Weltmarkt Elektrowerkzeuge 2009

29.04.2010

Bosch gewinnt Marktanteile im rückläufigen Markt

Stefan Hartung, Elektrowerkzeug-Chef von Bosch

Stefan Hartung, Vorsitzender des Bereichsvorstands des Geschäftsbereichs Power Tools der Robert Bosch GmbH berichtet über die Entwicklung des Elektrowerkzeugmarktes 2009 und die Position von Bosch in diesem Markt.

Bosch Power Tools ist gut aufgestellt. Der Geschäftsbereich ist in den Märkten handgehaltene Elektrowerkzeuge, Zubehör und Messwerkzeuge weltweit die Nummer Eins. Bei elektrischen Gartengeräten sind wir an zweiter und bei Stationärgeräten an dritter Stelle. Kein Hersteller kann unsere Angebotsbreite bieten. Unser Lieferprogramm ist ganz an Verwenderbedürfnissen ausgerichtet.

Wie nahezu die gesamte deutsche Industrie spürte auch Bosch Power Tools im Jahr 2009 die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftkrise. Unser relevanter Gesamtmarkt ging um 16 Prozent auf 17 Milliarden Euro zurück, die großen Teilmärkte handgehaltene Elektrowerkzeuge um 17 Prozent und Zubehör um 14 Prozent.

Weltmarkt Elektrowerkzeuge: Handgehaltene Elektrowerkzeuge ohne Stationärgeräte, Zubehör, Gartengeräte und Messgeräte. Währungsbereinigte Entwicklung.

Der Absatz von handgehaltenen Elektrowerkzeugen war von der anhaltenden konjunkturellen Schwäche des Baugewerbes betroffen. Die Betriebe hielten sich besonders bei der Beschaffung höherwertiger Maschinen und Geräte zurück. Dagegen verzeichneten wir im Heimwerkerbereich deutlich geringere Einbußen. Der Trend zum Selbermachen und Verschönern des „Zu Hause“ wirkte sich positiv aus.

Besonders negativ war die Entwicklung in den wichtigen Märkten Nordamerika mit -13 Prozent und Europa mit -23 Prozent. In Europa brachen insbesondere die Märkte in Osteuropa (-38 Prozent) und Spanien (-35 Prozent) ein. In Asien verlief die Wirtschaftskrise weniger ausgeprägt mit einem Rückgang von sechs Prozent, in Lateinamerika kam es nur zu einer Stagnation.

Weltmarkt Elektrowerkzeuge: Währungsbereinigte Entwicklung nach Regionen.

Bosch Power Tools konnte in diesem schwierigen Umfeld einmal mehr Marktanteile gewinnen, vor allem bei handgehaltenen Elektrowerkzeugen, Zubehör und elektrischen Gartengeräten. Unser Umsatz ging um 15 Prozent zurück auf etwa drei Milliarden Euro.

Den stärksten Umsatzrückgang verzeichneten wir in Europa: Wobei unser Rückgang von -18 Prozent deutlich geringer ausfiel, als der Rückgang des europäischen Elektrowerkzeugmarktes von -23 Prozent. In Nordamerika steht unserem Umsatzrückgang von sieben Prozent eine Abnahme des Marktvolumens von 13 Prozent gegenüber. Auch in Asien entwickelte sich Bosch Power Tools deutlich besser als der Markt.

Die Beschäftigtenzahl verringerte sich 2009 weltweit um rund 500 Mitarbeiter auf rund 17.500 Mitarbeiter. Die Rückgänge erfolgten vor allem in Nordamerika und in Europa. In Deutschland konnte Bosch Power Tools die Mitarbeiterzahl von rund 3 000 weitgehend stabil halten.

Grundlage unserer Marktanteilsgewinne ist unsere Innovationskraft und unser Innovationstempo. 37 Prozent der Umsätze in 2009 erzielten wir mit Geräten, deren Marktstart weniger als zwei Jahre zurückliegt. Diese Strategie verfolgen wir seit gut zehn Jahren und bauen sie kontinuierlich weiter aus.

Dieses Innovationstempo ist kein Zufall, sondern Ergebnis kontinuierlicher Verbesserung der Prozesse, von der Idee bis zur Markteinführung der Erzeugnisse. Wir haben eine Innovationskultur, die systematisch Kreativität und Ideenreichtum fördert. Beispielsweise leiten wir aus umfangreichen Markt- und Trendforschungen unsere Innovationsstrategien ab.

Immer wieder brachten wir bahnbrechende Neuheiten auf den Markt und beeinflussten damit die Marktentwicklung nachhaltig. Beispiele hierfür sind – ohne vollständig zu sein: der Akkuschrauber Ixo im Jahr 2003 (das bis heute weltweit meistverkaufte Elektrowerkzeug), der erste Akku-Bohrhammer mit der Kraft eines Netzhammers, der erste Akku-Rasenmäher mit der Leistung eines Netzmähers bei zehnmal weniger CO2-Ausstoß im Vergleich zu einem Benzinmäher im Jahr 2007 oder der Ciso, die erste Gartenschere mit Lithium-Ionen-Akku im Jahr 2009.

Die mit Akku angetriebenen Geräte sind ein ausgesprochenes Wachstumsfeld. Bosch hat diesen Markt als Technologieführer besonders positiv beeinflusst. Lag im Jahr 1990 der Anteil an Akkugeräten noch bei 13 Prozent, waren es 2009 beispielsweise im Profibereich schon 36 Prozent. Dabei steigt der Anteil der Lithium-Ionen-Akkus stark an. Für 2011 rechnen wir damit, dass in Europa 90 Prozent aller Akkugeräte mit Lithium-Ionen-Akkus ausgestattet sind. Bosch Power Tools hat unter allen Herstellern das breiteste Angebot an Lithium-Ionen-Akkugeräten. Diese Geräte machen inzwischen 70 Prozent des Umsatzes mit Akkugeräten aus.

Im Bereich Stationärgeräte konnten wir wesentliche Weltmarktanteile gewinnen. Hier verzeichnen wir den größten Abstand zwischen der Marktentwicklung mit -18 Prozent und unserem Rückgang, der bei -11 Prozent lag. Vor allem mit dem Angebot unserer Marke Skil in Nordamerika waren wir erfolgreich.

Mit den Akquisitionen der sia Abrasives und des Freud-Zubehörgeschäfts konnten wir unsere führende Weltmarktposition im Zubehörgeschäft deutlich ausbauen und von Synergien profitieren. sia Abrasives fertigt innovative Schleifmittel. Im Jahr 2009 konnten wir 700 neue Schleifmittel unter der Marke Bosch auf den Markt bringen.

Durch den Zukauf des Freud-Zubehörgeschäfts erzielten wir wichtige Fortschritte in den Bereichen Kreissägeblätter und Holzfräser. Entsprechend der gewachsenen Bedeutung des Zubehörgeschäfts gründeten wir einen eigenen, weltweit zuständigen Produktbereich.

Mit einem eigenen Produktbereich betreiben wir auch seit 2009 das Geschäft mit Messtechnik. Mit der Integration der erworbenen Unternehmen RoboToolz und CST/berger sind wir nun weltweit Marktführer. Unser Ziel ist es, dass Messgeräte nicht mehr Technik für Spezialisten, sondern Werkzeuge für alle werden.

Mehrere Jahre mit rasantem Wachstum hat unser Bereich Elektro-Gartengeräte hinter sich. Nachdem wir 2008 in Deutschland die Marktführerschaft erreichen konnten, haben wir sie 2009 auch in Europa erreichen können. Haupttreiber dieser Entwicklung waren die innovativen Geräte mit Lithium-Ionen-Akku. Wir bauten diese Gerätepalette kontinuierlich aus und schufen damit auch neue Marktsegmente. Die Verwender nutzen gerne die Vorteile der leichten, kompakten Akkugeräte.

Ausblick

Das Jahr 2010 hat mit einem gesunden Wachstum begonnen. Wir erwarten, dass sich der Elektrowerkzeug-Markt im Jahresverlauf leicht erholen wird. Das Vorkrisen-Niveau von 2007 wird allerdings voraussichtlich erst wieder in drei bis vier Jahren erreicht.

Unser Ziel ist es, auch im Jahr 2010 etwas schneller zu wachsen als der Markt und bald wieder zu einem gesunden Wachstum zu kommen. Insbesondere rechnen wir mit einer wesentlichen Steigerung des Umsatzes in Asien. In Europa und Nordamerika werden die Umsätze wohl nur leicht wachsen.

Wir sehen optimistisch nach vorn, besonders bauen wir auf die vielen Innovationen, die wir auf den Markt bringen werden. Unsere Kunden werden dies zu schätzen wissen.