Metabo: Chequers Capital steigt als Investor ein

19.06.2012

Investmentfond als Retter

Metabo-Stammsitz in Nürtingen
Finanzvorstand Eric Oellerer (links) und Vorstandsvor- sitzender Horst W. Garbrecht (Fotos: Metabo)
Der französische Investor Chequers Capital hat künftig bei Metabo das Sagen.

Mehr als ein Jahr lang hat Metabo einen neuen Investor gesucht. Jetzt ist das Unternehmen endlich unter den Hammer gekommen. Chequers Capital übernimmt auf dem Wege einer Kapitalerhöhung die Mehrheit am Nürtinger Elektrowerkzeug-Hersteller.

Im Zusammenhang mit der Übernahme der deutlichen Anteilsmehrheit bei Metabo durch den französischen Investor wird sich auch das Management-Team von Metabo um den Vorstandsvor­sitzenden Horst W. Garbrecht und den Finanzvorstand Eric Oellerer am Unternehmen beteiligen. Die restlichen Anteile bleiben im Besitz der drei Gründerfamilien, die bislang alleinige Anteilseigner waren. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die zuständigen Kartellbehörden. Es wird erwartet, dass diese bis Ende August abgeschlossen sein wird. Genaue Angaben über die Höhe der Investition wurden nicht gemacht. Nach Informationen der Stuttgarter Zeitung hält Chequers Capital künftig deutlich mehr als 50 Prozent des Kapitals, vermutlich sind es sogar 75 Prozent oder gar mehr.

Mit dem Einstieg von Chequers Capital geht eine über einjährige Suche zu Ende, bei der Metabo von dem Hamburger Bankhaus Berenberg unterstützt wurde. „Wir wollten nicht irgendeinen Investor, wir wollten den richtigen – und diesen haben wir in Chequers Capital gefunden“, freut sich Garbrecht. „Wir haben das Unternehmen erfolgreich restrukturiert und parallel eine strategische Neuausrichtung eingeleitet, die zwischenzeitlich im Markt immer besser greift. Mit dem frischen Wachstumskapital aus Frankreich können wir in Marke und Märkte investieren und optimieren gleichzeitig die Bilanz. Wir schließen damit das Kapitel der Restrukturierung von Metabo wie geplant ab“, erklärt Garbrecht.

Chequers Capital in Paris zählt zu den traditionsreichen strategischen Investoren in Europa. Das Kapital kommt von institutionellen Anlegern weltweit. Etwa 70 Prozent sind Pensionsgelder. Der aktuelle Fond des Unternehmens hat ein Volumen von 850 Mill. Euro, die in etwa 15 Beteiligungen (jeweils zirka 30 bis 100 Mill. Euro) in unterschiedlichen Branchen investiert werden sollen. In Deutschland ist Chequers Capital seit 2010 aktiv. Bisher hat der Investor Anteile der DTK Deutsche Telekabel (Kabelnetzbetreiber), der Silver Care Holding (Pflegeheimbetreiber) und der Cordenka (Hersteller von industriellen Garnen) erworben. Metabo ist nun das vierte Investment hierzulande.

Klare Strategie und überzeugende Vision

„Wir arbeiten bevorzugt mit unternehmerisch geprägten Managementteams zusammen“, sagt Dr. Karsten Hartmann, Geschäftsführer der Münchener Dependance von Chequers Capital. „Und wir beteiligen uns ausschließlich an Unternehmen, die gut aufgestellt und stabil sind. Bei Metabo gibt es eine klare Strategie und eine überzeugende Vision für die weitere Entwicklung des Unternehmens. Deshalb freuen wir uns über die Entscheidung von Metabo und auf die künftige Zusammenarbeit.“ Gerade durch die neue Strategie (Konzentration auf Profiwerkzeuge) und die erfolgreiche Produktentwicklung erwartet der Investor, dass Metabo künftig seinen Umsatz stärker als der Markt steigern kann. Vor allem auf den Auslandsmärkten sieht Dr. Hartmann gute Entwicklungschancen für das Unternehmen.

Prozess mit vielen Interessenten

Metabo hatte Ende Mai 2011 mit der Suche nach einem Investor begonnen; werkzeug-news.de berichtete. Laut Finanzvorstand Eric Oellerer wollte das Unternehmen angesichts des geglückten Turnarounds die Eigenkapitalausstattung für die Umsetzung der langfristig angelegten Strategie und die geplanten Wachstumsmaßnahmen stärken. „Es war ein Prozess mit vielen Interessenten und wir haben uns die nötige Zeit gelassen und sehr genau geprüft, welcher Investor am besten zu uns passt. Ein entscheidendes Argument für Chequers Capital war, dass dieser Investor den Mittelstand versteht und uns ganz klar signalisiert hat, dass er die eingeschlagene Strategie voll mitträgt“, erklärt Oellerer. Durch das von Chequers Capital eingebrachte Kapital werde die Bilanz nachhaltig gestärkt. „Das schafft viel neuen Spielraum, um unsere Wachstumsstrategie konsequent umzusetzen“, freut sich der Finanzvorstand.

Langfristige Zukunft am Stammsitz Nürtingen

„Metabo hat als Familienunternehmen eine lange Tradition. Aus diesem Grund fühlen wir uns natürlich dem Unternehmen verpflichtet und daher halten die Gründerfamilien weiterhin Anteile“, erklärt Hans-Joachim Rauch als Vertreter der Gesellschafterfamilien. „Wir haben gemeinsam mit dem Management einen Investor gesucht, mit dem Metabo auch hier am Nürtinger Stammsitz eine langfristige Zukunft hat und freuen uns auf die zukünftige Zusammenarbeit.“ Die Gründerfamilien hatten zu Beginn des Prozesses Dr. Volker Grub und Ulrich Brugger von der Anwaltskanzlei Grub-Brugger hinzugezogen, die ihre Interessen gebündelt und vertreten haben. „Metabo war für unsere Kanzlei ein eher ungewöhnliches Mandat, das wir aber gerade deswegen sehr gerne übernommen haben“, sagt Grub. Der Anwalt sieht in der Beratung von Familiengesellschaftern bei der Aufnahme weiterer Anteilseigner in ein Unternehmen ein sehr interessantes Geschäftsfeld für seine Kanzlei. „Bei Familienunternehmen geht es oft darum, die Interessen verschiedener Familienstämme unter einen Hut zu bringen. Wenn dies ein neutraler Dritter übernimmt, vereinfacht das den Prozess enorm“, ist sich Grub sicher. Auch Sieghard Bender, Erster Bevollmächtigter der IG Metall, sieht den Einstieg des Investors als richtigen Schritt. „Wir haben diesen Prozess von Anfang an unterstützt. Nach schwierigen Jahren in der Krise und enormen Anstrengungen der Belegschaft bringt diese neue Gesellschafterstruktur Metabo zusätzliche Stabilität, was sich natürlich positiv auf die langfristige Sicherheit der Arbeitsplätze auswirkt.“ Eine über bisher bestehende Vereinbarungen hinausgehende Arbeitsplatzgarantie durch den neuen Investor gibt es aber nicht. Eine Gefahr für die Arbeitsplätze sieht Bender nicht. Immerhin erhofft er sich für die IG Metall einen Sitz im künftigen Aufsichtsrat.

Erfolgreiches Jahr 2011

Für das Jahr 2011 hatten die Nürtinger vor kurzem gute Zahlen vorgelegt. Der Umsatz des Unternehmens stieg im Jahr 2011 bereinigt um Sondereffekte um 7 Prozent auf 341 Mio. Euro. „Wir freuen uns über das Umsatzwachstum. Aber noch wichtiger ist, dass wir das operative Ergebnis (EBIT) im Vergleich zum Vorjahr erneut überproportional gesteigert haben“, erklärt der Vorstandvorsitzende Garbrecht. „Die während der Krise umgesetzte Restrukturierung greift jetzt voll. Wir haben unser Produktsortiment auch im Jahr 2011 weiter stark bereinigt, uns von Bereichen getrennt, die nicht wirklich zu Metabo passen, und dem Unternehmen mit der Konzentration auf professionelle Anwender wieder eine klare Richtung gegeben. Das Ergebnis 2011 belegt mehr als deutlich, dass dies der richtige Weg ist.“

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