Bosch-Geschäftsbericht 2010

25.03.2011

Bosch Power Tools wächst schneller als der Markt

Dr.-Ing. Stefan Hartung, Chef von Bosch Power Tools

Bosch Power Tools ist gestärkt aus der Finanz- und Wirtschaftskrise hervorgegangen. In allen Geschäftsfeldern hat das Unternehmen seine Position ausgebaut und wichtige Marktanteile gewonnen. Bei handgehaltenen Elektrowerkzeugen, Zubehör und Messwerkzeugen ist Bosch weiterhin weltweit die Nummer eins. Bei elektrischen Gartengeräten hält Bosch die zweite und bei Stationärgeräten die dritte Position.

Anlässlich der Pressekonferenz in Leinfelden am 24. März 2011 berichtet Dr.-Ing. Stefan Hartung, Vorsitzender des Bereichsvorstands von Bosch Power Tools, über die Geschäftsentwicklung im letzten Jahr:

"Im Geschäftsjahr 2010 haben wir einen Umsatz von 3,5 Milliarden Euro erzielt. Das entspricht einem Zuwachs von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ein Teil dieses Wachstums ist auf Wechselkurseinflüsse zurückzuführen. Rechnet man diese Einflüsse heraus, beträgt das Wachstum noch 13 Prozent.

Unsere wesentlichen Märkte haben sich nach der Wirtschaftskrise schnell erholt. Insbesondere im Geschäft mit Heimwerkergeräten hat die Nachfrage stark zugenommen. Unser relevanter Gesamtmarkt wuchs 2010 um sechs Prozent, die großen Teilmärkte „handgehaltene Elektrowerkzeuge“ um sieben Prozent und „Zubehör“ um vier Prozent.

Das Marktwachstum fand in allen Regionen statt. Erfreulich ist die Entwicklung in den Märkten Europa und Asien. Bei handgehaltenen Elektrowerkzeugen betrug es jeweils acht Prozent. Auch in Nordamerika schaffte der Markt die Wende und nahm nach mehreren schwachen Jahren auf diesem Sektor um drei Prozent zu. Dort stiegen die Ausgaben und auch das Verbrauchervertrauen. Dennoch blieb die Bautätigkeit in Nordamerika weiter schwach. Die immer noch schwierige Finanzierung von Neubauprojekten und ungünstige Witterungsbedingungen belasteten die Baukonjunktur. Für einen Teilausgleich sorgten industrielle Bauvorhaben und das im letzten Jahr initiierte Konjunkturprogramm der Administration Obama.

Bosch Power Tools ist weltweit stärker als die jeweiligen Märkte gewachsen: In Europa nahmen unsere Umsätze um 19 Prozent (währungsbereinigt um 15 Prozent) zu, in Asien/Pazifik um 30 Prozent (16 Prozent) und in Lateinamerika um 39 Prozent (22 Prozent). Selbst in Nordamerika wuchsen wir um elf Prozent (fünf Prozent).

Schon seit vielen Jahren erzielen wir rund 90 Prozent des Umsatzes außerhalb Deutschlands. Schwerpunkte unseres Geschäfts waren bisher stets die europäischen Länder und Nordamerika. Dies wird auch noch geraume Zeit so bleiben. Aber die Märkte in der Wachstumsregion Asien/Pazifik werden immer wichtiger. Innerhalb von nur vier Jahren wuchs deren Anteil an unserem Umsatz von knapp zehn Prozent im Jahr 2007 auf knapp 14 Prozent im Jahr 2010.

Bisher waren wir in den Märkten in Asien/Pazifik vor allem mit Werkzeugen für professionelle Verwender präsent. Jetzt bauen wir unser Geschäft in weiteren Segmenten aus, insbesondere in der Messtechnik, bei Zubehör und Gartenwerkzeugen. Zugleich sorgen wir für noch mehr Nähe zum Kunden. So errichten wir in China und Indien zahlreiche neue Vertriebsbüros.

Die Zahl unserer Mitarbeiter beträgt weltweit rund 18.000. Vor allem in der Wachstumsregion Asien/Pazifik haben wir im vergangenen Jahr Mitarbeiter eingestellt, mit dem Schwerpunkt, den Vertrieb vor Ort zu stärken. In Deutschland blieb die Mitarbeiterzahl weiter stabil bei rund 3.000.

Unseren Erfolg in den Märkten verdanken wir zu einem bedeutenden Teil unserer Innovationskraft. Im Jahr 2010 haben wir hierzu eine neue Bestmarke erreicht: Rund 40 Prozent unseres Umsatzes erzielten wir mit Produkten, deren Einführung weniger als zwei Jahre zurück liegt. Dieser hohe Anteil beruht zwar auch auf einem Einmaleffekt: der Einführung des neuen Transport- und Verpackungssystems „L-Boxx“, das wir dem europäischen Fachhandel schon annähernd eine Million Mal verkaufen konnten. Insgesamt maßgeblich für die hohe Innovationsrate ist unser großer Aufwand für Forschung und Entwicklung und das Engagement unserer Mitarbeiter. Wir werden alles tun, um dieses hohe Niveau beizubehalten.

Besondere Wachstumsfelder sind und bleiben für uns Akku-Elektrowerkzeuge und Akku-Gartengeräte. In der Lithium-Ionen-Technik waren wir von Anfang an Technologieführer. 2003 brachten wir den Welterfolg „Ixo“ auf den Markt. Im Jahr 2005 machte Bosch auch den Profis mit dem ersten Lithium-Ionen-Akkuschrauber die Vorteile dieser Akkutechnik zugänglich. Heimwerker und Handwerker erleben seitdem bei vielen Geräteklassen, dass Bosch das jeweils erste Elektrowerkzeug mit Lithium-Ionen-Akku auf den Markt bringt.

Wie schon in den vergangenen Jahren wächst die Zahl der Geräte mit Akku rasch weiter. In Deutschland nahm das Marktvolumen der Akkugeräte selbst im Krisenjahr 2009 zu. Im Jahr 2010 ist laut GfK im europäischen Fachhandel der Anteil der Akkugeräte an den Elektrowerkzeugen insgesamt auf 39 Prozent gestiegen (gemessen am Wert). 73 Prozent davon entfallen auf Maschinen mit Lithium-Ionen-Technik. Bosch Power Tools erzielte 2010 nach Angaben der GfK bei den Profi-Werkzeugen sogar 80 Prozent des Akkugeräte-Umsatzes mit Lithium-Ionen-Akkugeräten.

Eine besondere Erfolgsstory schreibt unser Bereich Messtechnik. Hier konnten wir im vergangenen Jahr nach vorläufigen Zahlen mehr als drei Prozentpunkte Marktanteil gewinnen und unsere Position als Nummer eins im Markt ausbauen. Das verdanken wir unserer Geschäftsstrategie, die auf hoher Kundenorientierung und der Markenvielfalt beruht. Wir bieten Profigeräte der Marken Bosch und CST/berger an, die Heimwerker erhalten Messgeräte der Marken Bosch und Skil. Entscheidend ist, dass wir mit unseren Messgeräten genau die Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppe erfüllen:

  • Heimwerker wollen handliche, einfach zu bedienende Geräte mit übersichtlichem, selbsterklärendem Bedienfeld.
  • Handwerker bevorzugen Messgeräte, die ebenfalls handlich und leicht zu bedienen sind, aber zugleich mehrere Funktionen bieten, damit sie bei ihrer Arbeit mit einem Gerät viele Aufgaben lösen können.
  • Vermessungstechniker, die im freien Feld arbeiten und der Witterung ausgesetzt sind, legen vor allem Wert auf äußerste Robustheit.

Diesen Wünschen wird unser Lieferprogramm inklusive der Neuheiten für 2011 voll gerecht.

Das Jahr 2011 hat gut für uns begonnen. Wir erwarten, dass sich die weltweite Konjunktur weiter verbessert, sowohl was die Nachfrage der privaten Endverbraucher als auch was die Baukonjunktur betrifft. Das Baugewerbe wird unserer Einschätzung nach in diesem Jahr wieder das Vorkrisen-Niveau erreichen – wesentlich schneller, als noch vor einem Jahr angenommen.

Mit der konjunkturellen Erholung einher gehen allerdings immer weiter steigende Rohstoffpreise, die unsere Kosten erhöhen. Dazu kommen die Unsicherheiten durch Währungsschwankungen. Insgesamt sind wir uns aber sicher, dass die Chancen die Risiken übertreffen. Wir werden die weitere Erholung der Märkte nutzen und wollen auch 2011 schneller wachsen als der Markt."

Die Auswirkungen der Katastrophe in Japan für den Elektrowerkzeugmarkt sind nach Aussage von Hartung aber bisher noch nicht übersehbar. Zerstört sind wohl mehrere Werke von Hitachi und eine große Fertigungstätte für Lithium-Ionen-Akkus. Da Bosch aus der Region keine Teile bezieht, dürften die Auswirkungen der Katastrophe auf die Lieferfähigkeit von Bosch-Elektrowerkzeugen nur gering sein.