Branchenstimmung vor der Eisenwarenmesse 2012

31.12.2011

Mit guter Laune ins neue Jahr

J. Wolfgang Kirchhoff
J. Wolfgang Kirchhoff

Im Vorfeld der Kölner Eisenwarenmesse 2012 berichtete der Vorsitzende des Fachbeirats der Messe, J. Wolfgang Kirchhoff (Kirchhoff-Gruppe, u.a. Firma Witte), auf einer Pressekonferenz über die Stimmung in den ausstellenden Branchen und ihren Verbänden. Hier einige Auszüge aus seiner Rede:

„Werfen wir zunächst einen Blick zurück auf das Jahr 2010 und die vergangenen Monate und beginnen mit den guten Nachrichten aus der deutschen Werkzeugindustrie. Die Umsätze erreichten im Jahr 2010 nach Angaben des Fachverbandes Werkzeugindustrie 3,4 Mrd. Euro, ein Plus von 25 Prozent gegenüber dem Krisenjahr 2009. Und im Jahr 2011 ging es erst einmal so weiter: 16,8 Prozent Plus im ersten Halbjahr ist ebenfalls eine erfreuliche Entwicklung, auch wenn sich die Dynamik der Auftragseingänge in den letzten Monaten seit Juli abgeschwächt hat.

Das Exportgeschäft konnte im 1. Halbjahr 2011 um 15,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau zulegen. Dabei ist Europa weiterhin der wichtigste Absatzmarkt: 55,7 Prozent der Gesamtausfuhr fließen in die EU-Mitgliedsstaaten – der Export dorthin stieg um 15,6 Prozent.

Wie ist die momentane Stimmung bei den Handwerkzeug-Herstellern inmitten von Eurodebatte und Schuldenkrise? Ein drastischer Einbruch von Bestellungen wie zu Beginn des Abschwungs 2009 ist bislang glücklicherweise nicht eingetreten. Über 60 Prozent der befragten FWI-Mitglieder beurteilen ihre aktuelle wirtschaftliche Lage mit „befriedigend“; 38 Prozent sogar mit „günstig“. Bis Frühjahr 2012 rechnen zwei Drittel der Werkzeughersteller mit einer gleichbleibenden wirtschaftlichen Situation. Ein Drittel befürchtet eine Abschwächung der Konjunktur.

Ein ähnliches Bild zeichnet der Zentralverband Hartwarenhandel ZHH. Der Aufschwung hat sich im ersten Halbjahr 2011 fortgesetzt, allerdings liegen die Wachstumsraten beim Produktionsverbindungshandel deutlich höher als im Hartwareneinzelhandel. Der Eisenwaren- und Hausrateinzelhandel wuchs – getragen von den Sortimenten Elektrowerkzeuge, Befestigungstechnik, Kleinelektrogeräte, Hausrat und Sicherheitstechnik – um rund 4,5 Prozent. Die Nachfrage nach Markenprodukten und fachlicher Beratung steigt. Bis zum Jahresende geht der ZHH beim Hartwareneinzelhandel von einer Fortsetzung des bisher erfreulichen Konsumverhaltens aus, auch wenn die Auswirkungen der Schuldenkrise noch nicht absehbar sind. Fürs laufende Jahr erwarten wir daher ein positives Wachstum, wobei die Werte unter den Halbjahreszahlen liegen werden.

Der Aufschwung in Deutschland führte im ersten Halbjahr 2011 auch beim Produktionsverbindungshandel (PVH), der die gewerblichen Endkunden bedient, zu Umsatzsteigerungen zwischen 7 und 11 Prozent. Die Umsatzentwicklung für den Bereich Baubeschlag ist mit 7,5 Prozent Plus bislang im Jahr 2011 besser als erwartet. Der Werkzeughandel steigerte im 1. Halbjahr seine Umsätze um ganze 11 Prozent. Das Wachstum zieht sich durch alle Warengruppen, kräftige Steigerungen verbuchen vor allem Arbeitsschutz, Betriebseinrichtungen, der gesamte Werkzeugbereich und der Industriebedarf.

Auch hier lautet die Prognose für den Rest des Jahres: Die im Sommer einsetzende Abschwächung der Dynamik wird sich fortsetzen. Da die Auftragsbücher aber voll sind, wird für den PVH ein weiteres Wachstum in den kommenden Monaten erwartet. Unterm Strich ist für 2011 mit einem Zuwachs zwischen 6 und 10 Prozent zu rechnen.

Ein verregneter Sommer hat auch den Umsatzzuwachs in den Baumärkten zwischenzeitlich gebremst, berichtet der Bundesverband Deutscher Heimwerker-, Bau- und Gartenfachmärkte BHB. Dennoch setzt der deutsche Baumarkthandel 2011 seinen stabilen Wachstumskurs fort. Bis Ende September steigerten die Bau- und Heimwerkermärkte ihren Bruttoumsatz um ein Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Auf 14,17 Milliarden Euro summiert sich der Gesamtumsatz, den der Baumarkthandel in den ersten neun Monaten des Jahres erwirtschaftet hat. Nach Umsatzrekorden im Frühjahr blieben die Sommermonate weit hinter den Erwartungen des Handels zurück. Seit August verzeichnet der Branchenreport von BHB und GfK dagegen wieder konstant wachsende Umsatzzahlen. Zu den Umsatztreibern zählen die Warengruppen Baustoffe und Bauchemie mit plus 3,3 Prozent, Holz und Kunststoffe (plus 5,1 Prozent) sowie die Anstrichmittel mit einem Plus von 6,6 Prozent.

Dass die Branche in Deutschland weiterhin überdurchschnittlich wächst, konstatiert der Herstellerverband Haus & Garten, in dem aktuell 131 Industrieunternehmen von Bau-, Haus und Gartenprodukten zusammengeschlossen sind. Der Verband meldet ein positives erstes Halbjahr 2011 mit Umsatzzuwächsen zwischen 4 Prozent auf nationaler und 9 Prozent auf internationaler Ebene. Auch hier gilt jedoch, dass das zweite Halbjahr die gute Entwicklung nicht in dieser Stärke fortsetzen konnte. Dennoch rechnet der Verband Haus & Garten mit einem positiven Jahresergebnis zwischen 2 und 3 Prozent für das Gesamtjahr 2011.

Zum Schluss noch ein Blick über die Landesgrenzen: Laut der European DIY Retail Association EDRA muss die aktuelle Umsatzentwicklung in den europäischen Ländern differenziert betrachtet werden. Während der Daumen bei Deutschland, Österreich und Frankreich leicht nach oben zeigt, treten Länder wie Irland, Großbritannien, die Niederlande, Spanien oder Italien eher auf der Stelle. Einen regelrechten Boom erfährt Russland mit Wachstumsraten bis zu 30 Prozent. Auch die Türkei, Belgien und Finnland liegen deutlich im Plus.

Wie lassen sich die verschiedenen Statements aus Industrie und Handel auf einen Nenner bringen? Sehr verkürzt könnte man sagen: Der Branche geht es gut und die Maschinen laufen derzeit allerorten auf Hochtouren. Seit Sommer stottern die Motoren allerdings ein wenig. Vor allem die wetterabhängigen Produkte haben unter dem schlechten Sommer gelitten. Dazu kommen die aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen im Euroraum, die quer durch alle Bereiche für Verunsicherung und zurückhaltende Prognosen sorgen. Dem zum Trotz hat sich die Konsumentenstimmung in Deutschland in den vergangenen Wochen kaum verschlechtert. Die Verbraucher bleiben offenbar gelassen. Wie es 2012 in der Eurozone weitergeht, darauf schauen wir alle hier - glaube ich - mit Spannung.

Eines steht fest: Die Hardware-Welt wird auch im Jahr 2012 auf ihrer Branchenplattform Nummer Eins, der Eisenwarenmesse in Köln, sehr viel Gesprächsstoff haben."

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Die Internationale Eisenwarenmesse Köln 2012 findet vom 4. bis 7. März 2012 statt. Die Öffnungszeiten sind 9:00 bis 18:00 Uhr.

Die Eintrittpreise für Fachbesucher betragen:

Tageskarte
Vorverkauf
22 Euro

Kassenverkauf
29 Euro
2-Tageskarte
Vorverkauf
32 Euro

Kassenverkauf
42 Euro
Dauerkarte
Vorverkauf
43 Euro

Kassenverkauf
55 Euro

 

 

 

 

 

 

Schwerpunkte der Internationalen Eisenwarenmesse Köln sind Werkzeuge, Industriebedarf, Befestigungs- und Verbindungstechnik, Beschläge, Bau- und Heimwerkerbedarf.