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 Betreff des Beitrags: Einen Haufen Fragen zum Drehen und Fräsen
BeitragVerfasst: 16. Sep 2012, 21:31 
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Beiträge: 22
Gutend Abend alle miteinander!
Ich schreibe hier für meinen Mann welcher zwar viel kann aber das Internet gehört noch nicht dazu :wink: ich hoffe das ist okay bis wir es gelernt haben.

Hallo Liebe Forengemeinde!
mein Name ist Walter, bin gelernter Schlosser aber mittlerweile in Rente. Nach der Lehre, lang lang ists her :shock: bin ich alt, habe ich die Hufschmiede meines Vaters weitergeführt und ich bin entsetzt was man in fast einem halben Jahrhundert alles vergessen kann.
Ich habe mir nun die Restauration einiger alter Landmaschinen zum Hobby gemacht. Vor wenigen Monaten habe ich aus einer Firmenauflösung zwei Maschinen gekauft, eine Steinel SV4 Fräsmaschine sowie eine Drehmaschine von Voest.
Bei den Maschinen selbst war einiges an Zubehör, auch an Werkzeug dabei. Etwas Übung habe ich schon wieder an den Maschinen, ich habe schon einige einfache Teile aus Stahl und Alu gedreht und gefräst. Auch einige Bücher und Videos habe ich mir angesehen dadurch bin ich in den Grundlagen wieder relativ fit.

Hier meine Fragen:
1) Ich drehe momentan mit HSS, möchte aber zumindest teilweise auf HM umsteigen da immer weider härtere Teile dabei sind. Welche Meißel Schafthöhe max. 16mm soll ich mir kaufen? Gelötet oder Wendeplatten, welche Wendeplatten, welche Hersteller...?

2) Ich brauche sehr schlanke Drehmeißel für die Innenbearbeitung, was nehm ich da am besten?

3) Hat jemand eine schicke Konstruktion für eine Schleifhilfe? Ich bekomme meine Gewindedrehmeißel freihand wohl nicht im richtigen Winkel scharf.

4) Ich brauche einen Rundtisch für die Fräse, 150-200mm Durchmesser genügen, meiner ist hinüber. Welcher ist empfehlenswert?

5) Ich suche so einen verstellbaren Winkelmesser, praktisch ein Haarlineal mit Skala. Wo bekomme ich das?

6) Wie beim Drehen soll auch teilweise mit HM gefräst werden. Aufspanndorne in allen Variationen habe ich aber welche Fräser soll ich kaufen, welche Platten sind empfehlenswert? Es gibt einige VHM-Fräser auf ebay, lohnt es sowas auch als Schaftfräser zu kaufen? Was ist von den eher günstigen, goldenen Fräsern zu halten?

7) Warum gibt es eigentlich Fräser mit 2 und 4 Zähnen, wofür nimmt man was?

8) Ich möchte gern ein Innengewinde in ein etwas tieferes Sackloch drehen. Wie machte ich das am besten blind ohne eine Kollision zu riskieren?

9) Wie bekomme ich beim Fräsen mit Stirnschneiden die beste Oberfläche? Sie ist ja in der Regel etwas gröber als beim Drehen möglich, zumindest subjektiv.

10) Wie spanne ich am besten lange Platten auf die Fräse um sie zu planen? Leider passen so manche Stücke nicht in meinen doch recht großen Hydraulikschraubstock.

11) Wie sieht es beim Drehen mit HW aus wenn ich so zum Bleistift einen Sechskant runddrehen möchte, hält das der Meißel aus?

12) Ich brauche Stechwerkzeuge für Seegerringe und welche zum Abstechen. Was soll ich mir da kaufen?

13) Kann ich auf der Drehbank Passungen oder andere Flächen für die Optik schleifen? Wie sieht das auf der Fräse aus?

14) Ich kann mich erinnern dass wir in der Lehre einen Haarwinkel gefeilt haben, so viele Blasen hatte ich selbst als Schmied nie wieder als im ersten Jahr. Danach wurde er in ein heißes Bad getaucht und davon mit einer schwarzen Schutzschicht überzogen. Ich habe Werkstücke ab und an mit Leinöl abgebrannt um das zu erreichen. Kann ich diese Methode immer anwenden oder gibt es Werkstücke die in so ein Bad müssen?

15) Ich brauche Messwerkzeug für feine Sachen. Ist es besser mich mit Mikrometern auszustatten oder genügt eine Schublehre mit Uhr mit Genauigkeit nach DIN, was heißt das überhaupt genau?


So, liebe Forengemeinde, wie ihr seht sind mir über die Jahre einige Dinge verloren gegangen. Ich bitte euch dennoch um eure Hilfe. Ich wünsche euch allen noch einen schönen Abend!


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 Betreff des Beitrags: Re: Einen Haufen Fragen zum Drehen und Fräsen
BeitragVerfasst: 16. Sep 2012, 23:22 
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Beiträge: 7809
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Kinder, Kinder da will man ins Bett und dann... da hast du mit dem "Haufen Fragen" nicht untertrieben.

Also...

1) Würde Wendeplatten nehmen, die gelöteten Meißel sind oft minderer Qualität und die verwendete Sorte (ist sehr oft K10) ist nicht allzu zäh.

Ich nutze einen Drehmeißel mit DCMT 11T3 sowie einen mit SNMG 08 oder 09... - Platten. Wendeplattenbezeichnung nach Iso Manche Hersteller (z.B. Sandvik) kochen da auch ihr eigenes Süppchen, ich empfehle dir bei Iso-Platten zu bleiben da man dann Herstellerunabhängig ist.

Dir empfehle ich einen Rechten Kopierdrehmeißel mit DCMT sowie einen Plandreher mit neutralen Platten (Freiwinkel 0°) zum Schruppen. Alternativ können Meißel mit Platten Typ CCMT nützlich sein, mit denen geht beides. Ich hab bei ebay was gefunden und schick dir die PN mit den Links zu meiner Empfehlung.

Für Alu kanns nützlich sein weiter mit HSS zu arbeiten oder spezielle Aluplatten (Toleranzklasse üblicherweise G, also DCGT/CCGT...) zu nutzen. Wendeplatten sind nicht billig, halte in der Bucht nach entsprechenden offenen Packungen ausschau, die gibts oft günstiger in Auktionen. Hersteller ist egal, namhaft sind Iscar, Korloy, Tague Tec, Ingersoll, Sandvik, Ceratizit, Plansee, WNT, Walter... Siehe auch dazu meine PN, die verlinkten Platten sind für Stahl.

2) Wie schlank? Bohrstangen gibts für Durchmesser ab 9mm klick mit Wendeplatten, darunter bieten sind entweder umgeschliffene Gewindebohrer im Eigenbauhalter oder z.B. die Mini Bohrstangen von Horn aus VHM an.

3) Hab grad keine Fotos da, tut mir Leid

4) Soba HV6, 150mm Durchmesser, siehe Testberichte (hab ihn selbst). Man bekommt ihn bei Chronos in Großbritannien sehr günstig, ist ein guter und vor allem vertrauenswürdiger Shop.

5) Hab grad keinen Link parat

6) VHM Schaftfräser sind sehr empfindlich, ebenso VHM Bohrer. Wenn da einer bricht dann bricht einem auch fast das Herz, die sind nicht billig. Ich würde sie nur auf einer CNC nutzen da sie meist für hohe Schnittwerte ausgelegt sind. Nichts gegen die SV4 aber der stehen HSS-Schaftfräser besser. Gut und günstig bekommt man sie in der Bucht, die mit Hardal-Beschichtung sollen nicht schlecht sein oder man schaut sich mal nach Holex um welche Hoffmann anbietet.

Beim Messerkopf kann ich dir zu einer positiven Geometrie raten, das hält die Schnittkräfte klein, schön in den oberen Zeichnungen zu sehen Sandvik Coromant R245, die Wendeplatte "hängt" also nach hinten. Achte beim Gebrauchtkauf darauf dass du die entsprechenden Platten günstig bekommst. Abraten würd ich von diesen geklemmten Platten in dreieckiger Form, da kotzt selbst die Deckel FP2 in der Uni im Quadrat wenn der Fräser drauf ist.
Ich würde quadratische Platten Typ S (Sandvik R245) oder Platten Typ APKT empfehlen, letztere taugen auch zum Eckfräsen (Sandvik R390). Sandvikplatten und Isoplatten sind NICHT kompatibel, da aber mittlerweile auch z.B. Iscar einige Fräsplatten anbietet welche zwar nach Iso bezeichnet sind aber nur auf deren Köpfen passen rate ich dir zu Sandvik.
"Fräserkunde" ist recht weitläufig, darüber kann man Bücher schreiben. Siehe meine PN mit Kaufempfehlung (auch Auktionen weshalb nicht hier verlinkt).

7) Fräser mit 2 Schneiden nutzt man üblicherweise für Alu und Kunststoff (großer Spanraum), Vierschneider für Stahl (4 Schneiden halten länger als 2). Muss man in Stahl eintauchen (Langlöcher oder auch als Flachsenker) nimmt man ebenfalls 2-Schneider.

8) Ich betätige das Futter meiner Maschine dabei mit Hand bzw. mit einem Bandschlüssel.

Eine weitere Möglichkeit wäre ein Innenstechwerkzeug mit dem man einen breiten Freistich macht, allerdings sind die Dinger nicht billig.
Wenn du sowas öfter hast nutzt du am besten eine Handkurbel fürs Futter oder klebst mit Loctite eine Gewindebuchse in die Bohrung ein.

9) Schlagzahnfräser, hohe Schnittgeschwindigkeit und kleiner Vorschub (mit Kühlung). Der kann ruhig schneller verschleißen da selbst schleifen kein Problem ist.

10) Dafür gibts Schraubstöcke aus 2 Teilen, entweder kaufen oder selbst bauen z.B. Flachspanner auf Hobby-Messer.de

11) HW sagen die Tischler, wir bleiben bei HM :wink: Wie oben schon gesagt, normalen Wendeplatten macht das nicht so viel, gelötete Meißel sind problematischer. Drehzahl und Vorschub um 50% reduzieren.

12) Einstechen: Sehr teuer, z.B. Iscar Pentacut. Ich hab mir ein Stichsägeblatt etwas zurechtgeschliffen (Verzahnung runter) und an einen Halter geschraubt, das sticht genau 1mm breit. Nachher mitm Oberschlitten verfahren und nochmals reinfahren bis die Breite erreicht ist.

Abstechen: HSS-Schwerter sind gut und günstig, deine Maschine verträgt aber schon mehr. Empfehlen kann ich das System Self Grip von Iscar, Stechbreite 3mm (Platte GTN/GTL/GTR 3, Schwert SGIH 32-3), man bekommt auch Kopien z.B. von Glanze (siehe PN für beides). GTN steht für neutral, bei GTL bzw. GTR bleibt dir links oder rechts ein Butzen stehen. Nicht zimperlich zustellen, am besten den Planvorschub der Maschine nutzen, sonst ratterts.

13) Ja das geht wenn man einen Dremel (Optik), einen Proxxon Geradschleifer oder einen Kress Fräsmotor per Halter (wird wohl Eigenbau) aufspannt. Für außen gibt es auch Supportschleifer. Bitte die Führungen gut abdecken wenn du schleifst, der Staub führt zu hohem Verschleiß. So gut wie mit der Rundschleifmaschine wirds aber nicht. Manchmal kann es aber praktisch sein, so kann man z.B. mit dem Proxxon oder Dremel und den kleinen Sandpapiertrommeln Material im Bereich von 0,0xmm in Bohrungen abnehmen wo Schmirgeln mit dem Finger gefährlich wäre. Natürlich sollte man besser sauber Drehen, so als Problemlöser ist es aber nicht falsch ein entsprechendes Gerät im Hinterkopf zu haben. Hat mir schon manchmal das Werkstück gerettet... (Samstag Abend, muss fertig werden, vermessen, ausspannen, draufkommen dass noch 0,03mm aus der Bohrung rausmüssen.... solche Aktionen).

Schleifen auf der Fräse, hm... Es gibt Maschinen mit Schleifkopf, vielleicht auch die Steinel. Die Drehzahl ist zum Schleifen aber eher klein, wenn möglich den Schlagzahn nutzen oder (beim Umfangsfräsen) leer im Gleichlauf zurückfahren bzw. wenige 0,01mm im Gleichlauf abnehmen was man sonst bekanntlich lassen soll.

14) Nennt sich brünieren. Genaue Werkstücke würde ich kalt brünieren, Brünierlösungen gibts im Waffenladen des Vertrauens, ich nutze momentan die von "Klever" (gelbes Etikett, gibts auch auf Amazon).

15) Für kleinere Sachen würd ich die Bügelmessschraube nehmen, eine von 0-25mm (außen) und 5-30mm (innen) sollte im Haus sein. Für größeres geht auch ein genauer (!) Uhrenmessschieber, so einfach ist das Arbeiten damit aber nicht, es braucht Übung. Teuer aber wirklich praktisch ist für Bohrungen ein sog. Subito.

DIN 862
Linke Spalte Messlänge, Abweichung Messschieber, Abweichung Uhrenmessschieber, Abweichung digitaler Messschieber.

Der Vorteil von Mikrometern ist die durch die Gefühlsratsche begrenzte Messkraft. Darum Übung...

Hoffe damit ist erstmal geholfen. Gut Nacht.

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 Betreff des Beitrags: Re: Einen Haufen Fragen zum Drehen und Fräsen
BeitragVerfasst: 17. Sep 2012, 16:52 
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Beiträge: 598
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Hi,

hier mal ein paar Antworten von mir. Bin zwar nicht der Oberexperte in Sachen drehen. Aber bisher war noch keiner mit meinen Werkstücken unzufrieden...

1) Ich bin mit Sandvik und Widia sehr zufrieden. Aufgelötete würde ich nicht nehmen.

2) Die von P.Horn sind sehr gut. Wenn mal wieder ein neuer Stahl her muss (Projekt abhängig) wollte ich hier mal welche kaufen: http://www.cd-tools.de/ dort gibt es unter Mini bzw. Micro Drehwerkzeuge einiges

3) Das wäre wohl so ziemlich das beste: http://www.youtube.com/watch?v=KajBdaW-7HA

4) So ziemlich am besten ist glaube ich Hofmann...
http://www.hofmann-mt.de

5) http://www.hoffmann-tools.com

6) Hier enthalte ich mich mal bin nich soo viel am fräsen

7) Das hat unter anderem was mit den Spanräumen zu tun...

8) üben 8) ich habe mir am Anfang immer einen Strich oder sowas auf den Drehstahl gemacht. Wenn der Strich auf höhe des Materials ist, ist ganz kurz vor schrott^^

9) hier enthalte ich mich wieder...

10) Da gibt es ganz interessante sachen von der FA. AMF. Flachspanner, Niederspanner solche sachen mal googlen. Ansonsten wäre das mal was zum selber bauen:
http://www.youtube.com/watch?v=UfsBdqfuBc4

11) Die richtige drehe vorausgesetzt: Ja. Gleich soviel zustellen das der Sechskant rund wird.

12) P.Horn

13) Schleifen macht man nicht auf der Drehe. Genauso wenig auf der Fräse.

14) kommt wohl nachher auf die Anwendung an. Gibt ja X Sachen die als Korosionsschutz dienen (Zink,Lack usw.)

15) kommt drauf an wie genau gemessen werden soll. Ich habe gelernt: Mit dem Stahllineal auf 1mm (max.0,05), mit dem Messschieber 0,1 (max 0,05) und mit der Messschraube 0,01 (max 0,005) die Werte in klammern sind aber Prozesssicher nur mit den teuren Sachen zu erreichen.

Ich hoffe ich konnte helfen

Stephan


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 Betreff des Beitrags: Re: Einen Haufen Fragen zum Drehen und Fräsen
BeitragVerfasst: 18. Sep 2012, 22:03 
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BlaBlaLand hat geschrieben:
Woher weiß ich jetzt dass die Wendeplatten die richtigen für mich sind?


Sowas muss man nicht per PN ausmachen, ich poste es öffentlich :wink:

Also, nochmal der ISO-Schlüssel, als Beispiel:

DCMT 11T308
D...Form
C...Freiwinkel
M...Toleranzklasse
T...Befestigung
11...Schneidenlänge
T3...Stärke
08...Schneidplattenradius

Form und Freiwinkel müssen passen, die Toleranzklasse nicht unbedingt wobei andere Tol.-Klassen gern für andre Werkstoffe stehen (würde da kein M sondern ein G stehen wär die Platte zu 90% für Alu gedacht), die Befestigung per Schraube muss auch passen.

Die Schneidenlänge muss unbedingt passen, die Dicke kann etwas variieren wobei das eigentlich nie der Fall sein sollte (hatte ich bei billigen China-Meißeln mal) und der Schneidplattenradius darf auch anders sein.

Anders sieht es bei Fräsplatten aus. Ich habe mir für einen No-Name-Messerkopf (APKT 1604...) welche von Seco und später auch von Iscar geholt, die haben absolut nicht funktioniert. Gerade APKT und ähnliche werden oft mit "Helix" als Schneidkante angeboten, da muss der Messerkopf perfekt dazupassen. Deshalb würd ich dir fürn Messerkopf Sandvik empfehlen, R390 ist das Äquivalent zu APKT und R245 zu SEKT oder anderen quadrat. Platten. Man kann noch runde Platten nehmen, sind oft recht günstig aber haben auch Nachteile. Sie sind z.B. eher für kleinere Zustellungen und hohe Vorschübe gemacht.

www.youtube.com/watch?v=9CCr78Z60U4

Ist zwar in englisch und an die CNCler gerichtet aber erklärt den Sinn des ganzen recht gut.

R390 von Sandvik eignen sich gut zum Eckfräsen wenn du dir einen Wendeplatten-Schaftfräser aneignen möchtest, R245 würd ich mir zum Planfräsen holen wobei das natürlich mit den R390 auch geht.

.....

Dann noch etwas Wendeplattenkunde bezüglich der Geometrie. Grundsätzlich sind Span- und Freiwinkel entscheidend für den Einsatz der Platte. Der Spanwinkel ist werkstoffabhängig und nicht in der Bezeichnung enthalten. Man kann aber Rückschlüsse drauf ziehen wenn man die Plattenbezeichnung bzw. den Einsatz googelt. Eine Platte für die schwere Gusszerspanung wird eher nicht stark positiv sein, eine zum Schlichten von Alu nicht stark negativ.

Positiv und negativ, das ist das Stichwort. Platten mit Freiwinkel (also alle außer "N" wie z.B. WNMG, DNMG...) haben meist auch einen positiven Spanwinkel. Sieht man auf einem Foto eine "hübsch" aussehende Spanbrechergeometrie kann man sich schon ein Stück sicherer sein dass die Platte gut schneidet. Positive Platten nimmt man eigentlich immer wenn man kleinere Maschinen hat, nicht allzu viel abtragen will und die Schnittkräfte klein halten möchte.

Negative/neutrale Platten sind das Gegenteil. Man kann sie mit einem stumpfen Messer vergleichen. Bis es noch stumpfer wird dauerts aber die Arbeit damit... So ists auch bei den Platten. Die sind enorm robust und werden deshalb zum Schruppen auf entsprechend großen Anlagen eingesetzt. Ich nutze sie dennoch gern zum Plandrehen weil, wie du im Link der PN siehst, sie wirklich günstig sind. 10 Platten (SNMG Drehplatten) sind ein Vorrat für sehr, sehr lange Zeit und man kann sie 8x weiterdrehen bzw. wenden sofern sie nicht brechen. Zum Schlichten fahr ich 1x mit der D-Platte drüber und fertig. Man könnte damit auch längsdrehen, zumindest deine Maschine schafft das, meine nicht.

....

Hab ich was vergessen? Ja, die Werkstoffe...

Also: Man unterscheidet grundsätzlich P (Stahl), M(Niro) und K (Guss). Dann gibts noch H für gehärtete Sachen, N für Nichteisenmetalle und nochwas das mir entfolgen ist, hier nicht wichtig. Nehmen wir als Beispiel die HM-Sorte P40. P steht für Stahl, 40 für die Zähigkeit, je höher desto zäher. Die Zahlen gehen bis 50. Zähe Sorten würde ich bevorzugen.
Dann haben wir wieder unsre lieben Hersteller. Die nennen ihre Werkstoffe halt z.B. IC328 (Iscar) oder *irgndwas*4020 (Sandvik). Das muss man googeln um zu wissen um was es sich handelt.

Ich hab in der Bucht 2-3 Fehlkäufe bei den Platten gemacht und weiß nun recht gut worauf ich achten sollte. Wenn du Fragen zu einem bestimmten Angebot bzw. zu einer Auktion hast kannst du sie gern per PN an mich stellen, allgemeines aber wie gesagt eher hier im Forum.


Ich fasse mal zusammen:

Drehen: Iso-Platten gut, positiver Spanwinkel ist zu bevorzugen, neutrale Platten aber billig

Fräsen: Viele Hersteller haben ein System trotz Iso-Bezeichnung, Sandvik ist zwar teurer aber unterm Strich steigt man am günstigsten aus




BlaBlaLand hat geschrieben:
Kann ich auch VHM-Bohrer verwenden?

Würd ich nicht. Es geht lang gut aber die Dinger sind so bruchempfindlich, brauchen gleichmäßige Vorschübe und Drehzahlen und vertragen keine klemmenden Späne weswegen fast alle mit Innenkühlung ausgestattet werden. Außerdem sind sie in einem normalen Futter nicht einfach zu spannen.

Du kannst sie verwenden, wenn dir aber einer bricht (und brechen tun immer die teuersten als erstes, Murphy halt) tut das schon in der Brieftasche weh. Ich selbst nutze keine VHM-Bohrer, habe aber zum Ausbohren von gebrochenen Gewindebohrern oder Zentrierbohrern (hatte da mal wirklich Mist gekauft) Universalbohrer von Keil rumliegen. Die haben nur eine HM-Spitze, sind etwas stabiler, leicht nachzuschärfen und vor allem nicht so sauteuer.
Da können mir die Leute erzählen was sie wollen, VHM-Bohrer auf normalen Maschinen wie du sie hast zu nutzen macht absolut keinen Sinn.

VHM-Fräser können vielleicht mal Sinn machen, allerdings muss der Preis passen. Ich werde wohl mal das Experiment wagen und einen nachgeschliffenen Iscar bestellen den keiner haben will (beobachte seit 3 Monaten und keiner mag ihn), denke aber nicht dass es von großem Erfolg gekrönt sein wird. Egal, dann hamma halt wieder was gelernt :wink:

Nein jetzt mal Tatsachen: Ich muss ein Werkstück aus teilweise doch recht hartem C45 machen. Das Zeug ist im weichen Zustand super, jedoch hat mir das Reststück schon 3 Fräser gekostet und ich bin mitm Teil schon zu weit als dass ich jetzt neu anfangen möchte, war halt n verregneter Samstag. Dafür hol ich mir oben angesprochenen Fräser da er preislich unter einem guten aus HSS liegt, nur um ihn zu probieren. Wenn er mir 90% runterspant und dann übern Jordan geht solls mir recht sein, dann hat er seine Pflicht getan denn schlichten werd ich ohnehin mitm Schlagzahn.

Wie du siehst... die Werkzeugkunde, eine Wissenschaft für sich. Mach dir keinen Kopf drum, beachte meine Vorschläge (selbst getestet) und dann geht das schon.

Und übrigens: Deine Maschinen sind Schrott. Steinel und Vöest, das taugt mal überhaupt nichts. Sorry aber ist so. Da ich aber so lieb zu den Menschen bin hol ich sie gern kostenlos bei dir ab und bringe dir dafür meine super gerichteten Schätzchen vorbei. Die sind auch viel neuer als deine. Wär das nicht ein geniales Angebot? :mrgreen: :ducken:

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 Betreff des Beitrags: Re: Einen Haufen Fragen zum Drehen und Fräsen
BeitragVerfasst: 19. Sep 2012, 11:26 
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Hallo,
ich glaube ohne sich das selbst zu erarbeiten geht da mal wenig.
Beim Fräsen verwende ich hauptsächlich mormale HSS Fräser, HSS Messerköpfe und für harte Sachen einen mit TPKN 2204PD, da diese Platten billig zu bekommen sind kann man da ruhig auf Verschleiß arbeiten. Weiters noch einen mit SPUN Platten weil ich da mal viele geschenkt bekommen habe.

Beim Drehen habe ich das ganze Sortmient an gelöteten HM Meißeln, dann noch Halter mit TCMT, CCMT SCLCR. Von ISCAR div Messer SGIH
Da ich viel Alu verarbeitete habe ich mich da mit speziellen Kominationen eingedeckt,
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 Betreff des Beitrags: Re: Einen Haufen Fragen zum Drehen und Fräsen
BeitragVerfasst: 7. Dez 2012, 20:02 
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Hallo,

erstmal möchte ich mich bei allen für die Antworten bedanken, ihr habt mir sehr weitergeholfen! Eigentlich wollte ich mir grad einen Nutzer anlegen, da klappt aber was nicht, deshalb schreibe ich erstmal noch mit dem meiner Frau. Man(n) ist ja lernfähig was den PC angeht also sollte es bald so weit sein.

Ich musste meine Steinel-Fräse übrigens verkaufen, es haben sich einige nur schwer zu reparierende Schäden an den Führungen gezeigt mit denen ich es mangels Können und Ausrüstung nicht so einfach aufnehmen kann. Zum Schaben langer Führungen fehlt mir einfach alles und als erstes Projekt wollte ich da nicht die Fräse herhalten lassen. Dafür ist eine kleine Deckel FP1-Kopie vom ehemaligen Jugoslawien in meine Werkstatt gewandert, mit dieser Maschine macht das Arbeiten nun richtig Spaß.

An Raubsau: Hast du die Drehmeißel die du mir geschickt hast wirklich selbst gemacht? :shock: Ich verstehe ja ein bisschen was vom Fräsen aber die sind mal wirklich gut geworden, vielen Dank dafür! Ich habe das Paket mit deinen Sachen gestern abgeschickt und hoffe dass sie Anfang nächster Woche ankommen, ich hoffe du bist mit dem Tausch zufrieden - ich auf jeden Fall.

Nun möchte ich aber noch eine weitere Frage stellen oder besser gesagt eine wiederholen die noch nicht beantwortet wurde. Es gibt ja viele Fräser mit einer goldenen Beschichtung, irgendwas mit Titan, was ist davon zu halten? Oft werden sie ja zu verlockend günstigen Preisen angeboten, dagegen gibt es aber auch sehr teure. Wie schlägt sich so einer im Vergleich zu den schwarzen Beschichtungen? Die empfohlenen Hardal-Fräser mit schwarzer Beschichtung habe ich mir besorgt und sie machen sich nicht schlecht, mangels Erfahrung weiß ich aber nicht ob sie das Geld wert waren oder nicht. Es gibt ja auch Stufenbohrer und anderes Werkzeug in der Preiskategorie.

In der Zwischenzeit hat sich meine Werkstatt prall gefüllt. Was ich noch suche ist ein Ausdrehkopf. Hat jemand einen Rat welcher passend ist um z.B. Bohrungen, Durchmesser 40H9 herzustellen?

Und dann plagt mich noch ein weiterer Umstand. Mich nervt es mittlerweile immer wieder das Futter meines Rundtisches ausrichten zu müssen. Hat jemand einen Tipp für mich wie ich das schneller erledigen kann?

Zuletzt wollte ich noch fragen ob ich beim Kauf eines Spannpratzensets wie diesem hier etwas falsch machen kann?
http://www.ebay.de/itm/Spannpratzen-Spannwerkzeugsortiment-58-tlg-T14-Nut-M12-inkl-Metallkassette-NEU-/360522503360?pt=Gartenbauwerkzeuge&hash=item53f0d0d4c0

Nochmals tausend Dank für eure Antworten!
:bierchen: :thx:


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 Betreff des Beitrags: Re: Einen Haufen Fragen zum Drehen und Fräsen
BeitragVerfasst: 7. Dez 2012, 21:38 
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Beiträge: 11129
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Hallo,
für die Futter gibt es Spannplatten mit mehreren in der Höhe abgestufte Zentrierungen zum Futter (hier kann man ein 125, 100, oder 80er Futter montieren) und einer zum Tisch.
Man kann sich das auch selbst drehen, meinen Satz habe ich bei Wabeco gekauft.
Die Aufspannsätze sind ok, ich habe da alle Größen davon, vom 14er 2 Stück.
Die Beschichtung ist für spezielle Anwendungen, da würde ich mir mal einen Katalog von Hoffmann, Sartorius oder Hahn&Kolb zulegen, hier sind viele Verwendungen zu den jeweiligen Werkzeugen beschrieben.


Um die Bilder oder Dateianhänge anzusehen, musst du dich im Forum anmelden.

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 Betreff des Beitrags: Re: Einen Haufen Fragen zum Drehen und Fräsen
BeitragVerfasst: 7. Dez 2012, 22:07 
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Beiträge: 2333
Wohnort/Region: De
Hi,

Alfred hat geschrieben:
Die Beschichtung ist für spezielle Anwendungen, da würde ich mir mal einen Katalog von Hoffmann


dazu passend :

http://www.hoffmann-group.com/de/servic ... dbuch.html

Gruß, Glatisant


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 Betreff des Beitrags: Re: Einen Haufen Fragen zum Drehen und Fräsen
BeitragVerfasst: 8. Dez 2012, 09:34 
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Beiträge: 7809
Wohnort: Österreich
Gern geschehen für die Drehmeißel, ich freu mich schon auf dein Paket :mrgreen: Ich komm aber erst in ca. 14 Tagen heim.
Ja, die Dinger sind selbst gemacht. Sobald ich mal ein bisschen Zeit hab werde ich eine Anleitung dazu verfassen.

Zum Thema:

Wie oben schon zu lesen, was welche Beschichtung macht kann man gut bei den Herstellern nachschauen.
Ganz billige TiN-Werkzeuge sind aber immer mit Vorsicht zu genießen und oft Müll. Ich hatte billige TiN-beschichtete Fräser, die waren fürn Preis wirklich okay aber die Beschichtung hat sich schnell abgerieben. Andere TiN-beschichtete Bohrer begannen zu rosten... Da kauf ich mir lieber was unbeschichtetes in guter Qualität.

So einen Kopf muss man sich darum aber nicht machen. Für Alu eignen sich 2-Schneider sehr gut. Was die Hersteller sagen ist mir da wurscht, ich nutze für mich privat die Hardal-Fräser mit 2 Schneiden in Alu. Etwas Kühlung/Schmierung (Spiritus und Wasser nehm ich nicht wegen Rost, normale Emulsion/Rapsöl/WD40 sind da besser) dran und die Schnittwerte entsprechend wählen, dann klebt da nix mehr, auch nicht bei Schmieralu. Bei Stahl sind 4-Schneider besser, hier sind beschichtete Fräser klar im Vorteil - mittlerweile nutzen viele Hersteller TiAlN (schwarz) als Beschichtung und ich kanns weiterempfehlen.

Bei Wendeplatten ists nicht so einfach, da am besten nach Schneidstoffgruppe wählen und bei Alu sind unbeschichtete, polierte Platten die Regel.

Ausdrehkopf für Bohrungen: Da gibts viele Chinesen die was bauen, wenn du dir was gönnen willst dann schau mal nach Wohlhaupter. Der UPA1 passt zur Deckel wie ein maßgeschneidertes Hochzeitskleid (hat mein Ausbilder mal gesagt). Aber auch Kayser (oder Kaiser?) oder Komet machen gutes Zeug. Allerdings ist da keiner wirklich billig, die beste Lösung ist oft ein gebrauchter Wohlhaupter aus der Bucht. Bei deiner Anwendung (reines Bohren) kommst du sicher mit einem normalen Ausdrehkopf aus und musst nicht den Plan- und Ausdrehkopf von Wohlhaupter nehmen, was für dich besser passt ist deine Entscheidung. So schlecht sind die Chinesen da nicht aber du weißt ja, haben ist besser als brauchen.

Rundtisch:
Der hat innen einen Morsekegel, zumindest sehr oft. Der Hinweis von Alfred mit den Aufspannplatten ist schon sehr gut, nur nicht zu dünn machen oder wählen. Mein 100er Futter hat seit kurzem eine 15mm Stahlplatte drunter.

Auf die Aufspannplatte kannst du dir einen Zentrierbund machen, so sitzt das Futter schonmal rund. In die Mitte kommt eine entsprechende Bohrung, fein ausgedreht. Nun kannst du einen MK-Rohling (also hinten Morsekegel, vorne ein weicher, zylindrischer Teil) nehmen und den vorderen Teil passend (gut saugend) zur Bohrung in der Aufspannplatte drehen. Zusammenbau geht dann so: MK-Rohling in den Tisch stecken, Futter mit Aufspannplatte aufsetzen, festschrauben, passt auf ein paar Hunderstel wenn du es richtig machst, je nach Qualität des Futters und des Rundtisches. Alternativ kann man auch noch eine Scheibe an einem MK-Bohrfutterdorn anschweißen/ankleben/anlöten und die bearbeiten.
Bei allem was wirklich perfekt rund laufen muss kommst du aber um die Ausrichtung per Messuhr nicht herum, besser du spannst solche Sachen auf die Planscheibe der Drehbank.

Spannpratzen:
Ich hab so ein Set, ist praktisch und von der Qualität okay aber nicht überragend. Man kann sich recht hübsche Sachen selbst bauen, ich verweise auf Hobby Messer von HansD (siehe z.B. den Flachspanner, oder googel mal Golmatic) und die Zerspanungsbude.

So. Und jetzt kannste wieder aufhören dich mit dem Höllengerät "Computer" zu beschäftigen und hast 2 Wochen was anständiges zu tun.

Übrigens: Die Deckel ist noch größerer Mist als die Steinel. Pack sie auf einen LKW und schick sie zu mir, ich mach die Entsorgung für dich
:feuer: :ducken:

:bierchen:

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