Interview mit Richard E. Geitner, Vorsitzender der Fein-Geschäftsführung

25.11.2007

Feine Zukunft

Richard E. Geitner
Richard E. Geitner, Vorsitzender der Fein-Geschäftsführung.

Fein-Geschäftsführer Richard E. Geitner bekennt sich zum Standort Deutschland.

140 Jahre Fein - was bedeutet für Sie Tradition?
Geitner:
Hinsichtlich der Strukturen, Prozesse und der Entwicklung des internationalen Geschäftes ist Fein ein modernes Unternehmen. Hinsichtlich unserer Werte und dem beständigen Ringen um die beste Lösung sind wir stark unserer Tradition verpflichtet.

Was macht die Marke Fein unverwechselbar?
Geitner: Wilhelm Emil Fein gründete Fein 1867 als „Werkstatt für elektrische und physikalische Apparate“. Bereits 1895 hat Fein die elektrische Bohrmaschine und damit das erste Elektrowerkzeug erfunden. Fein hat seit dieser Zeit die Entwicklung des Elektrowerkzeuges nachhaltig geprägt. Die über Generationen entwickelten und gefestigten Talente lassen sich zu folgenden Kernwerten verdichten: unverwüstlich, präzise, anwendernah, fachkundig, handhabbar, Erfinder, schwäbisch, Nischenspezialist und Elektrowerkzeugmanufaktur. Diese Werte prägen das Denken und Handeln unserer Mitarbeiter und spiegeln sich in unseren Produkten und den gesamten Leistungen des Unternehmens wider.

Welche Produkte sind dies im Detail?
Geitner:
Dabei handelt es sich beispielsweise um Ausbau- und Renovierungssysteme, die auf von Fein erfundenen Oszilliermaschinen aufbauen. Oder um anwendungsspezifische Pakete für die Edelstahlbearbeitung. Weitere Beispiele sind der Sicherheitswinkelschleifer mit elektrischen Bremssystemen und elektronischem Schalter oder spezifische Anwendungslösungen für die industrielle Serienmontage, wie der zweistufige Akku-Abschaltschrauber für präzise Verschraubungen in der Automobilendmontage.

Fein produziert bereits seit 1949 in Schwäbisch Gmünd-Bargau. Wie kam es dazu?
Geitner:
Die C. & E. Fein GmbH wurde 1867, vor 140 Jahren, in Karlsruhe gegründet. Bereits drei Jahre später wurde der Firmensitz nach Stuttgart verlegt und dort bis zum zweiten Weltkrieg als alleiniger Standort ausgebaut. Von den schweren Zerstörungen Stuttgarts im Zweiten Weltkrieg waren auch Fein Gebäude betroffen. Deshalb war das Unternehmen gezwungen, Ausweichproduktionsflächen zu suchen. Für eine Übergangszeit wurden so auch Räumlichkeiten im Raum Schwäbisch Gmünd zur Aufrechterhaltung der Produktion angemietet. Als sich die C. & E. Fein GmbH entschloss, auch einen dauerhaften Standort außerhalb von Stuttgart aufzubauen, fiel die Wahl auf Bargau. 1949 wurde dort der erste Fertigungsbereich in Betrieb genommen. Bargau wuchs in den folgenden Jahren zum größten Fein-Standort mit den Bereichen Montage, Motorenfertigung, Kunststofffertigung und Logistik heran.

Welche weiteren Fein-Standorte gab es oder gibt es in Deutschland? Wie haben sich die Standorte entwickelt?
Geitner:
1961 wurde in Genkingen bei Reutlingen auf der Schwäbischen Alb ein weiterer Fertigungsstandort gegründet. Zur Teile- und Elektronikfertigung wurden später dort auch der Fein-Service und die Entwicklung angesiedelt.

Als Fein 1870 nach Stuttgart zog, lag das Fein-Areal noch weit vom Zentrum der Landeshauptstadt entfernt. Stuttgart wuchs in den folgenden Jahrzehnten enorm. Irgendwann war das Zentrum bis zum ursprünglichen Fein-Areal herangewandert. Wir lagen damit mitten in einer dicht bebauten Innenstadt mit allen logistischen Hindernissen und Wachstumsnachteilen für ein Industrieunternehmen. Vor rund zehn Jahren wurden aus diesen Gründen auch die noch in Stuttgart verbliebenen Produktions- und Entwicklungsbereiche verlagert. Die Landeshauptstadt wurde für Fein zum reinen Vertriebs- und Verwaltungsstandort.

Im Jahr 2004 beschlossen wir schließlich, die drei deutschen Standorte Stuttgart, Genkingen und Bargau zu einem zentralen Fein-Unternehmenssitz zusammen zu führen, um unsere mittel- und langfristige Strategie optimal verfolgenzukönnen. Die Entscheidung für Bargau erfolgte im Zuge eines sehr detaillierten und objektiven Standortauswahl- und Vergleichsprozesses.

Die neue Fein Unternehmenszentrale in Schwäbisch Gmünd-Bargau wurde im Juli 2007 fertiggestellt. Jetzt sind in Bargau alle Unternehmensfunktionen gebündelt. Können Sie das dahinter stehende Standortkonzept näher beschreiben?
Geitner:
Das Standortkonzept umfasst neben der Bündelung aller Unternehmensbereiche in Bargau noch weitere, zukunftsweisende Maßnahmen:
• Die Fokussierung auf die Fein-Kernkompetenzen Vertrieb, Entwicklung, Motorenfertigung und Montage.
• Die Auslagerung der Fertigwarenlogistik an einen Dienstleister.
• Die Erweiterung der Montagefläche um 50 Prozent.
• Die vollständige Neugestaltung der Montage.
• Den Bau eines neuen Entwicklungs-, Vertriebs- und Verwaltungsgebäudes mit rund 7700 Quadratmetern Fläche und großzügigen Demo- und Schulungsbereichen. Mit dem Bezug der neuen Fein-Zentrale schließen wir jetzt die Umsetzung unseres Standortkonzepts ab.

Welche Vorteile ergeben sich für Fein durch die Konzentration auf einen Standort in Schwäbisch Gmünd-Bargau?
Geitner:
Mit der Zusammenführung aller Standorte rücken die Funktionen Vertrieb, Produktmanagement, Entwicklung und die Montage im Fein Kompetenzzentrum für Elektrowerkzeuge eng zusammen. Das verkürzt Entscheidungswege und beschleunigt unsere Geschäftsprozesse. Wir werden noch schneller auf neue Anforderungen der Kunden und Märkte reagieren können.

Können Sie die Investitionen am Standort Bargau beziffern?
Geitner:
Die Investitionen allein in den Bau des neuen Kompetenzzentrums liegen bei rund 11 Millionen Euro. Zusätzlich setzte Fein in den vergangenen Jahren erhebliche Mittel für die Erweiterung der Montagefläche, für den Umbau des Produktionslagers und für die umfangreiche Weiterentwicklung der bestehenden Produktions- und Logistikstrukturen ein.

Wie viele Mitarbeiter sind derzeit bei Fein beschäftigt?
Geitner:
Die Fein-Gruppe mit allen Tochtergesellschaften beschäftigt heute 840 Mitarbeiter. Rund 570 Menschen arbeiten aktuell bei Fein in Bargau.

Für viele Fein-Mitarbeiter stellt der Umzug nach Bargau eine erhebliche Änderung ihrer Lebensumstände dar. Wie wurden sie auf die anstehenden Veränderungen vorbereitet?
Geitner:
Alle Fein-Mitarbeiter wurden bereits vor über drei Jahren von den geplanten Maßnahmen detailliert informiert. So konnten sich alle Beschäftigten der Standorte Stuttgart und Genkingen rechtzeitig auf die Veränderungen einstellen.

Aufgrund der Entfernung, insbesondere aus Genkingen, konnten sich nicht alle Mitarbeiter, die in Bargau einen Arbeitsplatz angeboten bekamen, dazu entschließen, den Weg mit uns zu gehen. So gab es in einigen Bereichen in den letzten drei Jahren einen für Fein ungewöhnlichen Personalwechsel. Erfreulich ist jedoch, dass es uns gelungen ist, sehr qualifizierte Mitarbeiter für Bargau zu gewinnen. Besonders freut uns, wie aktiv die Integration neuer Kolleginnen und Kollegen durch unsere Mitarbeiter unterstützt wurde.

Wie sieht die Zukunft von Fein aus?
Geitner: Mit der Entscheidung und der Umsetzung des Standortkonzeptes bekennt sich Fein nachhaltig zum Standort Deutschland. Fein ist auch im 141. Jahr seines Bestehens eine reine Familiengesellschaft. Als wirtschaftlich sehr gesundes Unternehmen kann Fein, wie die Maßnahmen der letzten Jahre zeigen, seine weitere Entwicklung aktiv gestalten. Die wichtigsten Zukunftsthemen für Fein sind:
• Innerhalb der drei Fein Marktsegmente Metall, Ausbau und Automobil werden wir unser Profil im Markt weiter schärfen und unser Sortiment konsequent ausbauen.
• Wir werden unsere Innovationskraft kontinuierlich stärken und uns noch intensiver mit spezifischen Anwendungslösungen für unsere Kunden auseinandersetzen.
• Den Internationalisierungsprozess führen wir gezielt fort.

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