US-Strafzölle für deutsche Werkzeuge

09.10.2019

Strafzölle belasten Werkzeug-Hersteller

Deutsches Werkzeug ist auch in USA begehrenswert. Doch jetzt soll es teurer werden.

Mit Unverständnis reagieren die deutschen Werkzeug-Hersteller auf die nun von der USA angekündigten Strafzölle in Höhe von 25 Prozent. Diese Zölle sollen bereits ab dem 18. Oktober wirksam werden und fallen zusätzlich zu den bereits hohen US-Einfuhrzöllen an.

Die Strafzölle sind eine Reaktion der USA auf EU-Subventionen für den Flugzeughersteller Airbus, die von der Welthandelsorganisation WTO für unzulässig erklärt wurden.

Betroffen von den Strafzöllen sind Flugzeuge aus Europa mit zehn Prozent Zoll. Für eine Vielzahl weiterer Produkte aus einzelnen Ländern der EU wollen die Amerikaner 25 Prozent Zoll erheben. Dazu gehören zum Beispiel Wiskey und  Kleidung aus UK, Käse, Oliven und Fleischprodukteaus mehreren EU-Staaten. Speziell aus Deutschland sollen unter anderem Kaffee und Werkzeuge mit zusätzlich 25 Prozent verzollt werden. Hier ein Auszug aus der amerikanischen Liste mit Zolltarifnummern (unverbindliche Übersetzung des FWI)

  • 8201.40.60 Äxte, Beile, Haumesser und ähnliche Werkzeuge zum Hauen oder Spalten (außer Macheten) und Metallteile davon
  • 8203.20.20 Pinzetten
  • 8203.20.60 Kneifzangen/Beißzangen und andere Zangen (auch zum Schneiden), und ähnliche Werkzeuge
  • 8203.30.00 Scheren zum Schneiden von Metallen und ähnliche Werkzeuge und Metallteile davon
  • 8203.40.60 Rohrschneider, Bolzenschneider, Locheisen, Lochzangen, und ähnliche Werkzeuge und Metallteile davon
  • 8205.40.00 Schraubendreher und Metallteile davon
  • 8211.93.00 Messer mit nicht feststehender Klinge
  • 8211.94.50 Klingen für Messer mit nicht feststehender Klinge
  • 8467.19.10 Pneumatisch betriebene Werkzeuge, von Hand zu führen, nicht rotierend, zum Bearbeiten von Metallen
  • 8467.19.50 Pneumatisch betriebene Werkzeuge, von Hand zu führen, nicht rotierend, nicht zum Bearbeiten von Metallen
  • 8467.29.00 Elektrische Handwerkzeuge außer solchen zum Bohren und Sägen
  • 8505.11.00 Dauermagnete und Waren, die dazu bestimmt sind, nach Magnetisierung Dauermagnete zu werden, aus Metall

 

„Es ist völlig inakzeptabel, dass die kleinen und mittelständischen deutschen Werkzeughersteller nun in diesen Konflikt der subventionierten Flugzeugindustrie hineingezogen werden", so Michael Kleinbongartz, Vorsitzender des Fachverband Werkzeugindustrie e. V. (FWI).

Die USA sind mit 8,5 Prozent Anteil an den Ausfuhren der deutschen Werkzeugindustrie der wichtigste Exportmarkt. Experten gehen davon aus, dass deutsche Handwerkzeuge trotz ihrer hohen Qualität durch die Strafzölle in den USA praktisch unverkäuflich werden. „Dies wird einige Firmen hart treffen, gerade zum jetzigen Zeitpunkt, wo sich auch die Konjunktur in Deutschland abschwächt", befürchtet FWI-Geschäftsführer Stefan Horst.

Weitere Ungerechtigkeiten sehen die Werkzeug-Hersteller darin, dass nur ausgewählte Werkzeuggruppen wie Zangen, Äxte, Scheren und Schraubendreher betroffen sind. Auch sollen die Strafzölle nur für deutsche, nicht jedoch für andere europäische Hersteller gelten, obwohl Airbus ein europäisches Gemeinschaftsunternehmen ist. „Vielleicht sind diese selektiven Strafzölle auch eine Reaktion auf den Erfolg der deutschen Hersteller auf dem US-Markt und der aktuelle Handelskonflikt dient nur als willkommener Vorwand", vermutet Stefan Horst.

Der Fachverband der Werkzeugindustrie hat bereits Kontakt zum Bundeswirtschaftsministerium aufgenommen und hofft wenigstens in dieser schwierigen Situation auf eine Unterstützung durch die Politik.