Metabo-Zukunft

01.09.2009

Metabo will sich gesundschrumpfen

Mit Entlassungen in Nürtingen und Meppen, Notopfer der verbleibenden Mitarbeiter und einer strategischen Neuausrichtung will der angeschlagene Werkzeughersteller Metabo wieder fit für die Zukunft werden.

Zu einem aktuell beschlossenen Maßnahmenpaket gehören, wie es in einer Presseinformation heißt, auch die bereits 2007 angekündigte Konsolidierung der deutschen Standorte und die damit verbundene stufenweise Schließung des Produktionsstandortes in Meppen sowie eine an das reduzierte Umsatz- und Ertragsniveau angepasste Overhead- und Verwaltungsstruktur am Stammsitz in Nürtingen. Dadurch macht sich der in Familienbesitz befindliche Elektrowerkzeugproduzent mit seinen weltweit derzeit ca. 2.300 Mitarbeitern trotz der durch die Weltwirtschaftskrise „drastisch verschlechterten Rahmenbedingungen“ nach Überzeugung von Horst W. Garbrecht, seit 01. April 2009 Vorstandsvorsitzender bei Metabo, fit für die Herausforderungen der Zukunft. Dies schaffe das schwäbische Traditionsunternehmen angeblich aus eigener Kraft. Zu verdanken sei das letztlich gemeinsamen Kraftanstrengungen der Eigentümerfamilien und der Mitarbeiter, der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den Hausbanken und dem „sehr offenen und zielorientierten Dialog“ mit dem Betriebsrat und der IG Metall im Landkreis Esslingen.2009 zirka 15 Prozent weniger Umsatz„Die Weltwirtschaftskrise hat auch bei Metabo tiefe Spuren hinterlassen, aber wir waren und sind gewappnet“, äußert sich Garbrecht zu den jüngsten Entscheidungen. Neben den Einschnitten in die Strukturen werde die „wichtigste Kurskorrektur“ eine nachhaltige Positionierung von Metabo als zielgruppenorientierte Marke sein. Das Sortiment werde sich noch stärker als bisher auf anwendungsbezogene Lösungen für professionelle Anwender konzentrieren. Obwohl sich das Unternehmen nach Aussage der Metabo-Chefs im laufenden Jahr besser als der Branchendurchschnitt entwickele und dabei in Deutschland sogar eine fast stabile Nachfrage verzeichne, schlage der weltweite Markteinbruch auf den mit einem Auslandsanteil von rund 80 Prozent international orientierten Hersteller ebenfalls stark durch. Voraussichtlich werde der Umsatz 2009 auf unter 320 Mio. Euro sinken und damit etwa 15 Prozent unter dem Niveau von 2008 (373 Mio. Euro) liegen. Entlassungen in Nürtingen, Mitarbeiter müssen auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten„Auf absehbare Zeit ist nicht damit zu rechnen, dass die Elektrowerkzeugbranche wieder das Umsatzniveau von vor der Krise erreichen wird“, prognostiziert Garbrecht. Deshalb sei es unverzichtbar, jetzt die notwendigen Konsequenzen zu ziehen, um Metabo langfristig rentabel und damit dauerhaft wettbewerbs-, investitions- und innovationsfähig zu erhalten. Für den Stammsitz in Nürtingen bedeute dies konkret:

    • Abbau von etwa 100 der aktuell zirka 1.200 Arbeitsplätze, fast ausschließlich im Verwaltungs- und Overheadbereich.
    • Im Produktionssektor wurde den Informationen zufolge bereits seit dem 4. Quartal 2008 durch einen Abbau von Leihkräften die Kapazität weitgehend an das reduzierte Umsatzvolumen angepasst, sodass das Werk ab September 2009 „nahezu ausgelastet“ sei.
    • Für die betroffenen Mitarbeiter werde eine Transfergesellschaft gegründet, die sie bei der Qualifikation und der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz unterstützen soll.
    • Für die Jahre 2010 bis 2012 verzichten die Beschäftigten auf jeweils 50 Prozent des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes. Die entsprechenden Beträge würden stattdessen – abhängig von der Ertragssituation – ggf. erstmals im Geschäftsjahr 2010 in Form einer Bonusregelung zu 110 % an die Mitarbeiter ausgezahlt. Für 2009 gebe es anstelle von Urlaubs- und Weihnachtsgeld eine Einmalzahlung in Höhe von 1.600 Euro pro Mitarbeiter.
    • Auf diesen geänderten Grundlagen bleibe die Mitte 2008 vereinbarte Beschäftigungssicherung bis 2013 in Kraft.

In den „in der Sache harten, aber stets konstruktiven Verhandlungen“ mit Betriebsrat und IG Metall sei der Wille beider Seiten spürbar gewesen, gemeinsam zu tragfähigen Lösungen zu kommen, die vor allem die langfristige Zukunftsfähigkeit des Unternehmens im Auge behielten. So würdigt Garbrecht ausdrücklich die Dialogbereitschaft und die Lösungsorientierung der Gewerkschaft mit Sieghard Bender, dem ersten Bevollmächtigten der IG Metall Esslingen, und des Betriebsrats-Vorsitzenden Peter Teubel.

Das Werk Meppen wird endgültig dichtgemacht
Für den Metabo-Standort in Meppen (Emsland) werde die bis 31.12.2009 fixierte Beschäftigungssicherungsvereinbarung für die derzeit noch rund 200 Mitarbeiter eingehalten. Allerdings habe der Elektrowerkzeugproduzent bereits vor zwei Jahren keinen Zweifel daran gelassen, dass er sich mittelfristig auf je einen Standort in Deutschland (Nürtingen) und China (Shanghai) konzentriere. Dies sei aus ökonomischen, logistischen und administrativen Gründen unvermeidbar. Die heute in Meppen produzierten Produkte würden stufenweise in die beiden verbleibenden Fertigungsstandorte integriert.

„Die Metabo-Geschäftsführung will unverzüglich Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern über eine schrittweise Schließung des Meppener Werkes bis Ende 2010, spätestens jedoch bis Mitte 2011, beginnen. In der ersten Stufe ist der Abbau von 80 bis 90 Stellen geplant. Den Beschäftigten soll auch in Meppen bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz konkrete Hilfe angeboten werden.“

Der Firmenchef weiter: „Alle Entscheidungen haben sich Aufsichtsrat und Vorstand nicht leicht gemacht. Aber gerade mit unserer strategischen Ausrichtung auf die Profi- und Zielgruppenfokussierung wird uns das, was wir uns gemeinsam vorgenommen haben, auch gelingen“.

Nach der Standortkonsolidierung gehe es daher im nächsten Schritt vor allem darum, das Markenprofil zu schärfen und sich mit innovativen Neuprodukten noch konsequenter als bisher um die professionellen Anwender zu kümmern. Der Vorstandsvorsitzende: „Mit einem auf die Bedürfnisse unserer Kunden besser ausgerichteten und gestrafften Sortiment sowie der hohen Produktqualität von Metabo werden wir uns noch deutlicher positionieren. Speziell die Konzentration unserer Entwicklungs-Abteilung auf lösungsorientierte Kompetenzprodukte trägt dazu bei, die Potenziale der Marke voll auszuschöpfen.“

Auch künftig will Metabo aber in den beiden Vertriebskanälen Fachhandel und Baumarkt präsent sein. Der Sortimentsbereinigung fiel offensichtlich bereits der Porsche-Bohrhammer zum Opfer. Das fast 500 Euro teure Gerät ist nicht mehr im offiziellen Metabo-Programm. Es wird derzeit für 199 Euro bei ATU verramscht.

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Mehrere Faktoren rechtfertigen nach Auffassung von Garbrecht einen „realistischen Zukunftsoptimismus“ für die Metabo-Gruppe. Nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden gehören dazu die aktuellen Entscheidungen, Vereinbarungen und Planungen. Hervorzuheben seien unter anderem das verstärkte finanzielle Engagement der Eigentümerfamilien sowie die nach „konstruktiven Verhandlungen“ mit den Arbeitnehmervertretern am Standort Nürtingen getroffenen Regelungen zum Lohnverzicht.
Mit einer „klaren Positionierung“ will Metabo die Wettbewerbsfähigkeit sichern. So plant der mittelständische Elektrowerkzeugspezialist, sein Profil zu schärfen und sich noch konsequenter auf professionelle Anwendergruppen zu konzentrieren. Deshalb gehe es bei der künftigen Sortimentsstrategie um weniger Komplexität und um mehr Lösungskompetenz . Ein aktuelles Innovationsbeispiel: ein Winkelschleifer mit „Autobalancer“-System zur Vibrationsreduktion. Fotos: Metabo