Gift in Handwerkzeugen

27.01.2011

Gesundheitsgefährdende Stoffe in Heimwerkerprodukten

Eva Schreiber (AK Burgenland) und Sabine Cladrowa (Umwelt- bundesamt) bei der Presse- konferenz am 26. Januar 2011.
Von 17 Produkten fielen neun durch. Sie sind nicht für den längeren Kontakt mit der Haut geeignet. Fotos: AK Burgenland

Hammer, Zange, Schraubenzieher – diese Produkte finden sich in jedem Haushalt. Doch Vorsicht! Viele Werkzeuge enthalten gesundheitsgefährdende Stoffe! Das zeigt der aktuelle Test, den das Umweltbundesamt im Auftrag der Arbeiterkammer Burgenland (Österreich) durchgeführt hat.

Die Tester der AK haben in sechs Baumärkten, insgesamt 17 typische Heimwerker­produkte eingekauft und das Umweltbundesamt mit der Analyse auf gesundheitsgefährdende Stoffe beauftragt. Die ExpertInnen hatten dabei krebsauslösende PAK (Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) und den Kunststoffweichmacher DEHP, Di(2-ethylhexiyl)phthalat, im Visier.

Von 17 Produkten wurden neun mit „mangelhaft“ oder „nicht genügend“ bewertet und sind daher für den längeren Kontakt mit der Haut nicht geeignet. Drei Produkte waren sehr hoch mit krebsauslösenden PAK belastet und fünf wiesen hohe Konzentrationen des Kunststoffweichmachers DEHP auf.

Zur Problematik der PAK und DEHP meint Dr. Sabine Cladrowa, Leiterin der Abteilung Chemikalien im Umweltbundesamt: „PAK und DEHP sind ein Risiko für Mensch und Umwelt. Sie gelangen hauptsächlich durch den Hautkontakt in den Körper. PAK können das Krebsrisiko erhöhen und DEHP auch den Hormonhaushalt beeinträchtigen. Zudem belasten PAK- und DEHP-haltige Produkte nach ihrem Gebrauch als Abfälle die Umwelt.“

Mehr über PAK und DEHP

Drei Artikel – ein Teleskopschraubendreher der Marke OK. (Baumax), ein Gummihammer (Zgonc) und ein Schlosserhammer der Firma Starke (Hornbach) waren im Vergleich zum Grenzwert von 0,2 mg/kg sehr hoch (bis über 4.000-fach!) mit den krebsauslösenden PAK belastet. Diese Produkte wiesen auch hohe Konzentrationen an DEHP auf.

Vier Produkte – eine Flachfeile der Firma Erba (Zgonc), ein Schraubendreher der Firma Wiha (Hornbach), ein Schraubendreher der Marke Yellow Profiline (Zgonc) und ein Schlosserhammer der Firma Stanley (Hornbach) – sind zusätzlich zu den o.a. drei Artikeln nach dem Kriterium „Geprüfte Sicherheit“ aufgrund des PAK-Gehaltes nicht für den längeren Kontakt mit der Haut (mehr als 30 Sekunden) geeignet.

Zwei Produkte – eine Gartenschere der Marke OK. (Baumax) und ein Zangenset der Marke Erba (Zgonc) – wiesen hohe Konzentrationen des Kunststoffweichmachers DEHP auf. DEHP kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und vermutlich das Kind im Mutterleib schädigen. Es und steht weiterhin im Verdacht, hormonell wirksam zu sein.

„Besonders ärgerlich sind die Testergebnisse angesichts der Tatsache, dass das Problem seit Jahren bekannt ist“, meint Dr. Eva Schreiber, die Leiterin der Konsumentenberatung der Arbeiterkammer Burgenland. Analysen von mehr als 5.000 Verbraucherprodukten durch Labors in der EU haben gezeigt, dass ein beträchtlicher Anteil der Produkte PAK enthält.

Auf Basis dieser Ergebnisse hat das Bundesinstitut für Risikobewertung in Deutschland gemeinsam mit anderen deutschen Bundesbehörden ein Beschränkungsdossier erstellt und an die Europäische Kommission übermittelt. Ziel ist, auf EU-Ebene zu bewirken, dass die Verwendung dieser gesundheitsschädlichen Substanzen in einer Vielzahl von Produkten beschränkt oder verboten wird. Denn während PAK in Stoffen und Zubereitungen für die Allgemeinheit nicht über einer Konzentration von 0,1% enthalten sein dürfen, ist der Gehalt der PAK in Verbraucherprodukten jedoch - mit Ausnahme von
Autoreifen - nicht geregelt.

Tipps für Verbraucher

  • Es gibt keine eindeutigen Erkennungszeichen dafür, dass Werkzeuge PAK enthalten.
    Als mögliche Hinweise gelten ein penetranter Geruch, weicher, schwarzer Gummi und ein niedriger Preis. Ein penetranter Geruch ist aber nur ein Hinweis auf gefährliche PAK. Stark riechende Produkte können auch unbelastet sein. Umgekehrt können Produkte, die neutral riechen, PAK enthalten.
  • Der Preis ist ein weiterer möglicher Hinweis auf eine Gefährdung durch PAK. Der aktuelle Test zeigt, dass es auch günstige Produkte gibt, die keine Schadstoffe enthalten.
    Im Zweifelsfall gilt: Ist ein Produkt billig und der Griff aus weichem, stechend riechendem Gummi – lassen Sie das Produkt im Regal!
  • Zumindest aber tragen Sie bei der Verwendung Handschuhe, denn PAK sind gut fettlöslich und werden so von der Haut leicht aus den Gummiteilen gelöst. Fetthaltige Handcremes verstärken den Effekt.
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