Strommesszange

Messwerkzeuge, wie sie auf der Baustelle oder in der Werkstatt gebraucht werden: vom Meterstab bis zum Laser-Entfernungsmesser

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Herter
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Re: Strommesszange

Beitrag von Herter » 11. Sep 2019, 23:35

m_karl hat geschrieben:
13. Jan 2019, 00:07
Also Anlasserstrom mit einer Stromzange messen ist generell schwierig, abgesehen dass der Anlassvorgang sehr kurz ist wird der Strom sehr inkonsistent sein. Am Anfang eine ordentliche Spitze weil es ja ein DC-Bürstenmotor ist und dann alternierend durch die Kompression. Einen sinnvollen Wert ablesen stell ich mir schwierig bis unmöglich vor. Eher ein Oszilloskop mit Stromwandler?
Gute AC/DC Strommesszangen verfügen über eine Max. bzw. Peak Messfunktion, mit der man Anlaufstromspitzen messen kann. Zudem ist TRMS (True RMS) in gewissen Fällen sinvoll, da man ja nicht immer lineare Lasten hat und demnach die aufgenommenen Ströme entsprechend auch nicht sinusförmig sind.

Meine persönliche Erfahrung mit Billig-Messgeräten ist miserabel, hatte mal so eine Chinaramschgerät fürs Auto gekauft und als ich mal die Batterispannung messen wollte war das Gerät bereits defekt.
Bei Netzspannungsmessungen ist ein gutes Gerät auch sicherer.

Würde jedenfalls empfehlen, ein Einstiegsgerät eines guten Herstellers zu erwerben als irgendein alleskönner-nichts-taugendes No-Name-Gerät.

Privat und beruflich setze ich fast ausschliesslich Fluke ein, was Mutlimeter und Strommesszangen betrifft. Messe allerdings auch im 690 V Antriebsbereich wo mit hohen Spannungsspitzen zu rechnen ist. Bei DC bis etwas über 1000 V. Da sind sichere und zuverlässige Messgeräte (inkl. Zubehör) unabdingbar.

Amprobe ist ebenfalls ein bekannter Hersteller, kenne die Produkte jedoch zuwenig.

Gossen Metrawatt hat ebenfalls Messgeräte, sind jedoch eher bekannt für Spezielleres als gewöhnliche Multimeter (Metrawatt war mal ganz früher mal BBC Goerz und Gossen bekannt für Labornetzteile, Produktesparte exisitert immer noch, IIRC hatte Gossen auch noch analoge Anzeigeräte; Metrawatt war mal Camille Bauer, usw.).

Vereinzelte Produkte von Textronix sowie Keysight (Keysight, früher Agilent und noch früher HP) sind ebenfalls für Feldeinsatz, die meisten Geräte sind jedoch für Laboreinsatz und eignen sich nicht für direkte netzseitige Messungen.

Vom Kauf billiger no-name Multimeter rate ich dringendst ab, mittlerweile findet man auch recht preiswerte Einstiegsgeräte bei etablierten Herstellern.

Und noch was: die im Datenblatt angegebene Genauigkeit ist für die allermeisten Hobbyanwendungen nicht relevant. Sogar im täglichen Industrieeinsatz (Wartung/Entpannung, Produkteentwicklung ist ggf. was anderes) ist die Genauigkeit ausser z.B. bei Kalbrationen meist ziemlich sekundär.

Ein_Gast
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Re: Strommesszange

Beitrag von Ein_Gast » 12. Sep 2019, 03:10

Herter hat geschrieben:
11. Sep 2019, 23:35
Gute AC/DC Strommesszangen verfügen über eine Max. bzw. Peak Messfunktion, mit der man Anlaufstromspitzen messen kann.
Das hängt davon ab, wie gemessen/ausgewertet wird. In den meisten Fällen dürfte die Peak-Funktion eine Speicherung des höchsten Messwertes sein. Wenn aber nur 2 - 3 Messungen pro Sekunde erfolgen, wird eine Spitze schwer zu erfassen sein, bzw. schon stark gemittelt werden. Das dürfte auf so ziemlich alle Einsteigergeräte zutreffen. Messgeräte mit mehr als 10 oder gar 100 Messungen pro Sekunde sind eher als Tischgeräte oder wenn portabel, in der obersten Preisklasse zu finden.

Da sind Stromzangenadapter für Oszilloskope wohl die bessere Wahl. Wenn man hier was Verünftiges möchte, wird es aber auch nicht billig.
Vereinzelte Produkte von Textronix sowie Keysight (Keysight, früher Agilent und noch früher HP) sind ebenfalls für Feldeinsatz, die meisten Geräte sind jedoch für Laboreinsatz und eignen sich nicht für direkte netzseitige Messungen.
Hier gibt es die gleichen Probleme wir mit allen Multimetern, nämlich dass sie extrem hochohmig sind. Das kann bei z. B. Induktivitäten im Hausnetz sehr schnell dazu führen, dass man irgendwelche Hausnummern misst. Ansonsten sind sie - abgesehen davon, dass niemand ein Tischgerät an irgendwelche Steckdosen halten möchte - genauso gut oder schlecht für Messungen in Stromnetzen geeignet, wie alle anderen Multimeter. Wenn ich es recht in Erinnerung habe, sind die "Spannungsprüfer" wie z. B. ein Duspol (nicht Phasenprüfer) niederohmiger.
Und noch was: die im Datenblatt angegebene Genauigkeit ist für die allermeisten Hobbyanwendungen nicht relevant. Sogar im täglichen Industrieeinsatz (Wartung/Entpannung, Produkteentwicklung ist ggf. was anderes) ist die Genauigkeit ausser z.B. bei Kalbrationen meist ziemlich sekundär.
Für eine Steckdose mag das stimmen. Da schwankt die Spannung im Laufe eines Tages deutlich mehr als der Messfehler jedes Messgerätes. Wenn man aber auch kleine Ströme/Spannungen/Widerstände messen möchte, wird die Genauigkeit deutlich wichtiger. Gerade bei Widerständen wird es interessant, viele günstige Geräte haben hier keine Nachkommastelle. Da wird fast jede leitfähige Verbindung zum Supraleiter mit 0 Ohm...

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m_karl
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Re: Strommesszange

Beitrag von m_karl » 12. Sep 2019, 08:21

@Herter: Ja, ich hätte auch lieber eine Fluke Strommesszange, aber naja da sind wir in einer anderen Größenordnung vom Preis her. Ob meine Billigzange bei der Messung von Spannung im Auto defekt gehen würde weiß ich nicht, weil ich die sowieso nicht für Spannungsmessung einsetze. Dafür habe ich Multimeter, die haben eine ordentliche und sichere Eingangsschaltung on top.

Und ich verstehe "Measurement Confidence" - nichts beschissener wenn im Werkzeugwagen bei der Produktionslinie ein Billigmultimeter liegt, die Anzeige für eine schwache Batterie leuchtet und man einen Unplausiblen Wert bekommt. Nur um 10min quer durch die Firma zu rennen, ein Fluke zu holen, was den genau den gleichen unplausiblen Wert ausspuckt. Das war der Tag wo ich festgestellt habe, dass das Relais Solid State war und kein mechanisches und mein erstes Fluke privat bestellt habe.

Aber ja, Vertrauen gibts unter 100 € halt nicht, und eine billige Strommesszange hilft einem im Zweifelsfall mehr als gar keine. Ich nutze die Uni-T sporadisch und hat soweit funktioniert. Solche Messgeräte gibts schon auch noch, auch bei Multimetern. EEVblog hat stundenlanges Material, welche Multimeter in der 50 und 100 Geld Klasse eine ausreichende Funktion und Sicherheit bieten.

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Re: Strommesszange

Beitrag von -Zoli- » 12. Sep 2019, 21:16

Herter hat geschrieben:
11. Sep 2019, 23:35
m_karl hat geschrieben:
13. Jan 2019, 00:07
Also Anlasserstrom mit einer Stromzange messen ist generell schwierig, abgesehen dass der Anlassvorgang sehr kurz ist wird der Strom sehr inkonsistent sein. Am Anfang eine ordentliche Spitze weil es ja ein DC-Bürstenmotor ist und dann alternierend durch die Kompression. Einen sinnvollen Wert ablesen stell ich mir schwierig bis unmöglich vor. Eher ein Oszilloskop mit Stromwandler?
Gute AC/DC Strommesszangen verfügen über eine Max. bzw. Peak Messfunktion, mit der man Anlaufstromspitzen messen kann. Zudem ist TRMS (True RMS) in gewissen Fällen sinvoll, da man ja nicht immer lineare Lasten hat und demnach die aufgenommenen Ströme entsprechend auch nicht sinusförmig sind.
Welche teurere Meßzange kan auch DC im Miliamperbereich messen?

Ansonstens sieht der ut-210e von innen nicht besonders schlimm aus, eher das geenteil ist der Fall, warscheinlich hält es was drauf steht.
Ein Mann am Youtube namens John Smith hat sich übrigen darauf spezialisiert, die durchaltefähigkeit von Multimeter zu testen, es lohnt sich seine Videos anzuschauen.


Hier der 210e von innen: Es gibt genug Schutz wie ich es sehe. Und der Strom fließt ja nicht durch, also eigentlich idiotensicher.
ut-210 e.jpg
(von hier:)
https://www.eevblog.com/forum/testgear/ ... -t-ut210e/
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Herter
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Re: Strommesszange

Beitrag von Herter » 13. Sep 2019, 01:43

Kommt auf das Bereichsende an.

Im untersten Bereich (so. ca. bis 100 mA) kann man u.a. DC-Strommesszangen einsetzen, die ursprünglich für 0/4-20 mA Prozessignale entwickelt wurden (z.B. FLuke und diverse andere Hersteller).

Für höhere Strombereiche gibt es DC- sowie AC/DC-Strommesszangen wie z.B. diese (Extech gehört FLIR, bekannter Marktleader im IR Kamera Bereich), Fluke hat AFAIK nichts Vergleichbares im Programm, nicht zu verwechseln mit den üblichen AC/DC-Strommesszangen):
http://www.extech.com/display/?id=14177
http://www.extech.com/category/?id=17250

Zudem gibt es DC Strommesswandler sowohl einsatzfertig wie auch als Komponenten (z.B. LEM), dabei jedoch genau auf die Spezifikationen achten.

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Re: Strommesszange

Beitrag von powersupply » 13. Sep 2019, 02:28

Hey, genau so ein Zangenamperemeter hatten wir mal hier in der Werkstatt! War mir wegen der kompakten Bauform sofort super sympatisch.
Nur leider war die nach nicht mal 2 Monaten schon wieder unauffindbar. :evil:
Seitdem müssen wir uns mit einem 1000A Klopper von Fluke rumschlagen :cry:
Herter hat geschrieben:
13. Sep 2019, 01:43
Im untersten Bereich (so. ca. bis 100 mA) kann man u.a. DC-Strommesszangen einsetzen, die ursprünglich für 0/4-20 mA Prozessignale entwickelt wurden (z.B. FLuke und diverse andere Hersteller).
Ich denke nicht, dass wir uns hier für den privaten Bereich über solche Zangen unterhalten müssen. Da spricht schon der Preis dagegen.
Deswegen auch meine Empfehlung für die Uni-T. Egal ob nun die 210er oder die 211.

PS

heinwi
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Re: Strommesszange

Beitrag von heinwi » 5. Jan 2020, 19:08

Interessantes Thema, kann ich mit so einer Strommesszange auch Kriechströme am Motorrad feststellen?
Habe bei meiner alten Harley immer Probleme nach gewisser Zeit das die Batterie alle ist.
Das Moped hat keinen Starter und somit nur eine kleine 5Ah Batterie.
Passt hier nicht ganz hin aber vielleicht kann mir der geneigte Elektrische einen Tip geben mit welchem Messwerkzeug man sich hier am besten auf die Suche machen kann.

Heinz

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Re: Strommesszange

Beitrag von michaelhild » 5. Jan 2020, 19:52

Wenn diese einen entsprechenden Messbereich hat, dann ja.
Das von mir erwähnte UNI-T UT-211 wäre so eines.
Grüße Micha

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http://michael-hild.blogspot.com

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Re: Strommesszange

Beitrag von J-A-U » 5. Jan 2020, 20:30

Die UT211B ist mit 2% Genauigkeit bei 60A angegeben, das wären 1,2A Abweichung. Damit misst man keine "Kriechströme".
Übrigens nicht zu verwechseln mit der UT211, die kann nämlich nur AC.


mfg JAU
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Re: Strommesszange

Beitrag von Ein_Gast » 5. Jan 2020, 21:01

Das geht schon. Nur sind diese Zangen meistens für größere Ströme ausgelegt. Wenn du tatsächlich Ströme im unteren mA- oder sogar µA-Bereich (da liegen ja meistens Kriechströme) messen willst, dann gehen die entsprechenden Zangen (vor allem für Gleichstrom) zwischen 200 und 300 € los. Dein Suchbegriff dürfte in diesem Fall "Leckstromzange" sein.

Mit einem einfachen Multimeter musst du zwar den Stromkreis trennen, aber selbst günstige Geräte können noch kleine Ströme anzeigen. Die Genauigkeit ist dabei übrigens zweitrangig. Ob dein Kriechstrom 22 oder 25 mA groß ist, interessiert nicht wirklich - wichtig ist, dass deine Anzeige dann nicht 0,0 A lautet.

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