Aldi VDE-Schraubendreher

30.06.2005

Wieder unsichere VDE-Schraubendreher von Aldi-Süd

Neuer Satz in alter Verpackung: Wieder sind in dem "neunteiligen" VDE-Schraubendreher-Satz sieben Schraubendreher und ein Spannungsprüfer enthalten.

Bereits vor einem Jahr deckte Werkzeug-News.de auf, dass die VDE-Schraubendreher von Aldi-Süd nicht den Normen entsprachen und somit als unsicher anzusehen waren. Am 27. Juni 2005 bot Aldi-Süd erneut einen VDE-Schraubendrehersatz an, der wiederum gefährlich ist.

Auch der neue VDE-Schraubendreher-Satz von Aldi-Süd kostet 3,99 Euro. Nach dem Skandal im letzten Jahr (siehe: VDE zieht sein GS-Zeichen für isolierte Schraubendreher von Aldi zurück) sollte man eigentlich erwarten, dass Aldi und der Importeur Taurus daraus gelernt haben und nun Ware anbieten, die wenigstens den deutschen und internationalen Normen entspricht.

Werkzeugschrott 2004 (oben) und 2005: Die Form ist die selbe, der Hersteller angeblich ein anderer. Äußerlich unterscheiden sich die Schraubendreher erst einmal nur im Material und der Farbe des Kunstsstoffs.
Mal zu dick, mal zu dünn: Die Schlitzschraubendreher passen teilweise nicht einmal in die jeweiligen Schrauben.
Nur zwei von drei PH-Schraubendrehern bestanden die Drehmomentprüfung.

Doch auch der neue VDE-Schraubendreher-Satz ist mangelhaft. Wiederum sind die Schraubendreher nicht maßhaltig. Einige Schlitzschraubendreher waren zu dünn, andere zu dick und passten weder in die Prüflehre noch in normgerechte Schrauben. Das zu gewährleistende Drehmoment ließ sich bei diesen Schraubendrehern nicht prüfen. Andere brachen bis zu 30 Prozent unter dem geforderten Drehmomentwert.

Doch es kommt noch schlimmer: Bei der Hochspannungsprüfung, die eigentlich jeder einzelne Schraubendreher nach der Produktion bestehen muss (Stückprüfung), gab es bei einigen Schraubendrehern Kriechströme und Spannungsüberschläge. Hier scheint der Hersteller die Prüfvorschriften wohl nicht so ernst genommen zu haben und riskiert damit das Leben der Benutzer.

Beim Hochspannungstest im Wasserrbad sprangen bei einzelnen VDE-Schraubendrehern die Funken über. (Hier Durchbrenntest ohne Sofortabschaltung. Dieser wird gemacht um die Fehler deutlicher sichtbar zu machen.
ier hat der Importeur gelernt. Dem VDE-Schraubendreher-Satz liegt eine Bedienungsanleitung bei und der Spannungsprüfer ist mit einem Anleitungsfähnchen versehen. Daran sollten sich auch andere Hersteller ein Beispiel nehmen. Fotos: werkzeug-news.de

Nach Aussage vom VDE-Prüfinstitut waren die für die Vergabe des GS-Zeichens eingereichten Prüfmuster in Ordnung. Dort war man auf Grund unserer Berichterstattung vor einem Jahr für dieses Thema sensibilisiert und hat sich in der Zwischenzeit eigens Prüflehren und Messeinrichtungen angeschafft, um auch die mechanischen Eigenschaften von isolierten Schraubendrehern selber prüfen zu können.

Die im Handel befindlichen Schraubendreher entsprechen aber offensichtlich nicht den Prüfmustern. Dies hat auch der VDE bereits bemerkt und wird voraussichtlich wohl noch im Laufe dieser Woche sein GS-Zeichen erneut zurückziehen.

Den Schaden hat wieder mal der Kunde, der die mangelhaften Schraubendreher erworben hat. Im letzten Jahr gab es keine Rückrufaktion für die unsicheren Schraubendreher. Aldi hatte damals den Verkauf wegen des mangelhaften Spannungsprüfers nach einem Tag gestoppt. Importeur Taurus musste auf Drängen der Gewerbeaufsicht lediglich die Restbestände aus dem Lager zurückziehen. Die große Masse der zirka 250.000 VDE-Schraubendreher-Sätze war aber zu dem Zeitpunkt vermutlich längst über die Bänder an den Aldi-Kassen gelaufen.

In diesem Jahr sollen es zirka 210.000 VDE-Schraubendreher-Sätze gewesen sein, die Taurus über Aldi-Süd vertreiben wollte. Anders als im letzten Jahr stammt der einpolige Spannungsprüfer diesmal nicht aus China, sondern vom führenden deutschen Hersteller, der Firma Bremer. Er ist auch ordnungsgemäß mit einer Kurzanleitung versehen. Und in einem Fall muss man Taurus Lernbereitschaft bescheinigen. Dem VDE-Schraubendreher-Satz liegt, wie wir es im letzten Jahr gefordert hatten, eine Bedienungsanleitung dabei, die die Anwender auf die Gefahren beim Arbeiten an spannungsführenden Leitungen hinweist.

Nach Aussage von Taurus Geschäftsführer John Seeboom seien die Aldi-VDE-Schraubendreher vor dem Verkauf von drei deutschen Prüfinstituten, deren Namen er uns jedoch nicht nennen wollte, untersucht und für gut befunden worden. Umso erstaunlicher sind die Prüfergebnisse der im Handel gekauften und nachgetesteten Produkte.

Deshalb stellt sich die Frage, wie sich künftig verhindern lässt, dass Importeure, Discounter, aber auch Baumärkte immer wieder gefährliche Billigprodukte auf den Markt werfen. Mittlerweile vergeht kaum eine Woche, in der nicht über einen erneuten Rückruf von Ald-Produkteni berichtet wird. Allein im Werkzeugbereich ist es nach nicht vorschriftsmäßigen Benzin-Motorsägen, Hämmern mit krebserregenden Stielen nun der dritte Fall von unsicheren Produkten innerhalb weniger Wochen..

Hier sind die Prüfstellen und die Gewerbeaufsicht gefragt, dafür zu sorgen, dass solche Fälle nicht weiterhin passieren. Vielleicht sollten die Prüfstellen von solchen schwarzen Schafen, die mehrfach gegen das Gesetz zur Produktsicherheit verstoßen und Kennzeichenmissbrauch begehen, stärkere Auflagen verlangen. So könnten zum Beispiel für die Vergabe des GS-Prüfzeichens regelmäßige Kontrollen vor dem Inverkehrbringen verlangt werden. Alternativ könnten auch die Prüfstellen solchen schwarzen Schafe, die die geforderten Qualitätsstandards wiederholt nicht einhalten können oder wollen, überhaupt keine GS-Zeichen mehr vergeben. Von der Gewerbeaufsicht ist ebenfalls konsequenteres Handeln zu erwarten. Er reicht offensichtlich nicht, nur zu verlangen, die nicht verkauften Restbestände zurückziehen. Den Profit mit dem Werkzeugschrott haben Händler und Importeur dann meist ohnehin längst gemacht.

Weitere Informationen dazu finden Sie auch in unserem Forum.

Mittlerweile hat auch der VDE sein GS-Zeichen zurückgezogen. Siehe Kennzeichenmissbrauchs-Liste Seite 5.

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