Stammholz trocknen und lagern

Alles über Holzbearbeitung, Holzarten, fachgerechte Verbindungen und praktische Tipps für die Werkstatt. Darüber wird hier diskutiert.

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burnie86
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Stammholz trocknen und lagern

Beitrag von burnie86 » Donnerstag 24. Februar 2011, 18:35

Moin,
in der nächsten Zeit steht eine etwas größere Baumfällaktion an. Relativ alte Hochstämme sollen weg, da sie kaum noch tragen und es mittlerweile doch sehr hoch wird mit der Leiter.
Das Vorgehen meines Vaters ist normalerweise: sieht aus wie Holz, fühlt sich an wie Holz, wird Brennholz. Halte ich vom Prinzip her auch nicht für verkehrt, nur manchmal ist es etwas schade, wenn man schön gewachsene Kirsche mit 20cm Durchmesser zu Brennholz macht.

Da kein Brennholzmangel besteht und Lagerplatz auch genug zur Verfügung steht, wollte ich das Holz erstmal einlagern und trocknen, falls man mal jemand hat, der es gebrauchen kann. Vllt wird man ja mal selbst zum Holzwurm - und im Zweifelsfall kann man das Holz noch immer zu Brennholz machen.

Nun die großen Fragen. Macht die ganze Sache überhaupt etwas Sinn? Oder ist es für "Nichtprofis" unmöglich das Holz ordentlich zu trocknen?
Wie gehe ich da am Besten ran? Vor allem wie verhindere ich dass das Holz springt. Die Enden mit Lack bestreichen?

Freue mich hier über jede Meinung, und ganz besonders über die der Oberholzwürmer hier, z.B. Dietrich :)

Gruß aus Hamburg,
Burnie

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Re: Stammholz trocknen und lagern

Beitrag von Raubsau » Donnerstag 24. Februar 2011, 19:52

Wenns richtig schönes Holz ist würde ich die Rinde dran lassen und die Enden mit Wachs versiegeln (bei Fichte und Lärche spare ich mir das). Wenn man die Rinde runterschält trocknets schneller, man riskiert aber auch eher Risse.

Wichtig ist, dass du das Holz an einem "milden" Platz, also am besten gut belüftet und vor allem mit etwas Abstand zum Boden lagerst. Mild heißt, dass eine Abdeckung in irgendeiner Form drauf sein muss - ideal wäre z.B. ein schattiges Carport. Der Stamm sollte keinesfalls in der prallen Sonne liegen, da trocknet er zu ungleichmäßig und die Risswahrscheinlichkeit ist sehr hoch.
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Re: Stammholz trocknen und lagern

Beitrag von Dietrich » Donnerstag 24. Februar 2011, 22:31

Hallo Burnie,

nach so einer netten Aufforderung gerne:

Zunächst die Frage, bist Du Dir bei 20cm Durchmesser sicher?
Wenn ja dann Brennholz!
Besser mal genau messen, Hochstamm/alter Baum kann ich nicht glauben das der nur 20cm haben soll.

Ab etwa 35cm Duchmesser und einer Länge ab etwa 1,2m lohnt es sich einschneiden zu lassen, dicker und länger wäre natürlich besser.

Wichtig, unterm 1. Ast abschneiden, denn ab dort ist der Stamm ansich unbrauchbar.

Schnellstmöglich nach dem Fällen zum Sägewerk und Dielen schneiden lassen. Über die Dielenstärke Gedanken machen, ich nehme bei Kirsche gerne 40mm.

Die entstandenen Schwarten zum Brennholz, die Dielen mit Waldkante (Rinde) auf Nadelholzleisten aufstapeln an einem trockenen durchlüfteten Ort.

Die Dielenenden kann man mit Weißleim bestreichen.

Gibt Kollegen die entfernen die Rinde vor dem Einlagern.

Bei 40mm Stärke kann man nach gut 2 Jahren Lagerzeit mit dem Besäumen beginnen und auch Breiten sägen ist möglich.
Ich säge die Dielen nach dem besäumen in 10-12cm breite Bretter.
Lagere diese erneut auf Leisten in der beheizten Werkstatt, mind. 3 Mon.
Danach kann man 4-seitig Hobeln und Möbel bauen.
Gruß Dietrich

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Re: Stammholz trocknen und lagern

Beitrag von Raubsau » Donnerstag 24. Februar 2011, 23:24

@Dietrich
Frisches Holz habe ich noch nie Sägen lassen. Verziehen sich die Dielen nicht?
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Re: Stammholz trocknen und lagern

Beitrag von Dietrich » Donnerstag 24. Februar 2011, 23:32

Hallo Raubsau,

Eichenholz könnte man einige Zeit als Stamm liegen lassen, aber Kirsche muß gesägt und kontrolliert gelagert werden.

Klar können sich Dielen beim Trocknen verziehen, ein Stamm reißt, danach ist es Essig mit einschneiden.
Gruß Dietrich

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Re: Stammholz trocknen und lagern

Beitrag von Raubsau » Donnerstag 24. Februar 2011, 23:50

Eichenholz könnte man einige Zeit als Stamm liegen lassen, aber Kirsche muß gesägt und kontrolliert gelagert werden.
Ah, das ist natürlich eine Erklärung, Kirsche hatte ich nie. Bei meiner nächsten schönen Esche muss ich glatt mal probieren die Dielen zu lagern, vielleicht könnte man da ja wirklich was draus machen...

Noch ein kleiner Nachtrag, weniger hier zum Thema aber allgemein zur Holzlagerung: Ich habe vor einigen Jahren bei einer Schlägerung mal einen schönen Ahorn entdeckt, bis 6m Höhe keine Äste, wunderbares Holz, langsam gewachsen und doch recht dick. Mit sowas kann man ganz gut Geld verdienen wenn daheim kein Platz oder bedarf für neue Möbel ist :wink:

Mit den beiden Bäumchen konnte man sich fast nen halbwegs guten Gebrauchtwagen oder in meinem Fall eben meine (frühere) Emco Drehbank leisten :mrgreen:
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Re: Stammholz trocknen und lagern

Beitrag von burnie86 » Freitag 25. Februar 2011, 17:38

so, die ganze Sache wurde nochmal überprüft und hat sich damit nun "etwas" geändert.

Kirsche ist es insgesamt nur eine, und die ist dünn und hat mal einen Sturm- oder Hagelschaden bekommen, also die wird Brennholz.

Die anderen Bäume die noch weg sollen sind Apfel, Birne und Zwetschge.

Wie schaut es aus mit deren Holz?

Gruß aus Hamburg,
Burnie

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Re: Stammholz trocknen und lagern

Beitrag von ChristianA » Montag 28. Februar 2011, 20:09

Servus, Kollegen!
Raubsau hat geschrieben:Wenn man die Rinde runterschält trocknets schneller, man riskiert aber auch eher Risse.
Dietrich hat geschrieben: Die entstandenen Schwarten zum Brennholz, die Dielen mit Waldkante (Rinde) auf Nadelholzleisten aufstapeln an einem trockenen durchlüfteten Ort.

Die Dielenenden kann man mit Weißleim bestreichen.

Gibt Kollegen die entfernen die Rinde vor dem Einlagern.
Das Thema "Rinde entfernen oder nicht" scheint umstritten zu sein. Ich tendiere eher dazu, die Rinde zu entfernen, um jene unliebsamen Gäste, die sich oftmals darunter befinden, "auszuquartieren".

Christian

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Re: Stammholz trocknen und lagern

Beitrag von Raubsau » Montag 28. Februar 2011, 20:20

@Christian
Bei frischer Fichte, die einige Zeit lagert bevor sie zur Säge kommt, sollte man die Rinde auf jeden Fall von wegen Borkenkäfer entfernen. Bei Lärchen usw. lasse ich das die Leute im Sägewerk erledigen, die ist den meisten Schädlingen zu harzig.

Viele entfernen die Rinde auch nicht wegen der Schädlinge sondern wegen des Drecks wenn sie irgendwann abfällt, das ist in der Werkstatt ja auch nichts anderes als Müll oder höchstens Brennstoff. Wenn man das Bäumchen auftrennen lässt macht die Rinde nicht mehr viel in Sachen Trocknung aus, da ist fast egal ob sie oben ist oder nicht.

@burnie
Ich würde mal vermuten, dass es sich dabei gleich verhält wie Dietrich beschrieben hat? Eine Zwetschke muss meines Wissens immer vor dem Trocknen aufgetrennt werden da sie sehr leicht Risse bekommt.
Ich würde mir die Bäumchen aber erstmal "von innen" ansehen bevor ich Platz fürs Holz mache. Meist sind Obstbäume nur mehr fürs Brennholz geeignet da sie in der Mitte entweder hohl, völlig braun oder einfach nicht gut gewachsen sind.
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Re: Stammholz trocknen und lagern

Beitrag von Dietrich » Dienstag 1. März 2011, 17:31

Hallo Christian, hallo Raubsau,

da ich noch nie Nadelholz als Dielen eingelagert hatte, wenn dann Leimbinder vom Zimmerer, hatte ich mich Holzschädlingen noch keine Probleme.
Obsthölzer, Buche, Eiche lagern auch mit Rinde ohne zu gammeln.

Hier muß ich energisch wiedersprechen, gerade die alten Obstholz Hochstämme, Kirsch, Birn aber auch Zwetschge sind sehr oft zu gebrauchen. Zwetschge hat natürlich das Problem mit dem weißen Pilz im Kern, dann weg damit.
Eines der schönsten Hölzer überhaupt, finde ich, ist Aprikose, leider kaum große Durchmesser verfügbar.
Und natürlich NUß, da muß man eigentlich nichts zu sagen, ab 65cm Stammdurchmesser wird es interessant, 100cm ist nat. besser, bei 3,5m Länge, welcher Holzwerker träumt nicht von so etwas.
Gruß Dietrich

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