Toleranzen bei Führungsschienen

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michaelhild
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Re: Toleranzen bei Führungsschienen

Beitrag von michaelhild » 18. Aug 2018, 10:05

Denke auch nicht, dass wenn man es in der Relation sieht, 2€ für die Bearbeitung der Führung reichen. Zumal ein Profilhersteller wahrscheinlich gar keine Möglichkeit dazu hat, also entweder weitere Maschinen kaufen oder außer Haus bearbeiten lassen.
Solche Schienen werden jetzt schon Jahrzehnte so produziert und eingesetzt, es meckert so gut wie keiner über solche Probleme.
Vielleicht liegt es an falschen Erwartungen. Ne FS mit aufgesetzter Handmaschine ist keine Linearführung.

Wenn +/- 0,25 mm die Norm ist, dann liegen ja alle hier genannten Schienen in dieser. Ist doch gut.

Ich habe mit der FSK sieben Schienen im Einsatz und bei keiner Kombination bis jetzt irgendwelche Schwierigkeiten gehabt und auch keine meiner Sägen oder OF-Führungen speziell eingestellt.
Klar bei der ein oder anderen schiebt es sich leichter oder schwerer, ja und was solls? Liegt Dreck auf der Schiene gehts auch schwerer.
Relevante Ungenauigkeiten am "Endprodukt" konnte ich bisher auch keine Feststellen. Nebenbei im Winter hats in der Werkstatt um 30% Luftfeuchte, im Moment fast 70%, da fällt ein evtl. Spiel auf der Schiene am Holz nun wirklich nicht ins Gewicht.

Probleme, sprich ein Haken am Übergang kommt meistens dann zum Vorschein, wenn die Schienen zu dicht aneinander gekoppelt werden. Es sollte so 2-3mm Abstand vorhanden sein:
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Grüße Micha

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Kony
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Re: Toleranzen bei Führungsschienen

Beitrag von Kony » 19. Aug 2018, 12:08

2€ für die Bearbeitung der Führung, das würde nur in einer Fertigungsstraße gehen.
Man muss mal überlegen was eine Maschinenstunde überhaupt kostet...
Gruß
Kony

Dev
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Re: Toleranzen bei Führungsschienen

Beitrag von Dev » 19. Aug 2018, 13:23

J-A-U hat geschrieben:
18. Aug 2018, 06:01
Ich finde es etwas befremdlich wenn davon ausgegangen wird das eine Schiene die, ohne Fräsarbeiten, 60€ kostet die zusätzliche Bearbeitung nur 2€ kosten soll.
Das nennt man Erfahrung. :wink:

Wir lassen in China ein (zwar sehr viel kürzeres) Strangpressprofil (aber dafür deutlich aufwendiger) nacharbeiten:
1. Von Hand spannen
2. 5-Achs CNC Bearbeitung der Oberseite, Laufzeit ca. 40s
3. Umspannen von Hand
4. 5-Achs CNC Bearbeitung der Unterseite, Laufzeit ca. 100 s
5. Reinigen und Eintüten

Das kostet bei aktuellem Wechselkurs knapp 2,50 €.
Und das bei Stückzahlen, die wohl eher kleiner sind als bei Festool.
Und wir lassen das von einer renommierten Firma machen, keine Hinterhofbude.

Bei Profilen dieser Länge bietet sich natürlich eine kleine Sondermaschine an, die die noch nicht abgelängten Profile durchzieht und beide Seiten gleichzeitig fräst. Dann gehen die Kosten noch mal signifikant nach unten. Und diese "Sondermaschine" besteht aus einem 3-Rollen Andrucklager zur Führung, zwei Frässpindeln und einer Vorschubeinheit. Da ist also nicht viel zu konstruieren. Da ist es dann auch egal, in welchem Land die Maschine steht, da kein Anfassen von Einzelstücken mehr erforderlich ist.

Man vertut sich leicht bei den Kosten. Nur weil die Führungsschiene sowieso schon sehr hochpreisig verkauft wird, muss die Bearbeitung nicht automatisch teuer sein. Da kommt es primär auf die Bearbeitungszeit an. Und die Vorschubgeschwindigkeit kannst Du bei modernen Werkzeugen in m/min messen. Für eine 1400 mm FS fallen da Bearbeitungszeiten < 30 s an.

Was ich damit nur sagen möchte: Wenn man will, kann man das mit überschaubarem Aufwand machen. Und die von mir genannten 2 € sind keineswegs realitätsfern.

Ob es notwendig ist wurde hier ja schon recht kontrovers diskutiert. Ich würde es eher als komfortmerkmal einstufen denn als notwendig.

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Re: Toleranzen bei Führungsschienen

Beitrag von Brandmeister » 19. Aug 2018, 14:18

michaelhild hat geschrieben:
18. Aug 2018, 10:05
...
Zumal ein Profilhersteller wahrscheinlich gar keine Möglichkeit dazu hat, also entweder weitere Maschinen kaufen oder außer Haus bearbeiten lassen.
Solche Schienen werden jetzt schon Jahrzehnte so produziert und eingesetzt, es meckert so gut wie keiner über solche Probleme
...
Ob der Profilhersteller die Möglichkeit hat, Profile nachzubearbeiten wird wohl einzig daran liegen, was er für Profile herstellt und ob das Nacharbeiten (lassen) nötig ist. Bei Führungsschienen für handgeführte Sägen ist das offensichtlich nicht der Fall. Es gibt ja aber auch Branchen, in denen es auf den Submillimeterbereich ankommen kann (Luft- und Raumfahrt, Rüstung).
Dev hat geschrieben:
19. Aug 2018, 13:23
Wir lassen in China ein (zwar sehr viel kürzeres) Strangpressprofil (aber dafür deutlich aufwendiger) nacharbeiten...
Ich habe zwar keine Ahnung, zu welchem Verwendungszweck bei euch Profile hergestellt werden, aber kannst du eventuell einen Hinweis darauf geben und/oder mit was für Toleranzen (Zehnerpotenz reicht) ihr arbeitet, dass Nachbearbeitung nötig ist?
Die Physik gewinnt immer!

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Re: Toleranzen bei Führungsschienen

Beitrag von Dev » 19. Aug 2018, 14:38

Brandmeister hat geschrieben:
19. Aug 2018, 14:18
Ich habe zwar keine Ahnung, zu welchem Verwendungszweck bei euch Profile hergestellt werden, aber kannst du eventuell einen Hinweis darauf geben und/oder mit was für Toleranzen (Zehnerpotenz reicht) ihr arbeitet, dass Nachbearbeitung nötig ist?
Eigentlich wäre es eher ein klassisches Frästeil, aber wenn man mit einem kundenspezifischen Strangpressprofil startet, ist weniger Material zu entfernen. Dadurch sparen wir Fräszeit (und somit natürlich auch Geld).
Zieltoleranz ist +/- 0,05 für einige Flächen, andere sind unkritischer. Das sind Anlageflächen für andere Bauteile, die damit auf Position gehalten werden.

Bilder möchte ich nicht einstellen. Da wäre mein Arbeitgeber sicher nicht begeistert.

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Re: Toleranzen bei Führungsschienen

Beitrag von Brandmeister » 19. Aug 2018, 14:45

@Dev
Erstmal Danke für die Erläuterung, trägt doch sehr zum Verständnis bei. Für den zweiten Teil (keine Bilder) hast du zumindest mein vollstes Verständnis. :bierchen:
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Re: Toleranzen bei Führungsschienen

Beitrag von Kony » 19. Aug 2018, 16:33

Dev hat geschrieben:
19. Aug 2018, 13:23


Wir lassen in China ein (zwar sehr viel kürzeres) Strangpressprofil (aber dafür deutlich aufwendiger) nacharbeiten:
1. Von Hand spannen
2. 5-Achs CNC Bearbeitung der Oberseite, Laufzeit ca. 40s
3. Umspannen von Hand
4. 5-Achs CNC Bearbeitung der Unterseite, Laufzeit ca. 100 s
5. Reinigen und Eintüten

Das kostet bei aktuellem Wechselkurs knapp 2,50 €.
Und das bei Stückzahlen, die wohl eher kleiner sind als bei Festool.
Und wir lassen das von einer renommierten Firma machen, keine Hinterhofbude.

Bei Profilen dieser Länge bietet sich natürlich eine kleine Sondermaschine an, die die noch nicht abgelängten Profile durchzieht und beide Seiten gleichzeitig fräst. Dann gehen die Kosten noch mal signifikant nach unten. Und diese "Sondermaschine" besteht aus einem 3-Rollen Andrucklager zur Führung, zwei Frässpindeln und einer Vorschubeinheit. Da ist also nicht viel zu konstruieren. Da ist es dann auch egal, in welchem Land die Maschine steht, da kein Anfassen von Einzelstücken mehr erforderlich ist.

Man vertut sich leicht bei den Kosten. Nur weil die Führungsschiene sowieso schon sehr hochpreisig verkauft wird, muss die Bearbeitung nicht automatisch teuer sein. Da kommt es primär auf die Bearbeitungszeit an. Und die Vorschubgeschwindigkeit kannst Du bei modernen Werkzeugen in m/min messen. Für eine 1400 mm FS fallen da Bearbeitungszeiten < 30 s an.

Was ich damit nur sagen möchte: Wenn man will, kann man das mit überschaubarem Aufwand machen. Und die von mir genannten 2 € sind keineswegs realitätsfern.

Ob es notwendig ist wurde hier ja schon recht kontrovers diskutiert. Ich würde es eher als komfortmerkmal einstufen denn als notwendig.
Und den "Aufschlag" nicht vergessen...bei uns sind es 200%, die Firma lebt ja nicht von "Produktionskosten".
Es müssen die Mitarbeiter und der Manager bezahlt werden.
Gruß
Kony

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Re: Toleranzen bei Führungsschienen

Beitrag von Dev » 19. Aug 2018, 17:17

Natürlich. Das sind ja erst einmal die reinen Herstellkosten. Bei solchem Zubehör wie Führungsschienen sind die 200 % Aufschlag durchaus realistisch.

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