Dürfen Motor- und Gartengeräte Super E10 tanken?

09.02.2011

Die meisten vertragen es

Hier wird man wohl in Zukunft keinen E10-Sprit mehr zapfen können. Foto: A. Losch
Die meisten 4-Takt-Motoren der Motorgeräte dürfen mit E10 betankt werden. Foto: Briggs & Stratton
Stihl-Geräte mit M-Tronic vertragen sogar E25-Kraftstoff.

Der neue E10-Kraftstoff ist zwar bisher erst an wenigen Tankstellen zu finden, wird aber in den nächsten Wochen wohl flächendeckend eingeführt. Dürfen auch Rasenmäher, Freischneider und Motorsägen mit dem neuen Sprit betankt werden?

Der Verband der Motoristen im ZHH (Zentralverband Hartwarenhandel) hat bei den Motorenherstellern nachgefragt, inwieweit der E10-Kraftstoff für ihre Motoren zugelassen ist und verwendet werden darf. Bei den meisten Herstellern von 4-Takt-Motoren scheint es keine Einschränkungen zu geben.

Alle Stihl- und Viking-Geräte mit Benzinmotor, unabhängig vom Baujahr, können uneingeschränkt mit E10-Kraftstoff betrieben werden. Der geringe Bioethanolanteil von 10 Prozent im Kraftstoff wirkt sich nicht negativ auf die Lebensdauer oder Laufeigenschaften des entsprechend eingesetzten Motors eines Stihl- oder Viking-Gerätes aus. Nach Aussage des Herstellers könnten die modernen Stihl-Motoren mit M-Tronic sogar einen E25-Kraftstoff vertragen, den es in Deutschland aber nicht gibt.

Briggs & Stratton: „Bei allen Benzinmotoren ist E10-Kraftstoff zugelassen. Nur wenn der Anteil von Bioethanol über 10 Prozent liegt, machen sie Probleme. Der Kraftstoff kann auch problemlos in allen älteren Modellen verwendet werden.“

Echo- und Shindaiwa-Motoren können bedenkenlos mit dem neuen Kraftstoff E10 betrieben werden. Umfangreiche Tests, vor allem in Frankreich, wo dieser Kraftstoff schon länger verwendet wird, haben zu keinerlei nachteiligen Beobachtungen oder Erkenntnissen geführt. Dies gilt sowohl für aktuelle als auch für ältere Motoren.

GGP Germany: Der neue Kraftstoff E10 kann für alle Stiga-/GGP-Motoren (4-Takt-Otto-Motoren) verwendet werden. Es sollte jedoch auf Folgendes hingewiesen werden: Es ist zu beachten, dass bei längeren Stillstandzeiten (länger als 2 Wochen) die Schwimmerkammer des Vergasers zu entleeren ist. Dies geschieht am einfachsten, indem der Sprithahn (falls vorhanden) geschlossen, der Motor gestartet und laufen gelassen wird, bis dieser aus Spritmangel abstirbt (Achtung bei Aufsitzmähern: Danach Zündung ausschalten und Schlüssel abziehen). Hat der Mäher keinen Sprithahn, kann der Kraftstoffschlauch mit einer geeigneten Schlauchklemme zusammengedrückt werden (Schlauch dabei nicht beschädigen). Die Klemme ist während der Lagerung am Kraftstoffschlauch zu belassen.

Honda Power Equipment-Produkte können ohne Bedenken mit dem neuen Kraftstoff E10 betrieben werden – egal ob aktuelles Modell oder „Oldtimer" aus 50 Jahren Honda in Deutschland. Der neue Otto-Kraftstoff E10 ist jedoch aggressiver gegenüber Kunststoffen und Lacken als das bisher übliche Benzin. Zudem reagiert E10 stärker auf Einflussfaktoren wie Lichteinstrahlung, Umgebungstemperatur und Lagerzeit. Diese können die Beschaffenheit des Benzins verändern, es schneller unbrauchbar machen. Honda empfiehlt daher, nur E10-Kraftstoff zu verwenden, der nicht älter ist als 30 Tage und vorher in einem zugelassenen Kraftstoffbehälter aufbewahrt wurde, um die Benzinqualität zu sichern. Wenn eine längere Außerbetriebsetzung des Gerätes geplant ist, sollte der Kraftstofftank sowie ggf. der Dampfabscheider (Vergaser) entleert werden.

Solo: Alle Geräte, die mit 4-Takt-Motoren der Firmen Honda, B&S, GGP, Kohler betrieben werden, sind für den Betrieb mit E10-Kraftstoffen geeignet. Bei Geräten, die mit 2-Takt-Motoren betrieben werden, ist Verwendung von Kraftstoffen nach EN 228 zur Wahrung des Garantieanspruchs erforderlich. Der Vergaser darf aufgrund der EU-Abgasgesetzgebung nicht auf E10 (fetter) eingestellt werden.

Dolmar: „Wir verwenden bei unseren Rasenmähern und Rasentraktoren ausschließlich Motoren der Motorenhersteller Honda und Briggs & Stratton. Beide Hersteller haben bestätigt, dass grundsätzlich Kraftstoff E10 getankt werden kann. Allerdings werden in den Pressemitteilungen auch Empfehlungen genannt, die der Endverwender beachten sollte (siehe Honda).

AS-Motor: „Die Verwendung von E10-Kraftstoff bei AS Geräten mit 2- und 4-Takt-Motoren ist problemlos möglich. Bei unseren AS 2-Takt-Motoren gelten dabei die bisherigen Empfehlungen für Ölsorte und Mischungsverhältnis. Hinsichtlich unserer eingesetzten 4-Takt-Motoren liegen entsprechende Zusagen dieser Hersteller vor. Langzeiterfahrungen gibt es noch nicht und Probleme aus anderen europäischen Ländern, wo es E10-Kraftstoff schon länger gibt,  sind uns nicht bekannt.“

Wissenswertes zu E10

Die Umstellung auf E10 betrifft die Kraftstoffsorten Normal und Super (91 und 95 ROZ). Bislang betrug der Ethanolanteil hier bereits 5 Prozent. Künftig wird die Zwangsbeimischung auf bis zu 10 Prozent verdoppelt. Die Kraftstoffsorte Super Plus wird weiterhin maximal 5 Prozent Ethanol enthalten. Bei dem verwendeten Ethanol handelt es sich um Biokraftstoff, der aus Pflanzen gewonnen wird, die umweltverträglich angebaut werden.

Bietet eine Tankstelle E10-Kraftstoffe an, muss gleichzeitig auch herkömmlicher E5-Kraftstoff als Super oder Super Plus zur Bestandssicherung erhältlich sein. In Deutschland sind die Kraftstoffanbieter durch die Rechtsverordnung verpflichtet, weiterhin E5-Kraftstoff anzubieten, und zwar zeitlich unbefristet. E10-Kraftstoff wird EU-weit eingeführt.

Die in Deutschland angebotenen E10-Kraftstoffe enthalten keine metallhaltigen Zusätze. In anderen europäischen Ländern können bezüglich E10 unterschiedliche nationale Kraftstoffnormen gelten. Solange die EU-Norm nicht flächendeckend umgesetzt ist, sind E10-Kraftstoffe vor dem Betanken auf metallhaltige Zusätze zu prüfen. Bei diesbezüglicher Unsicherheit ist im Ausland von der Verwendung von E10 deshalb abzuraten und herkömmliches SuperPlus vorzuziehen.

Zu beachten ist weiterhin, dass Kraftstoffe mit bis zu 10 Prozent Bio-Ethanolanteil lackierte Flächen möglicherweise verstärkt angreifen bzw. beschädigen können. Besondere Vorsicht ist daher beim Betanken geboten. Es wird geraten, verspritzte oder überschüssige Mengen sorgfältig zu entfernen.

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