumen auseinandergedrückt
- Die Endfestigkeit ist nicht ganz so hoch (kommt glaube ich auch vom Aufschäumen)
- Polyurethan enthält Isocyanate, die sensibilisierend wirken. Deshalb ist ggf. bei Verarbeitung Schutzausrüstung für Haut und Atemwege nötig

Nachtrag:
PU-Leim bindet unter Feuchtigkeit ab. Je nach Größe der zu verklebenden Fläche muss diese vorher angefeuchtet werden.
Dafür sind die Leime lösemittelfrei. Aber selbst wieder gesundheitsschädlich genug, dass dies weder Vor- noch Nachteil ist.
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Re: Welchen Holzleim benutzt ihr

Beitrag von Dev » 3. Mai 2017, 23:26

MrDitschy hat geschrieben:Doch hab auch mal PU-Leim gesehen, was ist da der Vorteil/Nachteil
Ist Wasserfest (D4), quillt beim Holzkontakt leicht auf und kann dadurch minimale Unebenheiten ausgleichen.

Im Gegensatz zu normalen PVA-Leim ist aus der Klebefuge herausquillender Leim nicht so einfach wegzuwischen.
Außerdem enthält er Isocyanate.
Schleimhautreizend, hochgradig sensibilisierend und vermutlich auch krebserregend -> geeignete (!) Handschuhe und sehr gute Belüftung oder Maske mit Filter AB1P3. Sowohl Handschuhe als auch Filter sind als Einmalartikel zu betrachten und nach der ersten Exposition zu entsorgen - ja auch der teure Filter. Denn auch wenn der Filter zwischendurch für einen Monat weggelegt wird, kriecht der Kram langsam weiter durch das Filtermaterial. Bei der nächsten Nutzung atmet man es dann ein. Bei Handschuhen ist das Problem das selbe, nur dass es je nach Material und Dicke wenige bis 600 Minuten dauert, bis es auf der anderen Seite ankommt. (Manche Filterhersteller erlauben die Weiterbenutzung bis zu 2 Wochen nach der ersten Exposition.)

Das würde ich auch relativ ernst nehmen, da Kontakt mit Isocyanaten bevor der Umgang stark reglementiert wurde häufig zur Berufsunfähigkeit geführt hat (Liste der Berufskrankheuten -> Kapitel 1 (Durch chemische Einwirkungen verursacht) -> Nr. 1315).

Außerdem ist der Leim nur sehr begrenzt lagerfähig. Typische Lagerzeiten für eine 500g Tube sind ca. 3 bis 4 Wochen. Wenn Dir schon der normale D3 Leim eintrocknet... :wink:

Oder anders gesagt: Sollte man nur nehmen, wenn es wirklich erforderlich ist.

MrDitschy
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Re: Welchen Holzleim benutzt ihr

Beitrag von MrDitschy » 4. Mai 2017, 00:05

Danke.
Aber hört sich ja nicht gut an, doch müßte ich mir dann beim arbeiten mit Montageschaum nicht die selben Sorgen machen? :shock:

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