Gefaehrlicher Schrott vom Discounter!?

Über alle Handwerkzeuge wie Hammer, Schraubendreher oder Drehmomentschlüssel kann hier diskutiert werden.

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Dirk
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Gefaehrlicher Schrott vom Discounter!?

Beitrag von Dirk » Freitag 30. Juli 2004, 22:50

Hallo,

im Falle der "VDE-Schraubendreher" kann man bei Aldi wohl doch mal wieder sagen: Schrott vom Discounter. Man muss halt hoellisch aufpassen, was man dort kauft. Die Master-/Slave-Steckdosen vor einigen Wochen waren ein absoluter Schnapp, und jetzt sowas.

Ein schlechter Witz allerdings auch der Brief von der VDE. Keine Stellungnahme, nur Gefasel, in welchem an erster Stelle der Vorgang nach Lehrbuch beschrieben wird, den noch nichteinmal gepruefte Elektriker so einhalten, und dann wird nur noch beschrieben, wie der Pruef-Vorgang eigentlich auszusehen haette (und bei innerdeutschen Herstellern sicherlich auch penibelst eingehalten wird). Mich wuerde mal interessieren, wie die VDE den Ursprungshersteller im eigenen Land besucht und die Produktion geprueft hat...

Und: wenn doch sowieso nur gepruefte Menschen an Elektroanlagen Hand anlegen duerfen - wieso darf Aldi dann ueberhaupt entsprechendes Werkzeug verkaufen?

Dirk
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hs

Beitrag von hs » Samstag 31. Juli 2004, 00:45

Hi,

erstmal muß ich dem Betreiber dieser Website ein Lob aussprechen, daß er sich mit den entsprechenden Institutionen anlegt. Man kann sich damit nämlich viel Ärger ... oder zumindest viel Streß einhandeln.

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Es gab ja bereits im Vorfeld einen Thread zu dem Schraubendreher-Thema - in dem ich ja bereits schrieb
Desweiteren vermute ich, daß Aufgrund der riesigen Menge/Vielfalt von Produkten ... und der geringen Ressourcen zum Prüfen, eh' nicht so genau getestet werden kann.
was sich ja zu bewahrheiten scheint.

Objektiv betrachtet ist die Argumentation seitens der Prüfstelle sicher schwer beizukommen, denn :
sicher birgt eine nicht DIN-gerechte Klinge die Gefahr des Abrutschens. Nur ist die Gefahr genauso bei zu klein gewähltem oder 'etwas' verschlissenem Werkzeug gegeben. Letztendlich wird also nur die Isolation des 'Metallstiftes' (der Dreherklinge) gegenüber dem stromführenden Leiter zählen. Das dort keine verschlissenen Schrauben, DIN-gerechte Schrauben* vorhanden sind, bzw. der Schraubendreher passen muß, dafür hat der Bediener selbst zu sorgen, bzw. das Wissen zu haben.
Hat er es nicht, so hat er nichts an der Anlage zu suchen. Hat er es und erkennt er die Gefahr, so muß er die Anlage zur gefahrlosen De-/Montage stromlos machen.
(* ich möchte nicht wissen, wieviele nicht-DIN-gerechte Schrauben an elektrischen Anlagen verbaut wurden)

Bei der Drehmomentsprüfung sieht es schon etwas anders aus - allerdings wäre es wirklich mal interessant gewesen, eine ganze Reihe von Markenprodukten mit testen zu lassen.

In beiden Fällen aber darf man Aldi keinen Vorwurf machen (genau wie dem Fleischereibetrieb, wenn er durch schlechtes Futtermittel verdorbenes Fleisch an Kunden verkauft).
Für korrekte Ware ist einerseits der Hersteller zuständig - und ganz sicher die Prüforganisation.
Letztendlich wird es selbst bei einem Unfall schwer sein, einen der beiden heranziehen zu können : Serienstreuung beim verwendeten Material .... tatsächlich aufgebrachte Handkraft ... vorher Werkzeug zu anderen Zwecken mißbraucht und daher bereits 'angeknackst', etc. .... die Möglichkeiten sind vielfältig.

@Dirk
Und: wenn doch sowieso nur gepruefte Menschen an Elektroanlagen Hand anlegen duerfen - wieso darf Aldi dann ueberhaupt entsprechendes Werkzeug verkaufen?
na ja, - wo willst Du denn dann anfangen - und wo aufhören ?
Den halben Baumarkt leerräumen ? Die Hälfte des KFZ-Ersatzteilverkaufs verhindern ?
Schraubenschlüssel oder Drehmomentwerkzeuge nur noch nach Vorlage eines Facharbeiterbrief's verkaufen .... weil man damit ja z.B. Bremsen (de-)montieren kann ? Ähnliches bei Schweißgeräten (weil man sich damit ja Druckbehälter ;-) zusammenschweißen könnte) ?
Der Laden, der die Werkzeuge verkauft kann doch nicht wissen wie kompetent der jeweilige Käufer ist, bzw. was er damit vorhat.

Gruß, hs

Black-Gripen
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Beitrag von Black-Gripen » Samstag 31. Juli 2004, 11:22

Der Laien-Käufer kann ja jetzt sehen, was die Prüfsiegel wert sind.

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H.-A. Losch
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Beitrag von H.-A. Losch » Montag 2. August 2004, 17:09

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Alfred
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Beitrag von Alfred » Montag 2. August 2004, 21:13

Hallo,
ich habe noch nie auf das VDE Zeichen geschaut und bin immer gut damit gefahren. Es kennen wohl mehr Bundesbürger das VDE Zeichen als den Bundeskanzler, vielleicht sollte man alle zusammen.........

Gruß
Alfred

J-S-C
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Beitrag von J-S-C » Montag 2. August 2004, 21:22

VDE ist wohl ein Begriff.. aber ich habe da so wie alfred nie wirklich drauf geachtet.

Black-Gripen
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Beitrag von Black-Gripen » Mittwoch 4. August 2004, 09:02

Alfred, sprich dich ruhig aus.

Martin
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Beitrag von Martin » Mittwoch 4. August 2004, 09:54

Was passiert denn jetzt eigentlich mit den Schrott-Schraubendrehern von Aldi? Kann man die zurückgeben?

JürgenB
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Beitrag von JürgenB » Mittwoch 4. August 2004, 10:15

Ein Zitat aus dem ausführlichen Bericht zu diesem Thema:"Man stelle sich einmal vor, wenn ein Anwender mit den vermeintlich sicheren VDE-Schraubendrehern in einem unter Spannung stehenden Schaltschrank arbeitet und beim Lösen einer festsitzenden Schraube abrutscht und mit der Hand in spannungsführende Leitungen gerät." :shock:

Wenn sich ein ernsthafter Elektriker oder sonstwie mit Elektrik in Berührung kommender Handwerker auf einen Satz Schraubendreher für 3,99 €uro aus dem ALDI verläßt, der muss von allen guten Geistern verlassen sein. Ich kenne eigentlich nur Handwerker die vernünftiges Werkzeug verwenden, wenn der allerdings mit so nem 08/15 Werkzeug aufkreuzt, und ich das sehe, dann kann der sofort, aber sowas von sofort wieder gehen, das kann der sich nicht vorstellen, denn meiner Meinung nach kann dann die restlich Arbeit ebenfalls nur von minderwertiger Qualität sein.

@martin, wenn der Kauf noch nicht allzulange her ist, sprich nicht mehr als 4 Wochen, gib das Ding in Deiner Filiale zurück, dann kriegst du das Geld wieder, einfach mit dem Hinweis, du wärest mit der Qualität des Satzes nicht zufrieden.

Just my 2 cents

jürgen
Gruß

Jürgen

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Beitrag von Black-Gripen » Mittwoch 4. August 2004, 10:46

Jürgen B. hat einen sehr interessanten Aspekt eingeworfen.

Wenn ich einen Fachmann sehe der sich mit Billgwerkzeug eindeckt und nicht abgrenzen kann wo wirklich gutes Zeug her muss, und wo mal ein Baumarkt Artikel o.k. ist, dann muss ich mir über seine Arbeit wirklich gedanken machen.

Gerade jetzt wo die Kohle nicht mehr so locker sitzt. Auch bei den Anbietern von Hommel (HHW) und Hoffmann, bin ich manchmal überrascht was die so für Schrott haben.

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